Auch wenn die MMOs der letzten Dekade mehrheitlich große Enttäuschungen waren, konnten sich die meisten Studios irgendwie über Wasser halten und ein kleines Team finanzieren, das sich um Erweiterungen gekümmert hat. Doch mit einer stetigen Talfahrt ist irgendwann der kritische Punkt erreicht, an dem selbst der harte Kern des Teams die Schreibtische räumen muss. Kein Grund zur Sorge, beteuern die Publisher und machen sich zusehends unglaubwürdig.

WildStar Online - der Letzte macht das Licht aus

Nicht einmal zwei Jahre ist es nun her, dass NCSoft West und Carbine mit WildStar ganz groß an das anknüpfen wollten, was World of Warcraft ihrer Ansicht nach nicht mehr war. Dumm nur, dass man eine halbe Ewigkeit gebraucht hatte, das Spiel zu entwickeln und die Erwartungen der Spieler an ein MMO zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon längst wieder ganz andere waren.

WildStar wurde ein allenfalls durchschnittlicher Titel mit ziemlich eigenwilligem Humor - von den meisten Publikationen zwar gnadenlos hochgejubelt, insgesamt aber viel zu schal, um über den Hype hinaus noch längerfristig zu begeistern. Die Geschäftszahlen von NCSoft sprechen in dieser Hinsicht seit langem schon Bände und zeigen deutlich, dass WildStar mittlerweile vollends gescheitert ist.

Direktoren a. D.
Das hatte bereits zu mehreren Entlassungswellen geführt, eine gewaltige zuletzt im März, in der 70 Entwickler gehen mussten - einige sofort, andere später. Und “später”, das war dann wohl vorige Woche, als dann auch noch Mike Donatelli und Chris Behrens den Hut nehmen mussten, der ehemalige Product Director sowie der Design Director von WildStar. Und auch Lead Writer Cory Herndon schreibt nun nicht mehr an WildStar.

Wiped! - Die MMO-Woche - Es ist fünf vor zwölf!

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Der ziemlich abgefahrene Humor und die grelle Optik sind zwar nicht das Hauptproblem von WildStar, tragen jedoch auch nicht gerade zu dessen Erfolg bei.
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Derweil erinnert ein Statement aus dem Hause Carbine ein wenig an den Kampf des schwarzen Ritters in Monty Pythons Comedy-Streifen “Die Ritter der Kokosnuss”, der den Kampf auch noch weiterführen möchte, nachdem ihm die Extremitäten abgeschlagen wurden. Denn trotz der Entlassungen arbeite das Team, so heißt es darin, auch weiterhin hart an einer Reihe von Spiel- und Inhaltsupdates. Wofür braucht man auch Direktoren, Künstler und Autoren, wenn man Assistenten und Praktikanten hat? Im Zweifelsfalls kann ja der Hausmeister noch ein paar Dungeons entwerfen - der Heizungskeller wäre eine prima Vorlage.

“Oh, ein neues MMO auf Steam?”

Liebe Leute: Schenkt euren Kunden endlich reinen Wein ein. NCSoft hat schon erfolgreichere Spiele abgeschaltet und wer heute noch seine Zeit und sein Geld in WildStar investiert, hat ein Recht zu wissen, was ihn mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit bald erwartet. Das Spiel ist gescheitert. Legt es in die Hände der Community und setzt die paar armen Seelen, die noch jeden Morgen zur Arbeit fahren, obwohl sie wissen, dass ihr Tun ebenso sinnlos wie von kurzer Dauer ist, an etwas Sinnvolles.

Apropos sinnvoll: Genau hier liegt der Hund begraben, denn wenn ein Studio neun Jahre lang an einem MMO arbeitet, dessen Probleme man auf halber Strecke hätte erkennen müssen, dann waren einige Entscheidungsträger mit Blindheit geschlagen. Aber sicher wird mit dem anstehenden Steam-Release alles wieder gut, weil die gigantische Community dort ja noch gar nicht weiß, was WildStar ist und es fast zwei Jahre nach Release auch noch nicht ausprobiert hat.

The Elder Scrolls Online - kaum zu glauben

Ein ähnliches Talent in Sachen Glaubwürdigkeit hat Matt Firor, der schon fast zwanghaft darum bemüht ist, bei jeder erdenklichen Gelegenheit den unglaublichen Erfolg von The Elder Scrolls Online in der Öffentlichkeit zu verkünden und “Millionen neue Spieler” zu feiern, obwohl man bei Bethesda doch, wie er gerne noch ergänzt, “nicht über Zahlen spricht”.

Nun mag es schon sein, dass The Elder Scrolls aktuell ungleich erfolgreicher ist als beispielsweise WildStar und das Studio weitgehend trägt, jedoch haben wir auch die nicht minder unglaublichen Entlassungen des letzten Jahres nicht vergessen, in denen dem Team mehr als nur eine Extremität abgeschlagen wurde. Und dann wäre da noch die teuer beworbene Aktion, in der man pünktlich vor dem Jahreswechsel eine Million Dollar unter allen aktiven Spielern von ESO verlost hat, um die Zahlen nach oben zu drücken.

Aber The Elder Scrolls Online ist ja auch kein MMORPG, wie Firor immer wieder gerne beteuert. Es habe Gemeinsamkeiten damit, habe aber auch Eigenschaften, “die nicht dorthin gehören” - was auch immer das zu bedeuten hat. Vielleicht wäre es aber auch mal an der Zeit, genau dieses offensichtliche Problem zu beheben und zu überlegen, wie man ein MMORPG aus The Elder Scrolls machen könnte - immerhin wurde es dereinst als solches entwickelt.

The Elder Scrolls: Legends - Schuster, bleib bei deinem Leisten
Und so gerne man aktuell auch im eigenen Erfolg badet, sollte man sich langsam einen Plan B zurechtlegen. Studios, in denen ein einziger Titel entwickelt und betrieben wird, sind langfristig dem Untergang geweiht, sofern dieses Spiel nicht gerade einen extremen Langzeitspielwert hat und gleichzeitig permanent neue Spieler anlocken kann. Studios wie Turbine und Carbine können ein Lied davon singen, was passiert, wenn man langsam ausblutet.

Doch immerhin hat die Schwesterfirme Bethesda einen Plan B: Ein Sammelkartenspiel nämlich - die sollen aktuell irrsinnig beliebt sein. The Elder Scrolls: Legends bietet, wer hätte das gedacht, ein im Vergleich zu Magic und Konsorten vereinfachtes Spielerlebnis. Würden wir nun Matt Firor dazu befragen, er würde wohl die richtigen Superlative finden und sagen: “Präsentiert im ästhetischsten Bethesda-Design und gespickt mit den unglaublichsten Mechaniken, wie sie die Millionen Spieler noch nicht gesehen haben...”

Funcom - Wettlauf gegen die Zeit

Es geht also, entgegen aller Beteuerungen, stetig bergab mit jenen Studios der Branche, in denen man geglaubt hatte, sich dauerhaft auf ihrem einen Titel ausruhen zu können. So etwas ist tatsächlich bislang nur wenigen gelungen. Blizzard beispielsweise oder CCP - und das auch eher unfreiwillig, weil bei beiden Studios MMO-Plan B gescheitert ist. Umso mehr kämpft aktuell Funcom dagegen an, in den Teufelskreis zu geraten, in dem man immer mehr Leute entlassen muss, bis man mit dem verbliebenen Team schließlich keinen neuen Titel mehr gestemmt bekommt.

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Tiere gibt es in Conan Exiles also auch. Ob sie allerdings zähmbar sind und sich zur Zucht eignen, wie bei ARK: Survival Evolved, ist noch ungewiss.
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Und der Kampf ist hart, denn der Umsatz ist im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum letzten um fast 600.000 Dollar gesunken, nachdem er zuvor, vor allem durch das Release des Mini-Adventure-Games The Park, um 400.000 gestiegen war. Ein Rückgang um etwa zehn Prozent pro Quartal durch, wie Funcom ehrlicherweise selbst bekennt, “alternde Live-Titel”.

Umso eiliger hat man es, möglichst bald mit dem Survival-Game Conan Exiles an den Start zu gehen - zumindest in den Early-Access, mit dem sich die die Abwärtsspirale aufhalten lassen könnte, weil die Spieler schon mal ordentlich investieren würden. Dafür allerdings müsste man ein Survival-Paket schnüren, dass nicht allzu weit hinter ARK: Survival Evolved zurückfällt, das permanent fette Updates bekommt. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

ARK: Survival Evolved - Reise zum Mittelpunkt der Erde

Zudem es nicht nur die Entwickler selber sind, die ARK stetig ausbauen - auch hat sich mittlerweile eine stattliche Modder-Community im Spiel niedergelassen, die auf Hochtouren an eigenen Ideen arbeitet. So ist dann auch The Center entstanden, eigentlich eine von Moddern entworfene, alternative Welt, der nun die ultimative Ehre zuteil wurde, offiziell ins Spiel aufgenommen zu werden.

Dazu muss man wissen, dass die Standard-Welt von ARK: Survival Evolved aktuell nur ein Platzhalter ist. Eine Landschaft, die weitgehend automatisch geniert wurde. Nett anzusehen, aber nicht atemberaubend. Anders als The Center. Diese Karte ist riesig, wurde tatsächlich von Hand gebastelt und bietet entsprechend viele Geheimnisse und wirklich atemberaubende Orte.

Die Geschichte beginnt

Dass die Entwickler von ARK bereit waren, The Center offiziell ins Spiel aufzunehmen, zeigt ihre Nähe zu den Moddern. Und wenngleich The Center nicht bei jedem Spieler gleichermaßen beliebt ist, ist dürfte diese Alternative doch ein Ansporn für das Team von ARK sein, die spätere offizielle Landschaft nicht minder eindrucksvoll auszugestalten.

In dieser Hinsicht dürfte dann auch das nächste große Update interessant werden, in dem historische Ruinen ins Spiel bebracht werden, die über ARK verstreut sind und in denen man Notizen und Aufzeichnungen finden kann, die mehr über die wahren Hintergründe der mysteriösen Insel verraten und darüber, was mit jenen Bewohnern geschehen ist, die einst dort gelebt haben.

Chronicles of Elyria - Tunnelbau inklusive?

Derweil haben die Entwickler der Chronicles of Elyria Probleme, die andere gerne hätten. Aktuell sind nämlich 1.055.000 Dollar auf Kickstarter zusammengekommen - bei verbleibenden zwei Wochen. Und nachdem man nun sorgsam abgewogen und die Community befragt hatte, welche erweiterten Elemente man sich noch für Chronicles of Elyria vorstellen könnte, war das Ergebnis ziemlich eindeutig.

Jeder dritte Unterstützer möchte im Spiel Tunnel graben, also die Landschaft durchbuddeln und den Untergrund für allerlei Sinniges und Unsinniges nutzen - fast wie in Minecraft. Das ist, so versichern die Entwickler, technisch auch durchaus machbar und wird freigeschaltet, sofern man es tatsächlich auf 1,75 Millionen Dollar schafft. Und davor bekommt man noch solch schicke Dinge wie angepasste Reittiere und Begleiter, Glücksspiele in den Tavernen, Statuen für adlige Spieler und diversen Schnickschnack mehr.

Viel wichtiger ist jedoch, dass die Entwickler mit einigen erweiterten Zielen auch klar benennen, welche zusätzlichen Experten sie für das Geld anheuern wollen - von Programmierern über Landschaftsgestalter bis hin zu talentierten Spezialisten für Animation - von denen es in der westlichen Welt leider viel zu wenige gibt.

Vigor Roads - MMOtor

Ebenfalls gute Chancen, auf Kickstarter erfolgreich zu werden, hat Vigor Roads. Das ist aber auch keine Kunst, immerhin geben sich dessen Entwickler mit 25.000 Dollar zufrieden, einem vergleichsweise kleinen Betrag, mit dem sich für gewöhnlich nicht sonderlich viel anstellen lässt. Andererseits setzen die Entwickler mit der Unreal Engine 4 auf ein bewährtes System, mit dem sich ein Auto-MMO wie Vigor Roads im Handumdrehen mit den Werkzeugen entwickeln lässt, die in der Engine schon voll entwickelt sind.

Zudem das gleiche Studio aktuell an Project Genom sitzt, einem Sci-Fi-MMO, das in seiner frühen Phase optisch entfernt an Defiance erinnert und im Sommer als Early-Access-Titel auf Steam aufschlagen soll. Auch Project Genom nutzt die Unreal Engine 4 samt Fahrzeugen aller Art und es ist anzunehmen, dass Vigor Roads ein Nebenprodukt ist, dem die Entwickler genügend Chancen einräumen, um für sich zu überzeugen.

Ausblick

Und dann wäre da noch das ziemlich gewaltige Juni-Update für Black Desert, das die an sich schon große Welt um 30 Prozent erweitern und auf die Belagerungen vorbereiten soll. Doch das ist dann schon wieder eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

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