Während aktuell die komplette Branche mitsamt diverser Spitzenpolitikerauf der Gamescom abfeiert, fragt sich unser Kolumnist, ob es das nun schon wieder gewesen sein soll. “Viel Lärm um nichts!” - so der Eindruck, den der gealterte Gamer von dieser jungen Veranstaltung gewonnen hat.

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Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Es ist wieder Gamescom. Juhu. Die Kolleginnen und Kollegen sind allesamt ausgeschwärmt und was für manch einen ein paar stickige Messehallen sind, scheint für sämtliche Branchenvertreter die größte Party der Welt. Schon vor Wochen wurden die ersten Eintrittskarten und Buchungen aller Art auf allen sozialen Kanälen stolz zur Schau gestellt. Ganz nach dem Motto: “Ich arbeite da, wo andere Urlaub machen!”

Mittlerweile ist das Netz voll von Bildern grenzwertiger Cosplayer, Catering-Fraß, Selfies mit Gronkh und Bildern der Kanzlerin. Richtig, auch die war auf der Gamescom und schaute dem Jungwählervolk beim Zocken über die Schulter. Sie nahm sogar einen Controller in die Hand, um eine Erntemaschine für einige Augenblicke über den virtuellen Acker zu schieben. Die Ernte dafür fährt sie dann zur kommenden Bundestagswahl ein. Unser Hobby ist endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wie schön.

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Zumindest befand sich Kingdom Come: Deliverence unter den ausgezeichneten Spielen
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Alter Griesgram

Erstaunlicherweise lässt mich der ganze Rummel ziemlich kalt. Vielleicht bin ich wirklich in die Jahre gekommen, doch die Euphorie mancher Kollegen, die sich mit YouTubern und Cosplayern ablichten, die ich nicht kennen will und die wie Teenager den Publishern auf ihren Brainwashing-Bühnen entgegenkreischen, wenn mal wieder die Shirts fliegen, ruft in mir ein subtiles Schamgefühl hervor. All das hier hat mit meinem Hobby so gar nichts mehr zu tun.

Auch die Gamescom-Awards 2017, abgesehen von Kingdom Come: Deliverance, sind für mich eher ein Trauerspiel. Überhaupt ist wieder einmal nichts dabei, was ich nicht schon geahnt, gesehen oder angespielt hätte. Und all der hochgehypte Rest? Destiny 2? Mochte schon den ersten Teil nicht. Fallout 4 VR? Seh ich nicht. The Crew 2? Im Ernst, Ubi?

Je mehr Besucher und Politiker in die heiligen Hallen zu Köln strömen, desto witzloser scheint diese Veranstaltung zu werden. Die Gamescom ist zum Massenevent geworden, das gerade an seinem Erfolg zu ersticken droht. Die guten und die kleinen Studios machen sich rar. In anderen Ländern arbeitet man längst daran, kompaktere, aber gehaltvollere Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Doch das kommt hier bei uns nicht an und bis die Masse merkt, dass in den Markthallen kein Spielspaß zu finden ist, werden wir den Zirkus in Köln noch ein paar Jahre lang ertragen müssen.

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