Für die meisten Besucher war die jüngste gamescom wieder mal ein großer Erfolg, ein wundervolles Ereignis mit vielen neuen Titeln. Für eingefleischte MMO-Fans allerdings förderte die Veranstaltung wenig Neues zutage. Die großen Publisher haben das Feld geräumt und kleinere Studios können oder wollen sich den teuren Auftritt oft nicht leisten. Für sie und ihre Anhänger gibt es Wiped!

Alltägliche Exotik

Wenn es darum geht, ein Thema fürs eigene Spiel zu finden, greifen Entwickler immer wieder auf die gleichen Szenarien zurück. Erst bekamen wir Orks und Elfen um die Ohren gehauen, dann waren es die Zombies und nun sind es Dinosaurier im Überfluss. Fast scheint es so, als hätten die Studios gar keine anderen Optionen, als sich besonders exotisch erscheinender Elemente zu bedienen.

Doch die vermeintliche Exotik ist längst zum Alltäglichen geworden und im Umkehrschluss sind Alltäglichkeiten in der Unterhaltungsbranche beinahe schon die Ausnahme. Ein Grund für den Erfolg vom Landwirtschafts-Simulator, der in seiner ländlichen Alltäglichkeit skurriler erscheint als alle Zombie- oder Dino-Horden zusammen.

SCUM - Abschaum unter sich

Nun eignet sich der Bauernhof nicht unbedingt als Szenario für ein Survival-Game, und so sind die Leute von Devolver Digital auf eine andere Idee gekommen: Warum nicht mal ein gigantisches Gefängnis zum virtuellen Spielplatz ausbauen und die Spieler zu dem machen, was sie in vielen Fällen ohnehin in solchen Welten sind: Abschaum. Daran lässt dann auch der Titel SCUM keinen Zweifel mehr.

Wiped! - Die MMO-Woche - Exotischer Abschaum

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Die Jungs von Devolver Digital lassen die Spieler sein, was sie sein wollen: Abschaum, SCUM.
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SCUM setzt die Spieler auf einer Gefängnisinsel aus, auf der natürlich Kameras installiert, über die nicht nur Wachpersonal zuschaut, sondern auch das gewöhnliche Fernsehpublikum, auf das die Bezeichnung Scum natürlich ebenso zutrifft wie auf die unfreiwilligen Bewohner der Insel. Wenn die sich dann besonders publikumswirksam schlagen, können sie Sponsoren finden und Geschenke erhalten, die ihnen bei der Läuterung ebenso helfen wie beim täglichen Kampf ums Überleben.

Um sich von Spielen mit ähnlicher Thematik abzuheben, versprechen die Entwickler eine dynamischere und komplexere Spielerfahrung, als man sie gemeinhin im Genre vorfindet. SCUM soll im kommenden Jahr in den Early Access geschickt werden, ist also noch in einem frühen Stadium der Entwicklung - aber das gehört im Survival-Genre wohl zum guten Ton.

Dogma: Eternal Night - nichts für Sonnenanbeter

Ähnlich wie Häftlinge tauchen Vampire zwar in allen erdenklichen Fantasy-MMOs auf, jedoch zumeist nur als Monstergattung und ohne tiefere Bewandtnis fürs Gameplay an sich. Ändern sollen hätte sich das eigentlich mit World of Darkness, einer virtuellen Sandbox, angesiedelt im Vampire-Universum mit jeder Menge Raum für Rollenspiel, politische Machtspiele und die Kontrolle über Städte durch Vampirclans. Doch diesen Traum der gewaltigen Community hat CCP bekanntlich platzen lassen.

Seither versuchen kleinere Studios, die entstandene Lücke zu schließen. Allen voran Dogma: Eternal Nights, dessen Team jetzt schon mal einen zweiminütigen Trailer abgeliefert hat. Zu sehen sind tatsächlich Gameplay-Szenen und damit mehr, als CCP in über sieben Jahren auf die Beine gestellt hat. Und das, obwohl das Indie-Studio mit einigen Problemen zu kämpfen hat.

Die sind überwiegend finanzieller Natur, verzögern den Entwicklungsprozess oder sorgen dafür, das man einige der selbst gesteckten Ziele kaum erreichen wird. Auch ein ordentlicher Spielserver, wie man ihn für den Betrieb eines MMOs benötigt, fehlt noch immer. An einen Test mit größeren Spielerzahlen ist also vorerst nicht zu denken. Aber immerhin spielen die Entwickler hier mit offenen Karten.

Lost Ark - Konkurrenz belebt das Geschäft

Derartige Probleme dürften die Macher von Lost Ark kaum haben, handelt es sich bei ihrem Spiel doch um eine klassische AAA-Produktion, auch wenn die isometrische Perspektive manch einen zu der Annahme verleitet, das Spiel sei nur ein weiterer Diablo-Klon. Diesen Irrtum sollte jedoch der achtminütige Gameplay-Trailer aus der Welt schaffen, den die Entwickler eigens zum Start der vorerst geschlossenen Beta gebastelt haben.

Drei Phasen soll diese Testrunde insgesamt durchlaufen und dann in einen großen, finalen Test überführt werden. All das spielt sich vorerst in Südkorea ab, versteht sich. Allerdings haben sich schon ein paar westliche Experten dort eingeschlichen und sie berichten Großartiges über Lost Ark, dessen erste Karten zwar ziemlich linear aufgebaut sind, damit sich die Story entfalten kann, das sich im weiteren Spielverlauf jedoch zu einem MMORPG auswachsen soll, mit allem, was dazu gehört.

Wann Lost Ark nach Europa kommen und wer das Publishing übernehmen wird, ist nicht bekannt. Dass es geplant ist, steht allerdings außer Frage. Sicher ist auch, dass Lost Ark in direkter Konkurrenz zu Lineage Eternal steht, mit dem NCSoft im kommenden Jahr versuchen wird, die Fans von isometrischen MMOs an sich zu binden - und zwar mit einem globalem Release. Gut so, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und beschert uns vor allem qualitativ bessere Spiele. Mehr Filme zu Lost Ark werden wir auf jeden Fall in den kommenden Wochen noch präsentieren.

Revelation Online - die Vorhut

Ähnlich gute Nachrichten hört man von Revelation Online. Von dem wir immerhin schon mal wissen, mit wem wir es im Westen als Publisher zu tun bekommen. Mit my.com nämlich, also jenen Leuten, die auch den Auftritt von Armored Warfare und Skyforge zu verantworten haben. Und wenngleich man diesen Laden nicht unbedingt zu den völlig schwarzen Schafen des Gewerbes zählen kann, besteht hier und da sicherlich noch Optimierungsbedarf

Was unseren Bedarf an Informationen rund um die Kämpfe im Spiel betrifft, so dürfte der in den kommenden Wochen wohl ausgiebig befriedigt werden, wenn die Trailer zu den einzelnen Klassen vorgestellt werden. Trailer wie der zum Vanguard, der für einen Tank augenscheinlich doch erfreulich beweglich scheint. Und fliegen kann er natürlich auch - wie jede Klasse im Spiel.

Ach ja - und wer es nun gar nicht abwarten kann, sein Geld loszuwerden, kann es auf der offiziellen Seite aktuell schon mal in die obligatorischen Gründerpakete stecken. Ab 15,99 € bekommt man garantierten Zugang zur Closed Beta samt einem Monat Premium-Status. Zwei und drei Monate sowie diverse Kinkerlitzchen mehr, von denen noch niemand so recht wissen kann, wie nützlich sie eigentlich mal sein werden, bekommt man dann in den Paketen zu 53,99 € und 79,99 €. Ein wenig früh, ein wenig teuer - aber so ist die Branche nun einmal.

Shroud of the Avatar – so viel Geld und doch so wenig

Reich werden Entwickler nämlich nicht allein mehr dadurch, dass sie ein Produkt an den Spieler bringen oder Nutzungsrechte einräumen - sie werden es, wenn sie Träume verkaufen. Solche wie den von Shroud of the Avatar, mit dem Richard Garriott die Fans vergangener Tage mitnehmen und gleichzeitig das MMO-Konzept neu angehen möchte. Ob das funktioniert, kann bis dato niemand sagen.

Das Geschäftsmodell, bei dem Garriott vorrangig auf den Verkauf virtueller Immobilien setzt, funktioniert derweil ganz prächtig, freut sich bei Portalarium in Austin doch aktuell darüber, die Zehn-Millionen-Marke überschritten zu haben. Eine wundervolle Sache, finden die einen, während die anderen die Gelegenheit nutzen, Garriotts Geschäftsmodell ebenso zu kritisieren wie die Tatsache, dass manche Spieler offensichtlich bereit sind, Unmengen an Geld in ein Spiel zu schaufeln, das nicht mal ansatzweise fertig ist.

Umstritten ist auch die Idee, virtuelle Immobilien gegen echtes Geld zu verhökern, schafft es doch eine Zweiklassengesellschaft innerhalb der virtuellen Welt, die das Spielgefühl eines ärmeren Spielers durchaus trüben kann, weil er eben keine Möglichkeit bekommt, sich all den schönen Schein, den die Welt theoretisch bietet, auch wirklich zu erspielen. Wobei die zehn Millionen Dollar, mit denen Garriott da haushalten darf, keineswegs eine Auszeichnung sind. Immerhin bleibt der Altmeister mit seinen Crowdfunding-Kampagnen weit hinter denen seines ehemaligen Kollegen zurück.

Star Citizen - der Stoff, aus dem die Träume sind

Über 120 Millionen Dollar hat Chris Roberts derweil eingenommen und damit die höchste Summe, der je ein Träumer via Crowdfunding habhaft geworden ist. Und der herausragende Erfolg liegt nicht allein im Comeback des Sci-Fi-Genres begründet, sondern vor allem in Chris Roberts Art, seinen Traum zu präsentieren - wie im aktuelle Trailer zur Alpha 2.5 eben.

Im Gegensatz zu Richard Garriott, der sich technisch auf und bisweilen auch unter dem Niveau der letzten Dekade bewegt und kaum ansprechende Videos vorzuzeigen hat, zieht Roberts alle Register und verspricht, das Genre auf den Kopf zu stellen und die beste Space-Game zu liefern, das die Welt je gesehen hat. Er verpackt seinen Traum in epische Filme, heuert große Schauspieler an und unterlegt all das mit einem nicht minder grandiosen Soundtrack.

Ob es nun gut ist oder schlecht - wenn man sich so einen Film reinzieht, verzeiht man dem Schöpfer von Wing Commander auch den einen oder anderen Fehltritt und ist geneigt, sogar über die endlos lange Wartezeit hinwegzusehen. Denn wann wir Star Citizen nun tatsächlich in all der uns versprochenen Pracht zu spielen bekommen, steht tatsächlich noch in den Sternen.

Ausblick

Ganz anders bei Crossout, das immerhin schon mal mit guten Bewertungen auf Steam aufgeschlagen und für knapp 30 Euro im Early-Access-Programm verfügbar ist. Und wenngleich Crossout sicherlich kein MMO ist, bringt es doch eine ordentliche Portion Crafting mit in die Lobby. Aber das ist schon wieder ein ganz anderes Thema und soll ein andermal erzählt werden.