Freut ihr euch schon auf Halloween? Unser Kolumnist nicht. Ihn gruselt es schon jetzt vor den unzähligen Nachrichten, Bilder und Videos, mit denen die Branche wieder mal zum großen Marketing-Rundumschlag ausholt.

Zwei Wochen ist es noch hin bis Halloween. Manche meiner Clankollegen sind deswegen schon jetzt ganz aus dem Häuschen. Sie höhlen Kürbisse aus, basteln Cosplay-Fummel oder bestellen die verrücktesten Masken einfach online, um damit eine der berüchtigten Gruselpartys zu stürmen, die mittlerweile in jedem besseren Dorfgemeinschaftshaus abgehalten wird. Vom mittelalterlichen Irland aus über die USA hat Halloween mittlerweile auch bei uns Einzug gehalten, als weiterer Anlass zum Feiern. Warum auch nicht.

Frankenstein dreht sich im Grabe herum

Wirklich gruselig ist Halloween jedoch, seit die Publisher von Online-Games die Thematik für sich entdeckt haben. Ob Mittelalter-, Fantasy-, Sci-Fi- oder gar Shooter-Game - der Halloween-Eifer der Entwickler und deren Kreativität scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Überall werden virtuelle Kürbisse, Kerzen, Horror-Masken, Reittiere und Klamotten angepriesen und angeboten, ob sie nun ins jeweilige Spiel passen oder nicht.

Das Verrückte daran: Die Spieler kaufen den ganzen kosmetischen Tand auch noch, obwohl der wenig bis gar keinen spielerischen Wert hat. Die Arbeit ganzer Heerscharen von Entwicklern in den Studios weltweit ist mittlerweile ähnlich ausgerichtet wie bei einem Modelabel. Da treiben Content-Manager ihre Teams von digitalen Modedesignern an, die neuen Kollektionen zu entwerfen.

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Texter denken sich Slogans dafür aus, die dann in die Sprachen der weltweiten Märkte übersetzt werden. Das Produkt wird schließlich per Content Management System ins Spiel selbst und auf der Webseite eingepflegt. Dazu wird ein Newsletter rausgehauen, begleitet von der Arbeit der Kollegen vom Social Media Management, die Twitter, Facebook und dergleichen abdecken und den PR-Agenturen, die uns Journalisten tagtäglich mit Mails zu all dem generierten Müll zuballern, in der Hoffnung, dass wir auch noch darüber schreiben. So wie ich jetzt.

Alljährlicher Horror

Und wenngleich ich wohl oder übel akzeptieren muss, dass ich mal wieder eine Randgruppe vertrete und es kein solches Angebot samt Infrastruktur drumherum gäbe, wäre da nicht eine entsprechende Nachfrage, ist mir diese Entwicklung äußerst suspekt und ich erlaube mir als Gamer, die Frage nach der Sinnhaftigkeit zu stellen. Wie viel Geld wird da in Bereiche eines Spiels gesteckt, die meiner Ansicht nach keiner Erweiterung bedürfen?

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Um wie viel wertvollen Content, um welch grandiosen Mechaniken könnte man ein Spiel erweitern, würde man sich weniger um den schönen Schein scheren und mehr ums Wesentliche? Da werden Entwickler aus wichtigen Abteilungen entlassen, um ein virtuelles Modelabel aus dem Boden zu stampfen, eine Marke für virtuelle Raumschiffe, die nur auf dem Papier existieren oder was auch immer. Und wir Spieler unterstützen all das noch mit unserem Geld. Für mich auf jeden Fall gruselig genug, um Blizzards wahrscheinlich unfreiwillig gelungene Beschreibung zum Overwatch-Halloween-Event zu zitieren: Viel Spaß mit dem “Halloween Terror 2017”.

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