Kaum hat in dieser Branche mal ein Entwickler eine im Ansatz neue Idee, hat sie auch bald der nächste. Dabei ist es relativ egal, ob diese Idee eine sonderlich gute war. Hauptsache ist, man schließt sich dem trendigen Tross an und macht genau das, was alle tun - die nächsten fünf bis sieben Jahre lang. Wenn man dann mit seinem Geniestreich am Markt vorstellig wird, kann man eigentlich nur gewinnen. Oder?

Ran an den Speck!

Fast 100 Wiped-Ausgaben ist es nun her, dass wir in einem ähnlichen Zusammenhang erläuterten, was ein Schweinezyklus ist. Den Begriff kennen nicht nur Wirtschaftswissenschafler, sondern auch schlaue Bauern. Nur dumme Bauern und manche Vertreter der Unterhaltungsbrache kennen ihn nicht und züchten fröhlich und mit ganzer Kraft Schweinchen, weil sich mit denen am Markt gerade ein so wundervoll hoher Preis erzielen lässt.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Ferkel benötigen eine Weile, bis sie heranwachsen und wenn die kleinen Schweinchen endlich schlachtreif sind, liefern auch alle anderen Höfe fleißig ab, woran sie die letzten Zeit hart gearbeitet hatten: Schweinchen en masse. So viele, dass die Verbraucher übersättigt sind und die Schweinepreise von früher längst überholt. Der kluge Bauer hätte sich also azyklisch verhalten müssen und gerade das züchten, was sich aktuell eben nicht lohnt. Gleiches gilt für den klugen Entwickler.

Mithalten oder untergehen

Vielleicht wäre uns dann so manches generische MMO ebenso erspart geblieben wie danach die traurige MOBA-Schwemme, während der man in offensichtlich jedem noch so unerfahrenen Studio glaubte, es mal eben so besser machen zu können als die Genre-Pioniere. Und während nun diese und die darauf folgende Ära der Arena-Shooter schon beinahe wieder vorbei sind, dreht die Sparte der Survival-Sandkästen erst so richtig auf.

Dabei haben die jüngeren Herausforderer wie Conan Exiles natürlich ARK: Survival Evolved im Visier, den derzeitigen Genre-Primus. Doch der bietet schon jetzt weit mehr als nur den üblichen Überlebenskampf samt Basisbau. Er bietet eine zähm und züchtbare Tierwelt, durch die der Sandkasten eine Tiefe erreicht, in die man sich als Spieler erst einmal hineingraben muss. Umso länger bleibt die Dino-Welt spannend und umso schwieriger ist es für Neuzugänge, da überhaupt mitzuhalten.

Out of Reach - außer Reichweite

Dass der Erfolg im jungen Genre trotzdem in greifbarer Nähe liegt, daran glauben auch die Entwickler von Out of Reach. Die Survival-Sandbox ist immerhin schon seit etwa einem Jahr auf Steam im Early Access, versucht nun jedoch, mit ganzer Kraft und bewegten Bildern auf sich aufmerksam zu machen. Doch was bietet Out of Reach konkret, jenseits des gewohnten Überlebenskampfes gegen die übliche Fauna, dem Crafting und dem Basisbau? Ein aktueller Trailer zeigt mehr.

Im Vergleich zur gewohnt unfertigen Nullachtfünfzehn-Survival-Sandbox schneidet Out of Reach wohl gar nicht so schlecht ab. Misst man es jedoch direkt mit ARK, so hinken die Space Boat Studios locker einige Monate, wenn nicht gar Jahre hinterher, zudem die “ausgeglichenen” Bewertungen auf Steam nicht unbedingt dafür sorgen, dass die Community so schnell wächst, wie sie es sollte, um einen langfristigen Erfolg zu sichern. Doch vielleicht ist ja der mit 7,49 aktuell noch recht günstige Summer-Sale-Preis ein Argument.

ECO - wenn der kleine Hunger kommt

Derweil können sich die Entwickler von ECO glücklich schätzen, dass ihr Sandbox-Versuch optisch wie spielerisch vom üblichen Schema abweicht und sie ein ziemlich interessantes Alleinstellungsmerkmal haben. In ECO sind die Ressourcen nicht unbegrenzt vorhanden, vielmehr wachsen und gedeihen sie nach den Vorgaben eines ausgeklügelten Ökosystems, dass die Spieler im schlimmsten Falle derart aus dem Gleichgewicht bringen können, dass die virtuelle Welt unbewohnbar wird.

Und während man bislang nicht so recht wusste, wie man sich das in der Spielpraxis dann vorzustellen hatte, bringt ein aktuelles Video nun ein wenig Licht ins Dunkel. Interessant ist dabei vor allem die Weltkarte, die als Globus dargestellt wird und in mit deren Hilfe die Spieler mit ihren Mitbewohnern in Kontakt treten können, um Handel zu treiben und die Infrastruktur zu teilen.

Denn wenn am Ende jeder Spieler alles selber fabrizieren und besitzen will, dürfte es um das jeweilige Ökosystem schlecht bestellt sein, wobei sich einmal mehr die Frage stellt, ob am Ende die Entwickler mit ihrem durchaus innovativen Konzept triumphieren werden oder die Trolle, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, die Schutzsysteme zu umgehen, um das Ökosystem möglichst eindrucksvoll zur Hölle zu jagen.

Crush Online - MMORPGBA?

Bereits zur Hölle gejagt hat die Community so manches MOBA-Game, das in den vergangenen Jahren bei uns aufgeschlagen ist. Verständlich, denn die drei großen Titel haben einen Vorsprung an Feinschliff, Spieltiefe und Balancing erreicht, der sich nicht mal eben so mit einem neuen Spiel aufholen lässt. Und doch versuchen noch immer Entwickler ihr Glück im schwer zugänglichen Genre.

Ein Studio, das bezeichnenderweise den Namen Games in Flames trägt, hat immerhin erkannt, woran es den etablierten MOBA-Titeln noch immer fehlt. An einem Meta-Element nämlich, einer Weltkarte samt der Möglichkeit, Gebiete zu erobern. Genau dieses Element soll Crush Online liefern und damit MMO- wie MOBA-Spieler gleichermaßen anlocken.

Aktuell ist der Closed-Beta-Test gestartet, zu dem nur ein kleiner Kreis von Spielern Zugang hat. Das Spiel soll jedoch noch im Laufe des Sommers frei und kostenlos verfügbar sein und die Entwickler versprechen, dass man sich alles Wesentliche freispielen kann, außer Kostümen, die jedoch nichts an den Werten ändern sollen. “Es ist ein PvP-Spiel”, so das Team von Games in Flames. Also werde man bei der Finanzierung “äußerst vorsichtig” vorgehen.

WildStar - warum nicht gleich ein Lobby-Game?

Nicht ganz so vorsichtig ist man aktuell bei Carbine. Kein Wunder, denn nachdem WildStar nun auch auf Steam keinen reißenden Absatz mehr zu finden scheint, muss man jede Chance wahrnehmen, irgendwie noch Geld aus dem quietschbunten Sci-Fi-Western-MMO zu quetschen. Und so kommt im nächsten Update, was kommen musste: ein käuflicher Character-Boost bist an die Spitze.

Klingt in der Theorie recht nett, sorgt in der Praxis jedoch für hitzige Diskussionen. Zumindest müssen sich jetzt auch die Jungs von Carbine die Frage gefallen lassen, warum sie denn nicht gleich ein Lobby-Game für Raid-Fans entwickelt haben, wenn sich fortan möglichst jeder Spieler nach oben kaufen soll. Damit hätte man sich den Großteil der Arbeit sparen und seine Energie in die Qualität entsprechender Inhalte stecken können.

Revelation Online - in guten Händen?

Gleiches gilt leider für die meisten Themepark-MMOs, deren Entwickler vergessen haben, dass der Weg das Ziel sein sollte und man diesen Weg möglichst so unterhaltsam zu gestalten hat, dass der Spieler nicht im Traum auf die Idee kommen würde, ihn gegen Zahlung einer Gebühr zu umgehen. So unterhaltsam wie in Revelation Online, das aktuell mit einem Überflugsvideo glänzt.

Davon zumindest berichten aktuell zahlreiche Spieler, die es auf die chinesischen Server geschafft haben und die mehrheitlich begeistert von dem extrem umfangreichen Spiel sind, das wie eine feingeschliffene Mischung aus Blade & Soul und Aion wirken soll, mit freiem Kampf, Burgbelagerungen und einer wirklich freien Fliegerei.

Wie auch immer Revelation Online im Detail werden wird - schon jetzt scheint offensichtlich, dass man sich im Entwicklerstudio NetEase von trashigen Kopien größerer MMOs verabschiedet hat, um fortan ganz vorne im Genre mitzuspielen. Und international obendrein, wie die aktuelle Kooperation mit My.com beweist, jenem russischen Publisher, der hierzulande schon Skyforge und Armored Warfare betreibt und in dessen Portfolio sich ein vollwertiges MMORPG sicherlich recht gut machen wird.

Riders of Icarus - Wiedergeburt der Titanen

Überhaupt haben einige der früher untragbaren asiatischen Publisher und Studios zu den beliebteren Häusern aufgeschlossen und liefern nun zumindest Spiele ab, die man sich mal angesehen haben sollte. So wie Riders of Icarus, das aktuell in den Headstart gegangen ist und das ab dem 06. Juli dann in der offenen Beta für jedermann frei und kostenlos zugänglich sein soll.

Dabei sei Publisher Nexon, so heißt es aus der Community, sogar auf die Wünsche der Kritiker eingegangen und habe gewisse Elemente, die in Richtung Pay-to-win gingen, aus dem Spiel entfernt. Grund genug für uns, am Mittwoch doch mal einen genaueren Blick ins Spiel zu werfen, das sich auf den ersten Klick ein wenig anfühlt wie eine Mischung aus Neverwinter und TERA, gespickt mit der Drachenzähmerei aus dem ansonsten ziemlich miserablen Dragon’s Prophet.

Black Desert - durch den Kakao gezogen

Überhaupt lässt sich mittlerweile feststellen, dass die asiatischen Publisher langsam, aber sicher das MMO-Genre an sich reißen, sind sie im Vergleich zu den westlichen Häusern doch ungleich fleißiger und liefern neben neuen Titeln auch ziemlich eindrucksvolle Erweiterungen. So auch die Jungs von PearlAbyss, die nun schon mal den ersten Teil des Valencia-Updates nach Europa bringen. Ein Update, das die an sich schon riesige Welt um noch einmal 30 Prozent und ziemlich viel Sand erweitert. Damit hinken wir nur noch etwa sechs Monate hinter den koreanischen Inhalten her.

Und wer sich nun wundert, dass man nichts mehr vom Publisher Daum zu lesen bekommt: Der hat, nach einer Fusion mit Nzin, tatsächlich den klangvollen Namen des neuen Mutterkonzerns angenommen und firmiert ab sofort unter Kakao Games Europe. Und bitte keine Witze über die wundersame Namensgebung - in der Community kennt man sie mittlerweile alle.