Was passiert, wenn ein Hype plötzlich in Unmut umschlägt und alle Unterstützer eines Crowdfunding-Projekts ihre Einlage zurückfordern? Was macht man mit Monstern, die so niedlich sind, dass man sie eigentlich gar nicht abschlachten möchte? Und wer ist eigentlich Joseph? Nur drei von vielen Fragen, mit denen sich unser Kolumnist in dieser Woche unter anderem beschäftigt.

Noch immer klingeln die Kassen bei Chris Roberts Crowdfunding-Vorzeigeprojekt Star Citizen. Allein im August spielte die Weltraum-Simulation knapp drei Millionen Dollar ein - obwohl sie noch immer nicht fertig ist, ihre Vollendung in immer weitere Ferne zu rücken scheint. Mittlerweile wartet man schon nicht mehr auf das fertige Produkt, sondern auf Zwischenstufen wie Update 3.0. Und selbst solche werden immer wieder verschoben, sehr zum Unmut mancher Fans, die entweder selbst oder vertreten durch die Fachpresse immer wieder eindringlich bei Chris Roberts anfragen, wann sie denn nun mal mit Vollzug rechnen könnten.

Öl im Feuer der Kritiker

Dem Meister selbst geht das mittlerweile gehörig auf den Wecker. So sehr, dass er in einem Interview mit Eurogamer schon ungewohnt bissig davon sprach, dass er dem Getrolle mancher Fans überdrüssig sei, die ihn nach Veröffentlichungsterminen fragten. Dass er damit Öl ins Feuer der Kritiker goss, hätte er eigentlich wissen müssen.

Denn hat nicht ein Crowdfunding-Teilnehmer, der vielleicht schon Hunderte oder gar Tausende Dollar ins Projekt gebuttert hat, ein Recht darauf, nach all den Jahren der Entwicklung zumindest halbwegs verbindliche Aussagen zur Vollendung des Sci-Fi-Traums zu bekommen? Oder ist es nun tatsächlich so, dass das Träumen um jeden Preis erhalten werden muss, damit es am Ende kein böses Erwachen gibt?

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“Pics or it didn’t happen!”

Die Trolle sind nach ihrer Erwähnung nun anscheinend erst recht erwacht und haben in der vergangenen Woche gleich ordentlich gezündelt. Ein Clan, so hieß es in einer Meldung, die sich blitzschnell in allen Medien verbreitete, hatte 45.000 Dollar ins Spiel investiert und diese schließlich aus Enttäuschung Fortschritt zurückgefordert. Zum Beweis gab es den Screenshot der Kommunikation mit Vertretern von Roberts Team zu sehen.

Die Folge war typisch: Kritiker liefen zur Höchstform auf und ließen mit der typischen “ich habs ja immer gewusst!” Attitüde auf einschlägigen Kanälen die virtuellen Korken knallen. Fachjournalisten sprangen hinzu und stellten die Frage, die sich sonst eher Banken während der gefürchteten Stress-Tests gefallen lassen müssen: Was würde passieren, wenn plötzlich alle enttäuschten Fans ihre Investition zurückziehen und sich ausbezahlen lassen würden? Würde Roberts überhaupt zahlen können? Wäre das Projekt am Ende und Roberts Space Industries pleite?

Fake News!

Schließlich versuchte mit ArsTechnica immerhin ein Magazin, die Nachricht zu verifizieren und brachte ans Licht, dass die ganz Aufregung umsonst gewesen war. Der vorgeblich gut betuchte Clan hatte keine 45.000 Dollar zurückgefordert, sondern lediglich 330 Dollar, die man auch bekam. Das Bild, das die Kommunikation mit dem Support zeigte, war teilweise manipuliert, mit dem klaren Ziel, Unmut unter den Fans zu verbreiten und andere dazu zu bringen, ihre Einlage zurückzufordern.

Wiped! - Die MMO-Woche - Futter für die Trolle

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Mit dem Verkauf von Raumschiffen lässt Chris Roberts permanent die Kassen klingeln. Doch der finanzielle Erfolg hat einen Preis und unter den Fans macht sich Unmut breit.
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Für Chris Roberts sollte das eine Lehre sein. Niemals sollte man jene Trolle ansprechen oder sie auch nur am Rande erwähnen. Schon gar nicht sollte man erklären, dass man genervt von ihnen ist. Damit fühlen sie sich nur bestätigt, feiern es als Erfolg, einmal im Leben Einfluss auf ein so großes Projekt gehabt zu haben, und sei es ein destruktiver.

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