Nicht nur Datenschützer stehen Amazons Alexa und ihren zahlreichen Kolleginnen und Kollegen recht kritisch gegenüber, auch bei Gamern steht die virtuelle Assistentin nicht sonderlich hoch im Kurs. Dabei haben Spiele wie Elite: Dangerous längst gezeigt, wie gut sich eine KI samt Sprachsteuerung in ein Spiel integrieren lässt, warum also nicht auch Alexa?

Heute geht es unter anderem um Elite: Dangerous

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Wer sein Raumschiff in Elite: Dangerous schon mal mit Voice-Commands durchs All gesteuert hat und, je nach Sprachpaket, eine von zahlreichen bisweilen frechen Antworten von seinem Bordcomputer bekommen hat, wird diese Funktion nicht mehr missen wollen. Doch leider sind derlei Funktionen im Gaming noch immer die Ausnahme.

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“Sorry, ich habe keine Zunge”

Zugegeben, es brauchte eine gewisse Eingewöhnungsphase, als unser Clan gegen Anfang des zweiten Jahrtausends auf den Einsatz von Sprache setzte. Der Widerstand gegen dieses Teufelswerk namens Teamspeak war damals gigantisch und wir mussten Hunderte Bewerber ablehnen, etwa 90 Prozent davon vorgeblich sprachbehindert. Tatsächlich waren sie einfach noch nicht bereit, ihre Stimmen ins Clanleben einzubringen.

Dabei galt schon damals: Wer insbesondere im PvP tippt und liest, hat schon verloren und der Grund, warum wir selbst als kleine Gruppe gegen feindliche Heerscharen von zehnfacher Größe bestehen konnten, lag in einer beinahe militärisch aufgebauten Kommandostruktur via TeamSpeak. Dazu kam: der Einsatz von Voice-Kommunikation brachte eine neue Dimension ins Online-Gaming.

“Ich ruf dich an!”

Davon profitiert auch Grand Theft Auto V. Dessen aktuelles Aufblühen in der Mutiplayer- und Rollenspieler-Szene hat vor allem mit der Arbeit einiger Modder zu tun, denen es gelungen ist, den Teamspeak-Server mit dem Spiel zu verknüpfen, die Position von Spielern in der virtuellen Welt auszulesen und Spieler miteinander sprechen oder telefonieren zu lassen.

Umso mehr stellt sich die Frage, warum solche Funktionen nicht schon lange in jedem Online-Game enthalten sind, warum manch ein Publisher seine Spieler entmündigt, weil man davon ausgeht, dass es nicht sauber genug zuginge, wenn die Community miteinander spräche. Klar - dafür müssen Moderatoren her und Programme, die akustisches Gespamme unterbinden. Insgesamt jedoch hat sich jedoch gezeigt, dass chronische Trolle weit schüchterner mit der eigenen Stimme sind als mit dem geschriebenen Wort, weil dabei ein Stück Anonymität wegfällt.

Bestell Cola nach, dann spiel mit mir!

Doch nicht nur Multiplayer-Games profitieren vom gesprochenen Wort. Auch manch langweiliges Solo-Game hätte man schon vor Jahren mit stimmlichen Mitteln aufpeppen können. Entsprechend kann sich die Branche nun auch nicht mehr beschweren, dass es “wieder einmal die von Amazon” sind, die sich jetzt ein großes Stück vom beinahe unangetasteten Kuchen einverleiben.

In einer Kooperation mit Activision testet Amazon jetzt einen “persönlichen, sprachkontrollierten Aufklärer”. Dieser basiert auf jener cloudbasierten, sprachgesteuerten KI, die wir als Alexa kennen. Konkret bedeutet das: Alexa schaltet uns fortan nicht nur das Licht an und aus, fungiert als DJ oder bestellt Cola nach - sie feuert uns auch im neusten Call of Duty an, schmeichelt unserem Ego, indem sie im Anschluss an ein Match unsere Leistung herausarbeitet. Und natürlich hilft sie uns, in Zukunft besser zu werden.

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Dirty Little Alexa

Ein virtueller Coach also, der den Graben zwischen den Spielern, die Tipps und Tricks bereitwillig nutzen und jenen, die derlei “Cheaterei” ablehnen und sich die Dinge selbst erarbeiten wollen, noch größer werden lässt. Das Ziel von Alexas Schöpfern ist klar: In Zukunft spart man sich als Spieler den Umweg über den Amazon-Konkurrenten YouTube und dessen Arsenal von Gamer-Videos und bleibt praktischerweise gleich bei Alexa, die einem charmant über die nächste Hürde hilft und gleichzeitig das chronisch angeknackste Ego aufpeppelt. Die perfekte Freundin für jeden Gamer.

Dabei gibt es noch viel interessantere Möglichkeiten für eine KI. Gerade Solo-Games könnten mit einem ins Spiel verbauten Intelligenzbolzen eine neue Ära einläuten. Ein NPC-Begleiter, der auf unsere Zurufe reagiert oder Feinde die sich von einem Zuruf provozieren oder besänftigen lassen - die Einsatzmöglichkeiten sind ebenso unerschöpflich wie vielversprechend.

Black Desert - mein Freund, der Auktionator

Dass dabei eine enge, emotionale virtuelle Verbindung zwischen Spieler und KI entstehen kann, einer Freundschaft oder gar Partnerschaft nicht ganz unähnlich, mag uns jetzt noch etwas seltsam erscheinen - in einigen Jahren jedoch wird dieses Phänomen jedoch aller Voraussicht nach salonfähig werden.

Denn obwohl dem gemeinen NPC aktuell noch jede Art von Intelligenz und Persönlichkeit fehlt, fordern manche Spieler die Möglichkeit ein, einen solchen zum virtuellen Partner zu machen. Um diesen Forderungen nachzukommen, arbeitet aktuell das südkoreanische Team hinter Black Desert an neuen Interaktionsmöglichkeiten mit NPC:

"Nachdem man eine Vertraulichkeit zu einem speziellen NPC hergestellt und man mit seinem Antrag Erfolg hatte, kann man zum Liebhaber werden. Und als solcher bekommt man auch einen speziellen Titel.” Und natürlich gibt es auch besondere Geschenk, mit denen man seinen neuen Schwarm in Zukunft verwöhnen kann. Der soll übrigens tatsächlich treu und nur für einen Spieler zu haben sein. Haltet euch also ran!

Lost Ark & ArcheAge

Ach ja - ein paar weitere gute Nachrichten gibt es noch aus Südkorea. Da wäre zum Beispiel die zweite und letzte Closed-Beta zum mit allergrößter Spannung erwarteten isometrischen MMORPG Lost Ark. Das Spiel ist also nicht in der Versenkung verschwunden und wird tatsächlich auf sein Release vorbereitet.

Auch nicht verschwunden ist Kultentwickler Jake Song, der sich ArcheAge zwar erdachte, jedoch nach Release nichts mehr damit zu tun hatte. Ein Fehler, wie man bei XLGames offenbar erkannt hat. Und so soll der Schöpfer von Lineage fortan wieder als Executive Producer für ArcheAge verantwortlich sein. Sein Ziel: “Den Spaß zurückzubringen” und an seine “ursprüngliche Vision” anzuknüpfen.

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Wie schön. Westliche Spieler haben da allerdings noch ein weiteres Problem, das möglicherweise nicht einmal Jake Song beheben könnte: Trion Worlds als Publisher und dessen schamlose Geschäftsgebaren. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema und soll ein andermal erzählt werden.