Sollten sich GMs schon vor Release eines neuen MMOs uneingeschränkt die besten Namen herauspicken dürfen? ist es klug, besonders zahlungskräftige Spieler in exklusive, virtuelle VIP-Lokalitäten einzuladen? Wie viel Marketing-Gesülze kann ein Entwickler von sich geben, bevor der Schuss nach hinten losgeht? Diese und viele weitere Fragen wirft unser Kolumnist in dieser Woche in die gewohnt hitzige MMO-Debatte.

Ich heiße Neo!

Neo, Naruto, Wolverine oder KyloRen - diese und viele weitere Namen rangieren weit oben auf der Favoritenliste der Community. Und wann immer ein neues MMORPG startet, beginnt das große Rennen um die größten  Namen. Die genannten vier, darauf kann man wetten, sind bereits innerhalb von Sekunden vergeben. Doch was, wenn man wirklich der echte Neo ist und auch im Spiel so heißen möchte?

NCSoft hatte beim brandneuen MMO Blade & Soul für diesen Fall vorgesorgt. Für 69,99 Euro konnte man das mittlere Gründerpaket erwerben und damit unter anderem die Möglichkeit, einen Namen zu reservieren, bevor überhaupt die Server zum Headstart öffneten. Für stolze 114,99 Euro lagen dem Paket dann gleich zwei Namensreservierungen bei. Das, so glaubten manche Spieler, dürfte die Chance erhöhen, schnittige Namen wie Saber oder Naruto zu reservieren.

Sieben Namen für einen GM

Umso größer der Schock, als man feststellen musste, dass diese Namen schon vergeben waren - und zwar an einen Gamemaster von NCSoft. Sieben Namen, so stellte sich nun heraus, konnten sich GMs und diverse andere Mitarbeiter von NCSoft für Blade & Soul pro Kopf reservieren - bevor die Käufer besagter Gründerpakete die Gelegenheit dazu bekamen.

Und das alles wäre wohl längst nicht zum Skandal ausgewachsen, hätte sich nicht Community Manger ‘Akli Youmukon’ Amichi, bis vor kurzem noch für die französische Community von WildStar zuständig und jetzt Besitzer einiger beliebter Namen in Blade & Soul, via Twitter zur Sache geäußert: “Ganz ehrlich - es ist mir ziemlich egal, was die Leute denken, sonst würde ich diesen Job nicht machen.”.

Geschwafel statt Kompromissbereitschaft

Und als wäre ein solcher Ausfall nicht genug, sah sich noch NCSofts Brand Managerin Julianne Harty genötigt, Stellung zu Sache zu beziehen und zu erklären, dass die Regelung mit den sieben Namen immerhin verhindere, dass zwielichtige Personen Geld mit solch populären Namen verdienten könnten. Zudem sei man in erster Linie Mitarbeiter von NCSoft und erst in zweiter Linie Gamer und die gewählten Namen dienten letztlich dem Spielerlebnis.

Klingt das nicht wie an den Haaren herbeigezogen? Hätten nicht gerade dann eher inhaltlich mit dem Spiel verknüpfte GM-Namen Sinn gemacht? Oder hätte man sich nicht einfach GM_Naruto nennen können? So sieht das zumindest die Community. Und so geht der Kampf gegen den “Missbrauch von GM-Rechten” weiter.

Zumindest in alternativen Foren, denn im offiziellen Forum von Blade & Soul ist die Diskussion mittlerweile von NCSoft für beendet erklärt und das Thema geschlossen worden. Alles, was zu sagen war, sei mittlerweile gesagt, so der letzte Beitrag von offizieller Seite. Tolle Voraussetzungen für das Release eines neuen MMORPGs.

Star Citizen - Wir müssen leider draußen bleiben!

Derweil ist die Diskussion um den ‘Million Mile High Club’ von Star Citizen neu entbrannt, nachdem die Entwickler einen neuen Bericht zum Stand der Dinge abgeliefert hatten. Der Millionärsclub ist eine virtuelle Umgebung innerhalb der Welt von Star Citizen, die nur von Spielern betreten werden kann, die mindestens 10.000 Dollar ins Spiel gesteckt haben.

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Wer durch diese Tür gehen möchte, muss mindestens 10.000 Dollar in Star Citizen versenkt haben.
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Eine virtuelle Zweiklassengesellschaft also, die Chris Roberts da aufbaut, so der Vorwurf einiger Spieler, zudem Clubmitglieder die Möglichkeit bekommen sollen, Privatpartys in der exklusiven Lokalität zu schmeißen, zu denen dann auch arme Schlucker eingeladen werden können. So erkaufe man sich letztlich, befürchten die Kritiker, die Freundschaft und Loyalität anderer Spieler. In einem MMORPG wie Star Citizen käme das einer Pay-to-Win-Option gleich.

Augen auf beim Raumschiffkauf!

Insgesamt sollen es rund 100 Spieler sein, die bislang zu diesem elitären Grüppchen gehören. Ein verschwindend kleiner Teil der insgesamt über 1,1 Millionen Unterstützer, die wenig Verständnis aufbringen für den Aufwand, den das Entwicklerteam hier betreibt, um eine exklusive Umgebung zu schaffen, die spielerisch keinen Mehrwert bietet.

Doch solange es Spieler gibt, die in dieser Hinsicht völlig schmerzfrei sind, die jedes Kinkerlitzchen, jeden neuen Flieger, der irgendwann mal im fertigen Spiel sein soll, für Hunderte Dollar vorbestellen, wird Chris Roberts wohl kaum von seinem Geschäftskonzept abweichen. Doch auch ihm sollte klar sein: Jedes andere MMO, in dem sich Ausrüstung für Echtgeld erwerben lässt, gilt als ‘pay-to-win’ und spätestens nach Release wird der Zorn jener Spieler groß sein, die mit ihren Seelenverkäufern von den schnittigen Raumern abgehängt werden.

The Elder Scrolls Online - “Millionen neuer Spieler”

Um Millionen neuer Spieler geht es derzeit auch bei The Elder Scrolls Online. Über die freut sich derzeit Game Director Matt Firor und verschweigt dabei natürlich, dass die so wundervollen Zahlen, die man jetzt feiert, nicht zuletzt mit der Kampagne zu tun haben, in der man einem Spieler von The Elder Scrolls Online eine Million Dollar verspricht.

Die komplette Auslagerung des unter anderem deutschen Supports zu einem indischen Dienstleister und die Entlassung von insgesamt 600 Mitarbeitern sprechen zudem eine ganz andere Sprache als der Game Director. Immerhin hat der den Plan für 2016 vorgelegt, in dem von zwei geplanten DLCs die Rede ist. Der erste umfasst die Diebesgilde und soll schon im ersten Quartal aufschlagen - im DLC des zweiten Quartals geht es dann um die Dunkle Bruderschaft.

Zudem möchte man den Schwerpunkt der Arbeit auf soziale Features und die offene Welt setzen. Was das Housing und andere Mechaniken betrifft, so werde man darüber erst in Zukunft sprechen. Ein richtiger Knaller, wie ihn sich viele Spieler erhofft hatten, war allerdings nicht dabei und damit hinterlässt die Ankündigung einen etwas faden Beigeschmack und befürchten, dass neben dem Support auch Teile der Entwicklung heruntergefahren wurden.

Bless Online - die MMO-Schönheitskönigin

Eine Überraschung gab es derweil aus Südkorea zu vernehmen, wo die Entwickler von Bless Online aktuell verkündet haben, dass man bereits am 27. Januar mit der Open Beta beginnen werde. Überrschend war das vor allem deswegen, weil man vor wenigen Monaten noch angekündigt hatte, sieben grundlegende Mechaniken komplett überarbeiten zu wollen - darunter auch das als zu langsam kritisierte Kampfsystem.

Bless Online steht in direkter Konkurrenz zu Black Desert, das in Südkorea bereits veröffentlicht wurde und das bei uns noch im ersten Quartal 2016 erscheinen soll. Anders als Black Desert, das mit einer hauseigenen Engine und einer komplett offenen Welt gebaut wurde, basiert Bless jedoch auf Instanzen und wird mit der nicht mehr ganz neuen Unreal Engine 3 entwickelt, für die man dafür ein eigenes Update bei Epic in Auftrag gegeben hatte.

Durch das hebt sich Bless Online optisch tatsächlich fundamental von anderen MMORPGs wie TERA oder Blade & Soul ab, die ebenfalls noch unter dieser Engine laufen und man kann sich tatsächlich darüber streiten, ob nun Black Desert oder Bless Online zur Schönheitskönigin im Genre aufsteigen werden. Bis Bless Online dann auch bei uns zu spielen sein wird, dürften jedoch noch einige Monate mehr verstreichen, denn erst einmal haben Korea, Taiwan und China oberste Priorität.

The Division - das bessere Destiny?

Derweil bereitet sich der Westen auf die Beta von Division vor, die nun verbindlich am 28. Januar starten und endlich Gewissheit darüber bringen soll, welchem Genre sich das Spiel letztlich zuordnen lassen wird. Sicher ist jedoch schon jetzt: Ein waschechtes MMORPG im klassischen Sinne wird uns Ubisoft wohl fürs Erste nicht abliefern. (siehe auch: unsere The-Division-Vorschau. -Anm.d.R.)

Vielmehr ist immer öfter die Rede davon, dass Ubisoft hier ein besseres Destiny in Arbeit hat - was nicht einmal so schlecht wäre. Die lebendige, atmende und vor allem offene Welt, die der Publisher allerorten verspricht, scheint jedoch eine Farce zu sein und am glaubwürdigsten klingt noch der Untertitel des aktuellen Videos: “Was hattest du erwartet, als der der Division beigetreten bist? Ich bin sicher, man sagte dir, dass du Opfer bringen müsstest. Aber keiner von uns hätte das jemals ahnen können.”

Graybeard Games - Breviks jüngster Streich

Und wenn alle Stricke reißen und uns die Giganten nicht mehr in Entzücken versetzen können, schaffen es vielleicht bald die Indie-Studios. Und die sollte man keinesfalls unterschätzen, werden sie doch mittlerweile von Leuten geführt und gegründet, die sich ihre Sporen in der Branche längst verdient haben. Einer davon ist David Brevik.

An dessen Namen dürften sich vor allem Veteranen erinnern, war Brevik seinerzeit doch an der Gründung eines Studios namens Blizzard North beteiligt, das er bis 2003 auch führte. Er gilt als einer der wichtigsten Personen nicht nur für den weiteren Erfolg des Unternehmens, sondern auch für die Konzeptionierung und Entwicklung eines Titels namens Diablo.

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Er war für den Erfolg von Blizzard North und Diablo gleichermaßen verantwortlich. Jetzt ist David Brevik zurück in der aktiven Spieleenwicklung und arbeitet mit einem kleinen Team an einem neuen RPG.
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Und genau dorthin möchte Brevik auch zurück. Nicht zu Diablo, aber zu einem kleinen neuen Projekt, aller Wahrscheinlichkeit nach ein Rollenspiel, an dem er mit einem überschaubaren Team arbeiten kann, ohne sich permanent um Management und Unternehmensführung kümmern zu müssen. Ein Abstieg, sagt mancher Kritiker, während andere von der Rückkehr eines Genies in die aktive Spieleentwicklung sprechen. Wir werden auf jeden Fall einen regelmäßigen Blick auf Brevik und sein neues Studio werfen und beizeiten darüber berichten, an was der Veteran da arbeitet.

Ausblick

In der kommenden Woche prügeln wir uns dann durch Blade & Soul, das am 19. Januar die Pforten für alle Spieler öffnen wird - sofern die noch einen Namen finden und mit dem Free-to-Play-Modell leben können, das natürlich auch noch auf den Prüfstand kommt. Außerdem berichten wir in einer eigenen Vorschau über eines der interessantesten Spiele des laufenden Jahres: ARK: Survival Evolved, dessen Early Access schon mehr langfristigen Spielspaß beschert als die meisten fertigen Spiele.

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