Würden wir in der Unterhaltungsbranche einen Sieger der Woche küren, wäre das diesmal unbestritten Blizzard. Wer nicht vor dem Bildschirm sitzt und Overwatch zockt, hockt im Kinosessel und schaut sich die Geschichte Azeroths einmal aus einer ganz anderen Perspektive an. Eine Perspektive, die man bewundern darf und nach Ansicht der Fans auch bewundern muss. Und wehe dem, der es wagt, uns dieses geniale Stück Kinokunst madig zu machen!

Natürlich kommen wir in dieser Woche nicht umhin, Blizzards aktuellen Höhenflug zu würdigen, denn ein Spiel und einen Kinofilm innerhalb einer Woche erfolgreich an den Start zu bringen, muss den Jungs erst mal einer nachmachen. Wobei der Kinofilm durchaus geeignet ist, die Gemüter in Wallungen zu versetzen sowie Freundschaften und Beziehungen in die Brüche gehen zu lassen.

Der wütende Mob

Denn Warcraft: The Beginning ist keineswegs so unumstritten, wie das die eingeschworene Fangemeinde gerne hätte. Insbesondere erfahrene Kritiker und Profi-Cineasten urteilen mehrheitlich negativ und sind der Ansicht, dass sich Warcraft an anderen Streifen messen lassen muss. Sie zeigen damit wenig Respekt vor dem, was Duncan Jones da vom Computerbildschirm auf die große CGI-Bühne gebracht hat.

Beinahe schon absehbar aggressiv reagieren darauf die Verehrer des großformatigen Azeroths, wollen Kritikern in ihren Kommentaren schon gerne mal das freche Mundwerk zertrümmern, sie auf Scheiterhaufen verbrennen oder, was in der Community offensichtlich als noch schlimmer gilt, sogar vor Gericht zerren. Wer es wagt, gegen den so offensichtlich grandiosen Film aufzubegehren, ist ein Ketzer, der es nicht besser verdient hat, so die gruselige Meinung der im Netz in Erscheinung tretenden Massen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Läuft bei Blizzard

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Warcraft schlägt eine tiefe Schneise zwischen Kritiker und Fans.
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Vom Kinosessel zurück auf die Schulbank

Und während ich in den Jahrzehnten meines kritischen Tuns schon durch einige solcher Shitstorm-Spektakel abgehärtet wurde, trauen sich einige Kollegen der internationalen Kino-Sparte derzeit nicht ohne Polizeischutz aus dem Haus. Lange genug hat man die Eskapaden der gleichgeschalteten Lügenpresse beinahe stoisch ertragen, doch irgendwann muss Schluss sein. Und bei Warcraft, da hört die Toleranz nun wahrlich auf!

Dabei widersprechen sich die Kritiker der Kritiker permanent, werfen den Autoren einerseits vor, die Rezensionen seien nicht objektiv, um in der nächsten Zeile zu fordern, dass sie unbedingt von einem Fan der Spiele verfasst zu sein hätten. Wobei man jemanden, der eine objektive Rezension fordert, ohnehin noch einmal in die nächstgelegene Mittelstufe zwangseinweisen sollte - falls er die überhaupt schon erfolgreich absolviert hat.

Schöne neue Welt

Lieber Mob, freu dich doch bitte auch mal darüber, dass wir in einem halbwegs demokratischen Land leben, in dem Journalisten in Kolumnen, Glossen und Kritiken noch schreiben dürfen und wollen, was sie empfinden, statt zu versuchen, sie mit Gewalt- und Morddrohungen zu den oft kritisierten, “gleichgeschalteten” Pressehampeln zu machen, die jeden Hype mit “Oh!” und Ah!” begleiten wie das jährliche Kirmesfeuerwerk, nur damit sie dafür dann virtuell von den Fans geknuddelt werden.

Ich für meinen Teil fürchte den Tag, an dem der letzte Kritiker dem bisweilen brutalen Druck der Masse nichts mehr entgegenzusetzen hat. Eine Masse, die sich in der vermeintlich anonymen Welt des Internets nicht sonderlich um das Grundgesetz zu scheren scheint, noch um die guten Sitten. Wenn jemand - ganz offensichtlich in böswilliger Absicht - versucht, das nun wahrlich unantastbare Hobby in den Dreck zu ziehen, kennt die kommentierende Masse wahrlich keine Grenzen mehr.

Eine Masse, wie sie mich übrigens mehrfach ähnlich stark angegriffen hat, nachdem ich mir erlaubt hatte, keinen sonderlichen Gefallen an WildStar und Heroes of the Storm zu finden und die Titel in aller Öffentlichkeit als mittelmäßig abzustempeln. Insbesondere letzteres, da war sich der Mob damals sicher, würde das MOBA-Genre neu definieren. Mittlerweile allerdings ist Heroes of the Storm kaum mehr als eine böse Erinnerung daran, dass man in Irvine nicht unfehlbar ist und eine Ansammlung großer Namen noch kein gutes Spiel macht. Und bei einem Film ist das ganz ähnlich.

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