Während die halbe Welt entweder PUBG oder Fortnite zockt, bleibt unser Kolumnist stur und verweigert sich dem neuen Trend. Er sucht lieber nach Alternativen mit mehr Tiefgang und Persistenz. Trotzdem stößt er überall auf neue Battle-Royale-Games. Die Publisher, so scheint es, sind einfach nicht davon abzubringen, auf den rasenden Erfolgszug aufzuspringen.

Fortnite Battle Royale: Ab jetzt könnt ihr mit Freunden oder Streamern Costum Matches und Turniere abhalten (News)

Fortnite - Battle Royale - Fails (Teil 1)2 weitere Videos

Es ist irgendwie gruselig, mit welcher Selbstverständlichkeit viele Studios aktuell an ihrer ganz eigenen großen Battle-Royale-Interpretation arbeiten, als gäbe es nur noch dieses eine Genre. Klar, derzeit binden PlayerUnknown's Battlegrounds und Fortnite mal eben so viele Spieler wie alle anderen Titel auf dem Markt zusammengerechnet, doch wer glaubt, er könnte davon einfach mal so einen Teil abzwacken, irrt gewaltig.

Vergangene Hype-Titel haben gezeigt: Je größer der ausgebrochene Wahnsinn, desto länger dauert es, bis er wieder abebbt, bis die Befallenen geheilt und für andere Dinge offen sind. Mit Fortnite und PUBG müssen wir uns also noch eine Weile herumschlagen, während sich die jetzt noch auf den Markt drängenden Nachahmer mit den Krümeln begnügen müssen, die von den beiden großen Titeln abfallen.

Radical Heights - radikale Gesetzesbrecher

Wobei manches gescheiterte Studios bisweilen von solchen Krümeln besser leben kann als von den eigenen Ideen. So wie Boss Key, die ihr Studio mit LawBreakers beinahe vor die Wand gefahren hätten. Und das war auch kein Wunder, war doch schon dieses Spiel, entgegen aller Beteuerungen, nichts weiter als ein weiteres Hero-Shooter-Game im Stil von Overwatch und Paladins, viel zu spät veröffentlicht und viel zu mittelmäßig entworfen. Und nun?

Nur wenige Wochen nachdem man LawBreakers aufgegeben hatte, kommt das Studio mit einem neuen Titel um die Ecke. Radical Heights ist, wie sollte es auch anders sein, eine weitere Battle-Royale-Interpretation. Und als wäre das an sich nicht schon hardcore genug, versprüht das Spiel eine giftige Retro-Farbmischung aus den 1980ern, offensichtlich angelehnt an Arnies Filmabenteuer als The Running Man.

2 weitere Videos

Und wenngleich man dem Spiel in seiner aktuellen Phase auch noch anmerkt, dass es von verzweifelten Entwicklern in nur fünf Monaten mit heißer Nadel zusammengestrickt wurde - ein paar Gedanken haben sich die Leute von Boss Key dann doch gemacht. Anders als bei den derzeitigen Blockbustern bringt Radical Heights tatsächlich das Flair einer pervers-skurrilen Gameshow rüber, ein wenig Running Man, ein wenig Truman Show.

Hommage an DrDisRespect

Durch die Möglichkeit, sich Waffen in der Runde zu kaufen mit Geld, das man in den Runden davor gefarmt hat, kommt ein Stück Meta ins Spiel, etwas Persistenz und das Gefühl, auch langfristig etwas zu erreichen und aufzubauen, nicht immer wieder in den frustrierend gleichgültigen Tod geschmissen zu werden.

Aktuell toben immerhin knapp 10.000 Spieler durch die Alpha-Version, das sind zehnmal mehr, als Lawbreakers zu Spitzenzeiten zählte. Zu verdanken ist das allerdings vor allem einer jener typischen Influencer-Hype-Aktionen, bei denen unter anderem DrDisRespect angeworben wurde, das Spiel für ein paar Stunden live auf Twitch vor den Augen von knapp 50.000 Zuschauern zu zocken. Im Falle von Radical Heights macht diese Kooperation Sinn, immerhin scheint das Spiel auf den ebenfalls ziemlich trashigen “Doctor” zugeschnitten.

Crossout - Grand Royale Auto

Derweil werden mittlerweile auch Spiele uminterpretiert, die bislang eigentlich ganz gut ohne das Battle-Royale-Konzept gefahren sind. Neben dem Hero-Shooter Paladins und unzähligen anderen Spielen hat nun auch Crossout einen solchen Modus bekommen. Bei dem startet man mit einem ungefährlichen Kleinwagen in eine zunehmend abnehmende Wüstenei. Wie es der Zufall will, liegen dort allerlei Fundstücke, mit denen sich das Gefährt aufrüsten und bewaffnen lässt.

2 weitere Videos

Das ist ganz lustig, jedoch stellt sich einmal mehr die Frage, warum man ein ohnehin nicht gerade stark bevölkertes Arena-Game mit einem neuen Spielmodus bestücken muss, der die Community noch einmal spaltet und die Spielsuche schwieriger macht. Und welche Existenzberechtigung haben Studios, die ihre eigenen Konzepte mal eben so über Bord werfen, nur weil ein anderes gerade angesagt ist?

Fortnite - Gelegenheit macht Diebe

Klar, für Epic hat es sich gelohnt, Fortnite mal eben so von PvE auf PvP umzustellen, das PUBG-Konzept dreist zu klauen und dem ernsthaften Spiel jenen Teil der Community abzuwerben, die eben nicht so ernsthaft zocken wollen. Und das ist, wer hätte das geahnt, die überwiegende Mehrheit der Spieler.

Zugegeben, mit seiner Möglichkeit, flugs mal ein Bauwerk zu errichten, um seine Lage zu verbessern, hat Fortnite aktuell noch ein Alleinstellungsmerkmal, das ganz lustige Momente bescheren kann. Zumindest so lange, bis man Leuten begegnet, die binnen Sekunden einen Wolkenkratzer hochziehen, um einen dann von oben wegzusnipen.

2 weitere Videos

Und ob sie das nun mit außergewöhnlich viel Training tun oder unter Einsatz eines grenzwertigen Soft- und Hardwarearsenals der Branche - im Ergebnis ist das für den Normalspieler gleichermaßen frustrierend. Verständlich, dass gerade die besonders flinken Baumeister ein Problem mit der portablen Festung haben, mit denen auch Otto Normalspieler die Möglichkeit bekommt, flugs auf ein eigenes Türmchen zu klettern. Dem Erfolg von Fortnite dürfte diese Maßnahme zur Rettung des Gelegenheitsspielers jedoch keinen Abbruch tun. Im Gegenteil.

EVE Online - sicher Solo

Kaum Gelegenheitsspieler konnte bislang EVE Online anziehen. Die Sci-Fi-Sandbox , die in nunmehr 15 Jahren nur an Charme gewonnen hat und vortrefflich gereift ist, ist auf den ersten Blick einfach zu kompliziert für die Masse. Außerdem halten sich die Gerüchte beharrlich, man würde in der recht liberalen Welt permanent von anderen Spielern gejagt, was natürlich so nicht stimmt.

2 weitere Videos

Dennoch scheinen sich die Entwickler jetzt dazu durchgerungen zu haben, einen alternativen Ansatz zu wagen und eine PvE-Instanz ins Spiel einzubauen, die auch für Solisten interessant sein soll. Dazu bringt CCP das offenbar außerirdische Triglavian Collective ins Spiel, das offenbar sogar die gefürchteten Drifter in einer eigenen Raumblase irgendwo unterhalb von New Eden in Schach hält.

Zugang zu einer solchen Raumblase kann immer nur ein Spieler bekommen, der maximal einen Kreuzer fliegen darf. Je tiefer der Pilot dann in die Blase eindringt, desto härter werden die potentiellen Begegnungen der Dritten Art. Irgendwann kollabiert die Blase und spuckt den Piloten dort wieder aus, wo er eingedrungen war.

Weil er genau an dieser Stelle eine Boje hinterlässt, bekommen auch Piraten und feindliche Corporations, die dem Solisten auf der Spur waren, ihre Chance - zumindest gilt das für jene Sektoren, in denen die CONCORD nicht ihre schützende Hand über die braven Bürger hält. Mehr zu alldem werden wir auf jeden Fall wissen, wenn das laufende EVE Fanfest vorüber ist und alle Informationen gesammelt sind.

Project Nova - eine Sache von Monaten

Ach ja - und falls noch jemand auf Project Nova wartet, jenen Shooter, der sich aus dem gescheiterten PS3-Game Dust 514 entwickeln soll, der wird sich möglicherweise über eine Ankündigung am Rande freuen: CCP-Chef Hilmar Veigar Petursson persönlich versprach, dass Nova “innerhalb von Monaten, nicht Jahren” komme - wie erwartet für PC.

Und wenngleich die Idee dahinter ähnlich ist wie bei Dust 514 und darauf abzielt, den Shooter mit der Weltraum-Sandbox zu verbinden, schlägt man diesmal während der Entwicklung eine andere Route ein. Zuerst soll der Shooter auf eigenen Beinen stehen und perfektioniert werden. Wenn dann alles wie erhofft funktioniert und das Spiel bei der Community angekommen ist, soll Nova zuerst in sozialer Hinsicht mit EVE Online vernetzt werden, erst später dann soll es wirtschaftliche und strategische Schnittpunkte geben. Für die Entwicklung von Nova hatte CCP vor einigen Jahren ein ganzes Team von DICE abgeworben. Entsprechend groß die Hoffnung, dass sich die Investition bald auszahlt.

State of Decay 2 - fünf Wochen bis zum Verfall
Zu einer Sache von Wochen, nicht Monaten ist mittlerweile auch State of Decay 2 herangerückt. Und wenngleich nun State of Decay 2 auch kein MMORPG ist, so wird es doch, anders als sein Vorgänger, einen Multiplayer-Modus bieten, in dem sich immerhin vier Freunde gemeinsam in einer Art proviziellen GTA-Welt gegen allerlei Zombies zur Wehr setzen müssen.

2 weitere Videos

Für mich war schon der erste Teil ein Genuss, denn nicht nur konnte man zusätzliche Überlebende retten, anheuern, ausstatten und steuern, man richtete sich auch ein möglichst sicheres Refugium ein, postierte Wachen, ließ Autos reparieren und Lebensmittel anbauen. Das Spiel fühlte sich rund an und komplex genug, um eine halbe Ewigkeit zu begeistern. Und um die Wartezeit bis zum Release am 22. Mai etwas zu versüßen, hier das aktuelle Gameplay-Video von der gerade zu Ende gegangenen PAX-East 2018.

Ausblick: Conan Exiles

Noch vorher, nämlich am 08. Mai, geht endlich Funcoms Survival-Game Conan Exiles an den Start, zwar noch nicht mit allen versprochenen Elementen, jedoch schon mal mit einem frisch überarbeiteten Kampfsystem und diversen Neuerungen. Welche das sind und wie das Spiel 14 Monate nach Beginn des Early Access so schlägt, deutet ein aktueller Countdown-Trailer an. Und natürlich werden wir zum Release für euch mit dabei sein. Doch das ist dann eine andere Geschichte und soll in drei Wochen erzählt werden.