Was die reinen Besucherzahlen betrifft, kann die Electronic Entertainment Expo kaum mit der Gamescom mithalten. Dennoch ist die E3 das spektakulärste Event der Branche und die perfekte Bühne für Ankündigungen aller Art. Unser Kolumnist hat mal sortiert, was davon für MMO- und Multiplayer-Fans interessant sein könnte.

Ob die E3 2017 samt der einschlägigen Präsentationen nun die Erfüllung war oder ein Flop, darüber scheiden sich aktuell ebenso die Geister wie über die typische Frage, welcher Konsolenhersteller nun alles richtig macht und welche Kiste diesmal auf der Verliererstraße unterwegs ist. Für mich gilt auf jeden Fall: Wenn drei sich streiten, freut sich der Vierte, denn der PC gehört auf jeden Fall zu den Gewinnern - so wie die Spieler generell, die vom aktuellen Konkurrenzkampf profitieren werden.

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Augenschmaus und Spielergraus?

Auf welch hohem technischen Niveau die Entwickler selbst kleinerer Spieleschmieden mittlerweile unterwegs sind, zeigen die zahlreichen bewegten Bilder, die uns im Rahmen der E3 präsentiert wurden. Nach dem eher mäßigen Fortschritt der letzten Jahre steht die nächste grafische Revolution unmittelbar bevor und manch einer der neuen Titel lässt sich auf den ersten Blick kaum noch von der Realität unterscheiden.

Revolutionäre neue Spielmechaniken lassen derweil noch immer auf sich warten. Die großen Publisher spulen ihr typisches Programm ab und produzieren mehr vom Gleichen. Dafür rücken die Solo-Abenteuer zusehends in den Hintergrund. In einer Zeit, in der die Mehrheit der Spieler ordentlich mit Freunden vernetzt ist, muss man nicht länger einsam unterwegs sein. Und wenn man nicht gegen andere Spieler kämpft, dann zumindest mit ihnen im Koop-Modus.

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Wenn ich aktuell drei Favoriten küren müsste, die nicht direkt zu den Multiplayer- oder MMO-Titeln zählen, dann wären das wohl Kingdom Come: Deliverance, das mit seinem aktuellen Trailer einmal mehr den Mittelalter-Fan in mir triggert sowie zwei Fortsetzungen, bei denen ich dem jeweiligen Studio blind vertraue: Mount & Blade II: Bannerlord und State of Decay 2, das man immerhin schon mal zu viert zocken kann.

Doch natürlich hatte die E3 auch in Sachen MMO und etwas massiverer Multiplayer-Games eine ganze Menge zu bieten, wenngleich sich die mittlerweile vorwiegend unabhängigen MMO-Schmieden kaum ein solches Bühnenspektakel, wie es die Großen abziehen, leisten können oder wollen - zudem sie optisch eben nicht ganz mithalten können. Dafür haben sie ganz andere Stärken.

Absolver - schneller als gedacht

So auch Absolver. Das Action-RPG, das vor gerade mal einem Jahr angekündigt wurde, nähert sich offenbar schon der Fertigstellung. Am 29. August, soll es bereits für PC und PlayStation 4 erscheinen. Der Clou des Spiels, wie man im Video eindrucksvoll sehen kann, ist eine schwierige und ungemein unterhaltsame Kampfmechanik.

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Um dabei Spaß zu haben, muss der Spieler nicht unbedingt ganz nüchtern sein, denn sein Charakter ist es anscheinend auch nicht. Ein Titel, der sich also ziemlich gut ins Portfolio von Devolver Digital einreiht, dessen E3-Pressekonferenz einen ziemlich krassen Eindruck hinterlassen hat. Hoffen wir, dass das auch bei Absolver hinhaut.

Anthem - Electronic Arts’ eigenes Schicksal

Dem optisch weit überlegen ist Anthem, BioWares Vorstoß in ein Genre, in dem sich aktuell noch Destiny als Vorreiter bezeichnen darf. Anthem setzt ebenfalls auf kleine Teams aus vier Personen, legt allerdings besonderen Wert auf die individuellen Kampfanzüge, in denen allerlei Fähigkeiten stecken. Destiny meets Warframe.

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Wo nun der Multiplayer aufhört und das MMO beginnt, lässt sich aktuell noch nicht genau sagen, siedelt BioWare das Spiel doch auf einem außerirdischen Planeten an, auf dem die Umweltbedingungen ebenso extrem sind wie die Fauna. Auf jeden Fall verspricht man eine starke Story, dazu RPG-Charakterentwicklung sowie ein actionreiches Gameplay. Für den üblichen Freudentaumel ist es angesichts der dünnen Informationslage und der generischen Ansage im Video noch zu früh. Sieh an: “The story doesn’t end here - it’s just the beginning!”

ARK: Survival Evolved - der Anfang vom Ende oder das Ende vom Anfang?

Bei ARK: Survival Evolved ist sich die Fangemeinde gerade nicht ganz sicher, ob die Geschichte nun tatsächlich bald beginnt oder endet. Sicher ist nämlich: Wenn ARK tatsächlich, wie angekündigt, am 08. August für PC, Xbox One und PlayStation 4 erscheint, wird es keinesfalls so fertig sein, wie man sich das vorab erträumt hätte.

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Dabei sind die technischen Probleme, die manche Spieler noch immer haben, nur ein Problem. Viel gravierender sind noch die spielerischen Mängel, die ARK auf offiziellen PvP-Servern hat, wo unbesiegbare Alpha-Clans serverübergreifend ans zerstörerische Werk gehen, sobald die Siedlung eines Clans eine bestimmte Größe erreicht.

Doch vielleicht muss Studio Wildcard auch gar nicht viel tun, denn mit Ragnarok steht schon die nächste Mod ins Haus, an deren Erfolg die Entwickler auch finanziell beteiligt werden sollen. Und da die Modder gemeinhin wissen, an welchen Problemen das PvP in ARK: Survival Evolved krankt, finden sie vielleicht auch bald Heilung.

Ashen - passiver Multiplayer?

Auch wenn Ashen optisch wie namentlich ziemlich stark an das oben erwähnte Anthem erinnert, haben die beiden Titel doch kaum etwas gemein. Ashen folgt der optischen Tradition von Guild Wars 2, stammt es doch aus der Feder eines ehemaligen ArenaNet-Künstlers. Der zeichnet nun im neuen Studio Aurora44, das mit Ashen ein Spiel mit gleichermaßen “passivem Multiplayer” in einer “übergangslosen” Welt auf die Beine stellen will.

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Was das genau zu bedeuten hat und was uns im Detail mit Ashen erwartet, ist aktuell noch nicht ganz klar. Sicher ist nur, dass auch bei Ashen ziemlich viel Liebe im Kampfsystem zu stecken scheint und in seiner künstlerisch-surrealen, aber gerade dadurch atmosphärischen Umgebung. Wer in den Genuss von Ashen kommen möchte, sollte sich jedoch schon mal damit abfinden, dass es ein Microsoft-Exklusivtitel ist und ab Ende September nur auf Xbox One und unter Windows 10 spielbar sein wird.

Astroneer - der Autohimmel

Nicht minder künstlerisch und schon jetzt im Early Access auf Steam verfügbar ist Astroneer. Das Multiplayer-Sandbox-Game könnte auf den ersten Blick die Träume erfüllen, die mit No Man’s Sky unerfüllt geblieben sind. In seiner jetzigen Form macht Astroneer schon unverschämt viel Spaß, hat allerdings noch zu wenig Inhalt, um dauerhaft zu motivieren.

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Die schon jetzt ziemlich große Fangemeinde rekrutiert sich allerdings nicht nur aus enttäuschten Weltraum-Kundschaftern, auch die um ihren Traum geprellte EverQuest-Next-Liga ist in Teilen zu Astroneer abgewandert. Ein ziemlich ambitionierter Titel von einem kleinen, charmanten Team, den man auf jeden Fall auf dem Radar behalten sollte.

Black Desert - bald auf der Box

Vom Radar kaum noch wegzudenken ist mittlerweile Black Desert. Seit seiner Veröffentlichung auf Steam wächst das MMO im Westen aktuell wieder, obwohl es im Heimatland Südkorea nur verhaltenen Zuspruch findet. Über 20.000 Spieler sind zur Stoßzeit allein über Steam gleichzeitig eingeloggt - trotz beliebter AFK-Fischerei eine ziemlich beeindruckende Zahl, zudem man damit auch das gerade durch die Morrowind-Erweiterung ausgeschmückte Elder Scrolls Online mit immer noch rund 16.000 Spielern auf den zweiten Platz verweist.

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Da macht es umso mehr Sinn, Black Desert nun auch auf die Konsole zu bringen - zudem das Kampfsystem sicherlich recht gut für den Controller geeignet ist. Anfang 2018 soll es dann mit der neueren Xbox losgehen, wobei mit der Ankündigung auch ein Release für die PlayStation 4 mehr als wahrscheinlich geworden ist.

Blizzard Entertainment - das nächste große Ding?

Die Jungs von Blizzard Entertainment scheren sich für gewöhnlich wenig um Gamer-Großveranstaltungen wie die E3 und halten etwaige Ankündigungen eher für die Blizzcon zurück. Die beginnt in diesem Jahr am 04. November und könnte uns diesmal wieder eine echte Neuankündigung bescheren.

Darauf deuten zumindest die aktuellen Stellenanzeigen des Studios hin. Insgesamt vier Positionen möchte man besetzen, unter anderem einen “erfahrenen Engine-Engineer, der an einer robusten First-Person-Engine für ein noch nicht angekündigtes Projekt” arbeiten soll. Auch die anderen Stellenausschreibungen deuten darauf hin, dass man in Irvine an einem neuen Action-Titel arbeitet - mutmaßlich natürlich “multiplayer online”.

Conan Exiles - die Spieler klettern, die Zahlen nicht

So wertvoll Steam als Plattform für Studios mittlerweile ist, weil man als Studio auf einen Publisher getrost verzichten kann, so gefährlich kann es auch sein, sich dort niederzulassen. Insbesondere die Transparenz, die direkte Bewertungsmöglichkeit der Spieler sowie die Anzeige der aktiv Spielenden sorgen unter Entwicklern bisweilen für lange Gesichter.

Aktuell dürfte es Joel Bylos sein, der kein sonderlich fröhliches Gesicht macht, wenn er die Statistiken zu Conan Exiles verfolgt, das nach dem Höhenflug im Februar mit einer halben Million verkaufter Versionen und über 53.000 Spielern gleichzeitig gehörig an Zuspruch verloren hat. Bei rund 45 % Spielerschwund im Monat tummeln sich durchschnittlich nur noch 1.800 in der barbarischen Welt. Auch wenn die Barbaren im Spiel seit dem jüngsten Patch auch klettern können - die Spielerzahlen tun es nicht.

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Höchste Zeit also, die noch dürftigen Inhalte des an sich vielversprechenden Survival-Games aufzupeppen. Das passiert dann am 16. August, wenn Conan erstmals auf der Xbox One Einzug hält und gleichzeitig ein Patch kommt, den Funcom etwas ungeschickt als Erweiterung bezeichnet und damit Tumult in der Community ausgelöst hat. Doch die Sorge war wohl unbegründet, denn wer sich das Spiel bereits zugelegt hat, bekommt auch die neuen Inhalte, darunter ein neues, ziemlich winterliches Biom, gratis mit dazu.

Ausblick - der Rest vom Gamer-Fest

Das war natürlich längst noch nicht alles, was die E3 in diesem Jahr für Online-Zocker zu bieten hatte, zudem die Veranstaltung, während ich diese Zeilen schreibe, noch gar nicht zu Ende ist. Der Rest ist dann aber eine andere Geschichte und soll ein beim nächsten Mal erzählt werden.