Kriege sind etwas Fürchterliches. Zumindest in der Welt da draußen, wo Menschen sterben oder zu Schaden kommen. Nicht so jedoch in virtuellen Welten, wo die Möglichkeit zur Kriegsführung eine ganze Reihe positiver Nebeneffekte mit sich bringt. Ein Entwickler, der die Kunst des Krieges beherrscht, glaubt zumindest unser Kolumnist, hält den Schlüssel zum Erfolg in den Händen.

Die vergessene Kunst
Über 2500 Jahre ist das Werk von Sūnzǐ mittlerweile alt, in dem der philosophische General versucht, seine Kriegserfahrungen in allgemeingültige Regeln und Gesetze zu fassen. 13 sind es an der Zahl und sie zeigen, dass Krieg mehr ist als hirnloses Gemetzel. Von der strategischen Planung über die taktischen Varianten, die Initiative und Nutzung des Terrains bis hin zum Einsatz von Spionen deckte Meister Sun alle Themefelder ab, die im Krieg von Bedeutung sind.

Wiped! - Die MMO-Woche - Kriegstreiberei

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Die Blaupause für ein perfektes MMO. Erstauflage - erschienen um 500 v. Chr. im praktischen Bambusbuchformat.
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Umso unbegreiflicher ist es, dass die “Kunst des Krieges” nicht auch zum Standardwerk auf den Schreibtischen von PvP-Designern gehört. Denn Sūnzǐs Werk ist nicht nur als Vorlage für reale Militärstrategen geeignet, sondern dient auch als prima Blaupause für all jene, die virtuelle Kriegsschauplätze möglichst realistisch in Szene setzen müssen.

Dann lieber gleich ein MOBA

Doch statt Spielern die nötige Freiheit in die Hände zu legen, sich in allen Bereichen des Krieges zu betätigen, werden sie in eine instanzierte Arena gestopft, wo sie sich mal eben die Köpfe einschlagen oder einen Flaggenpunkt erobern müssen - Ranking inklusive, damit auch noch der letzte Funken Immersion im Keim erstickt wird.

Der in Entwicklerkreisen enorm beliebte Fraktionszwang verhindert Spionageangriffe, die schwache Engine kennt keinen Geländevorteil und auch die simulierte Welt drumherum zieht keinen Nutzen aus den Aktivitäten der Kriegslustigen. Das Erlebnis gleicht dem einer MOBA-Runde, nur dass es dort spannender und weit besser ausbalanciert abläuft. Ach ja - und den Grind vorneweg kann man sich dann auch sparen. Wen wundert es also, dass die PvPer schon längst zu Dota, LoL und SMITE abgewandert sind?

Stell dir vor, es ist Krieg, und alle machen mit!

Dabei hat der Krieg mit all seinen schönen und weniger schönen Facetten das Zeug, all das zu liefern, was wir in den MMOs an Endgame-Inhalten vermissen. Krieg kurbelt die Wirtschaft an und sorgt dafür, dass Waffen und Munition gebaut werden müssen - vorausgesetzt natürlich, sie nutzen sich ab oder gehen im Kampf verloren. Außerdem müssen Rohstoffe rangeschafft und gehandelt werden - das erfordert eine funktionierende Infrastruktur samt Dienstleistungsgewerbe. Gerade pazifistisch veranlagte Spielernaturen werden an virtuellen Kriegen ihre Freude haben.

Dass das funktioniert, haben uns MMOs wie Ultima Online oder Lineage II gelehrt. Dort gab es Zivilisten, die sich lieber aus dem Kriegsgeschehen raushielten, die jedoch oft so sehr vom Handel mit den Kriegsparteien profitierten, dass sie sich bisweilen nicht nur als Rüstungs-, sondern auch als Ränkeschmiede und Kriegstreiber betätigten. Epische Kriege wecken zwar nicht immer das Beste im Spieler, jedoch geben sie uns die Möglichkeit, Rollenspiel zu betreiben und das das längst vergessene “RPG” ins MMO-Genre zurückzubringen.

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