Warum bekomme ich mein Geld nicht zurück, wenn ich von einem Kickstarter-Projekt enttäuscht bin? Was tun gealterte Entwicklerveteranen heute? Welche Aussichten hätte ein Piraten-MMO? Mit diesen und einigen Fragen mehr beschäftigte sich die MMO-Branche in der vergangenen Woche. Höchste Zeit also, dass wir uns einen kleinen Überblick verschaffen.

Wer in den nächsten Elektronikfachmarkt marschiert, ein Computerspiel kauft, zu Hause die Packung aufreißt und es auf dem Rechner installiert, der ist sich der Konsequenz bewusst: Umtausch ausgeschlossen. Diese Regelung wurde eingeführt, um den Handel vor allzu hohem Personalaufwand zu schützen und um Missbrauch vorzubeugen. Immerhin könnte man als Kunde das Spiel flugs durchzocken und sich am nächsten Tag sein Geld zurückholen. Handel, Publisher und Studio gingen leer aus und könnten bald die Pforten schließen, so die Theorie.

Die Geld-zurück-Garantie

Etwas anders sieht es dagegen in der Praxis der digitalen Welt aus. Dort entsteht, pro verkauftem Exemplar gerechnet, ein verschwindend geringer Personalaufwand. Auch gibt es keine Packung, die geöffnet oder beschädigt sein könnte. Die Rückabwicklung kann komplett automatisiert ablaufen und der zurückgegebene Produktschlüssel einfach dem nächsten Käufer übertragen werden.

Entsprechend beißen mittlerweile auch führende Internet-Vertriebsplattformen wie Steam in den sauren Apfel. Dort kann man immerhin ein Spiel zurückgeben, das nicht länger als zwei Stunden gespielt wurde. Und bei GOG kann man sich sein Geld gar bis zu 30 Tage nach Kauf noch zurückholen, wenn man vor unlösbaren technischen Problemen steht oder “game-breaking” Bugs das Spielerlebnis trüben.

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Wer nichts zu verlieren hat, kauft mehr

Das Erstaunliche: Während Einzelhändler vor Ort Reklamationen jedweder Art nicht sonderlich ausstehen können und sie oft nur unter Druck vornehmen, scheint sich die kundenfreundliche Haltung für die digitalen Unternehmen auszuzahlen. Der Kauf ohne Risiko steigert die Kauffreudigkeit der Kunden und lässt sie schneller mal nach einem Titel greifen, dem sie sonst möglicherweise keine Chance gegeben hätten. Im Ergebnis wird mehr gekauft und mehr gespielt. Zu fürchten hat nur der Publisher etwas, der schlechte Arbeit abliefert.

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Während Chris Roberts ein Raumschiff nach dem anderen gewinnbringend vermarktet und damit Hunderte Millionen verdient, leiden kleinere Crowdfunding-Titel unter Funding-Trollen, die von Projekt zu Projekt hüpfen, ohne wirklich etwas zu investieren.
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Schwierig wird es allerdings, wenn es sich um ein Crowdfunding-Projekt handelt. Dessen Entwicklung beginnt meist erst, nachdem erfolgreich gekickstartet wurde, die Interessierten also ihr Geld in das Projekt gesteckt haben. In den Monaten und Jahren, die bis zum Release vergehen, kann durchaus eine Menge passieren. Das Projekt kann scheitern, sich verzögern oder hinter den Erwartungen zurückbleiben. Manchmal gerät aber auch der Geldgeber selbst in finanzielle Schwierigkeiten und braucht dringend “sein Geld” zurück.

Ich will mein Geld zurück!

Kein Wunder also, dass eine Ankündigung des Crowfall-Teams zu diesem Thema aktuell für erhitzte Gemüter sorgt. Das für die Unterstützerpakete gezahlte Geld werde nicht zurückerstattet, heißt es aktuell von offizieller Seite. Das habe man bisher recht locker gehandhabt, allerdings ginge das auf Dauer nicht, weil es einfach zu viel Arbeit verursache. Ab sofort gilt also: Wer also ein Paket bestellt hat, behält es. Ende der Diskussion. Nicht jedoch für einige Käufer, die nun erst recht ihr Geld zurückverlangen.

Für das kleine Indie-Studio allerdings ist genau das ein Problem. Man könne nicht einfach mal eben ein paar Münzen unter dem Tisch hervorzaubern, so der Community Manager in seiner Erklärung. Das eingesammelte Geld sei in die Firma investiert worden und es werde aktiv genutzt, um das Spiel zu entwickeln. Wenn dann jedoch plötzlich immer wieder Beträge vom Kapital verschwinden, sei die Planung einfach zu schwierig. Außerdem erlaube man den Handel mit Unterstützerpaketen von denen jedes mittlerweile mehr wert ist, als es dereinst gekostet hatte und werde Optionen ausarbeiten, diesen Handel sicherer zu machen.

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