Die E3 ist die wohl bedeutendste Veranstaltung der Branche, auf der die großen Häuser für gewöhnlich ein ganzes Feuerwerk an Enthüllungen abfeuern. So auch in diesem Jahr, in dem wieder mal Titanen fallen, Schlachtfelder in vergangene Tage entführen und aggressive Griechen in den Krieg ziehen. Wer sich jedoch für etwas persistentere Welten interessierte, musste schon etwas genauer hinschauen, um zwischen den großen Brocken die kleinen Juwelen zu entdecken.

The Division - ab in die Versenkung

Wobei einige der großen Brocken schon sichtlich geschrumpft sind - unter der Last ihrer eigenen Größe und unter dem extremen Erwartungsdruck zerbröselt, den die Publisher selbst geschürt hatten. So hat auch The Division, bis zum Release noch einer der heißersehntesten Titel aller Zeiten, mittlerweile Federn gelassen. Und naturgemäß versucht Ubisoft, dem entgegenzuwirken.

Durch DLCs beispielsweise, von denen bereits am 28. Juni der erste erscheinen soll. The Underground soll die Spieler mit Großstadt-Dungeons bei der Stange halten, mit zufällig generierten Missionen und dergleichen mehr. So richtig begeistert scheint die Community davon jedoch nicht zu sein, lag doch die Hoffnung eigentlich mal auf der offenen, überirdischen Welt. Dass The Division jetzt in den Untergrund abtaucht, so die These mancher Kritiker, sei kein gutes Zeichen.

The Elder Scrolls Online - zum zweiten Mal entehrt

Ein Raunen war nach der E3 auch aus dem Lager der Fans von Bethesda zu vernehmen. Die dürfen sich zwar über einen Nachfolger zu Dishonored freuen, jedoch keineswegs auf das Spiel, das man sich eigentlich erhofft hatte: Von The Elder Scrolls VI, so gab Chief Game Creator Todd Howard bekannt, sei man noch Jahre entfernt.

Dazwischen sollen wir uns dann mit dem Kartenspiel The Elder Scrolls: Legends die Zeit vertreiben, denn was Blizzard kann, will man bei Bethesda offensichtlich auch können. Und wir sollen natürlich The Elder Scrolls Online spielen, das zu Beginn des kommenden Jahres endlich das langersehnte Housing ins Spiel bringen soll. Ob das jedoch ausreicht, um die wohl sieben Millionen Käufer zu langfristig aktiven Spielern zu machen, sei einmal dahingestellt.

Blizzard - brisante Firmenpolitik

Und was macht Blizzard? Nun, dort schert man sich generell schon nicht sonderlich um die großen Shows und kündigt aktuell zu allem Übel auch noch einen Strategiewechsel in der eigenen Erweiterungspolitik an. Künftig sollen die Zyklen - wer hätte damit gerechnet - zwischen den Erweiterungen länger werden, dafür soll dann aber auch mehr Content kommen als bisher. Keine guten Aussichten, was die Abozahlen betrifft.

Dafür geht Overwatch, das weitaus günstiger zu unterhalten ist als das aufwendige MMO, mittlerweile ab wie eine Rakete. Über zehn Millionen Spieler zählte Blizzard aktuell - und dabei soll es sich wohl nicht nur um registrierte handeln, sondern um Accounts, die nach Release erstellt, und damit gekauft wurden. Eine neue Goldgrube also, die Blizzard da erschlossen hat und die, nach dem mit 25 Millionen Dollar mageren US-Start des Kinofilms Warcraft, dafür sorgen dürfte, dass die Gesichter in Irvine in diesen Tagen nicht allzu lang werden.

ARK: Survival Evolved - kreatürliche Erfahrung

Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht und so sind uns zwischen den E3-Hiobsbotschaften auch ein paar Titel aufgefallen, die möglicherweise etwas mehr für MMO-Fans zu bieten haben oder für Rollenspieler. An letztere dürfte sich nämlich der neue Spielmodus richten, der noch in diesem Jahr zu erwarten ist und der Fans von ARK: Survival Evolved eine Alternative zum klassisch-humanoiden Survival-Gameplay bieten soll.

In ARK: Primal Survial spielt man nämlich keinen Vertreter der schwächlichen Spezies Mensch, sondern schlüpft in die Haut oder den Panzer von Ameisen, Haien, Flugsauriern und allerlei anderen Wesen der jüngeren und älteren Geschichte unseres Planeten. Dazu gehört die Jagd ebenso wie Fortpflanzung oder der Bau von Nestern, Höhlen oder anderen Behausungen. Selbstredend, dass man im asymmetrischen Gameplay auch gegen andere Kreaturen kämpft, darunter auch die sich penetrant ausbreitende Spezies Mensch.

Dual Universe - Alpha-Pazifisten gesucht

Und diese Spezies schickt sich bekanntermaßen auch gerade an, sich über die Grenzen ihrer angestammten Welt hinaus auszubreiten. So auch in dem als MMORPG-Sandbox deklarierten Dual Universe, das auf Elemente aus Elite: Dangerous, Minecraft und No Man’s Sky setzt und ein tatsächlich grenzenloses Spielerlebnis, im Sinne eines MMORPGs, bieten soll.

Der Trailer zeigt tatsächliche Szenen aus dem Spiel, das derzeit noch im Pre-Alpha-Stadium und damit ganz am Anfang der Entwicklung steckt. Trotzdem lohnt es sich, vorsorglich schon mal einen Blick auf den Titel zu werden. Wer gerne kämpft, sollte allerdings auch noch die anstehende Alpha-Phase aussitzen, die aller Voraussicht nach zwar mit Terraforming- und Crafting-Systemen ausgestattet sein wird, nicht jedoch mit dem Kampfsystem, das seinen Weg erst später ins Projekt finden wird.

Sea of Thieves - Sail ho!

Weit weniger pazifistisch erscheint derweil Sea of Thieves, das einen ganz persönlichen Kindheitstraum von mir aufgreift und Sid Meier’s Pirates! auf ein zeitgemäßes Fundament stellt. Und obwohl die Entwickler aktuell vermeiden, Sea of Thieves als MMO zu bezeichnen, scheint man sich doch zumindest ansatzweise an diesem Genre zu orientieren.

Eingeordnet wird es aktuell als Spiel der Gattung “large scale co-op”, das ganze noch online - also irgendwie doch ein MMO? Der Vergleich zu Naval Action liegt auf jeden Fall nahe, wobei Sea of Thieves weit weniger historisch ernst und realistisch daherkommt, eher etwas knuffig. Dennoch sollte man das Spiel deswegen nicht unterschätzen.

Der Trailer verrät nämlich, dass die Entwickler von Sea of Thieves an die Hoffnung der altgedienten Seebären anknüpfen, endlich mal nicht als all Kapitän und Held im Alleingang in See zu stechen, sondern als Teil einer Besatzung, die sich nicht nur um die Kanonen und Segel zu kümmern hat, sondern auch um das Wasser, das durch ein Leck den Rumpf zu überfluten droht. Alleine, das wissen wir aus der Geschichte, segelt sich so ein Dreimaster eben schlecht.

State of Decay 2 - die schlechte Nachricht zuerst

Und noch etwas wird alleine kaum gelingen: Das Überleben nach der Zombie-Apokalypse. Das wissen wir aus einigen Serien, Filmen und mehr oder weniger guten Spielen. Eines der besten dieser Gattung ist wohl State of Decay, perfekt inszeniert von Jeff Strains 2009 eigens gegründeten Studio namens Undead Labs. Ein Spiel, das sich über die Jahre hinweg von Geheimtipp zum Kulttitel entwickelt hat.

Das einzige Manko dieses an sich grandiosen Spiels war der fehlende Multiplayer-Modus. Und den konnte man dem Spiel nicht einfach so aufsetzen - das hatte Jeff Strain, einst Lead Programmer von World of Warcraft und Mitbegründer von ArenaNet, immer wieder betont und die begeisterten Überlebenskämpfer damit gehörig vor den Kopf gestoßen, ebenso wie mit der Ankündigung, dass State of Decay erst im kommenden Jahr erscheinen wird.

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Niemand überlebt alleine!

Diese Hiobsbotschaft jedoch geht im aktuellen Jubel der Fans nahezu komplett unter, denn Jeff Strain verkündete im gleichen Zuge: “Wir haben im Laufe der letzten Jahre zahlreiche Pfade für State of Decay durchdacht, aber die überwältigende Mehrheit von euch möchte einfach nur ein größeres, übleres, verwegeneres, geschliffeneres State of Decay, das man mit Freunden spielen kann. Und genau das ist es, woran wir jetzt arbeiten.”

Damit wird State of Decay 2 zwar noch kein richtiges MMO, doch muss - oder sollte es das vielleicht auch gar nicht werden, bedenkt man, welche Probleme Titel wie H1Z1 damit haben, den Überlebenskampf in einer allzu belebten Welt auf ein wirklich massives Fundament zu stellen, ohne die Atmosphäre oder die Mechaniken dabei zu ruinieren.

Wiped in der Arena

Und wer jetzt noch eine ordentliche Portion angestaute Bewunderung oder Hate in sich trägt und nicht weiß, was er mit sich selbst an diesem angebrochenen Sonntag anstellen soll, der sollte mal den Routenplaner bemühen und schauen, wie schnell er in Frankfurt in der Commerzbank-Arena ist. Dort hockt nämlich unser Wiped-Autor irgendwo zwischen Zigtausend Gamern auf der ESL One und versucht einmal mehr, das Phänomen E-Sport zu erfassen und für uns in Bild und Text festzuhalten. Wer ihn findet und möglichst gewaltfrei anspricht, darf sich auf eine angeregt nerdige Diskussion und ein Dota-Coaching freuen.