Stünde man vor der Wahl - für welches MMO würde man sich wohl entscheiden: Für Spiel A, von dem der Publisher sagt, dass sich insgesamt zwei Millionen Spieler registriert hätten oder für Titel B, in dem seit Jahren Monat für Monat über zwei Millionen Spieler aktiv unterwegs sind? Herzlichen Glückwunsch - dann haben wir uns wohl soeben entschieden, Blade & Soul ad acta zu legen und fortan RuneScape zu zocken.

Wie, ihr kennt RuneScape nicht?

RuneScape gehört tatsächlich zu den erfolgreichsten MMORPGs überhaupt - und das seit nunmehr 15 Jahren, zu denen wir Jagex und allen Fans an dieser Stelle von Herzen gratulieren möchten. Über zwei Millionen Spieler pro Monat tummeln sich auf den Spielservern und selbst auf Twitch rangiert die olle Kamelle just in diesem Augenblick auf Augenhöhe mit Overwatch, XCOM 2 und dem brandneuen Black Desert. RuneScape hat alle erdenklichen Titel kommen und gehen sehen - zuletzt das von NCSoft gefeierte, jedoch bereits abgeschlagene Blade & Soul.

Und das ist durchaus verwunderlich, denn spricht man den Titel mal im Freundeskreis an, erntet man nur ahnungslose Blicke. “Gehört schon, gespielt nein.” Tatsächlich ist es mir im Zuge der Recherche während der letzten Woche nicht gelungen, auch nur einen aktiven RuneScape-Fan ausfindig zu machen und wo immer diese Leute auch sein mögen - sie scheinen sich nicht sonderlich für andere Spiele zu interessieren, lesen nicht außerhalb ihre eigenen Foren und sind sich mit ihrem Hobby selbst genug.

Reifen, statt zu altern

Gleiches gilt, wenn auch nicht ganz so extrem, für die Hardcore-Liga von EVE Online, die einfach zu beschäftigt ist, um sich mit dem ganzen Unrat abzugeben, der da draußen umhertreibt. Auf dem Fanfest in Island begegnen mir überdurchschnittlich viele Menschen, die tatsächlich seit zehn Jahre nur EVE Online auf ihren Rechnern haben. Kein Fallout, kein Witcher und - Gott bewahre - erst recht keines dieser neumodischen MMORPGs.

Und wenn man sich so mit diesen Leuten unterhält, kommt man irgendwie nicht umhin, sie in ihrer Zufriedenheit zu beneiden, haben sie doch etwas, was den meisten von uns derzeit fehlt: ein virtuelles Zuhause. Ein Faktor, den viele Studios offensichtlich vernachlässigen, wenn sie ihre prachtvollen, aber meist seelenlosen Welten zimmern, die von ihrer Entstehung bis zum Untergang permanent in die Breite entwickelt werden, nicht aber in die Tiefe und die einfach nur altern, statt ordentlich zu reifen.

Wiped! - Die MMO-Woche - Die richtige Reife

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In den 15 Jahren ist RuneScape eher gereift als gealtert - auch grafisch.
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Und tatsächlich ist dieser Reifeprozess einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um den langfristigen Erfolg eines MMOs geht. Ein Spiel, das technisch wie spielerisch spürbar reift, dessen Entwickler einen Langzeitplan verfolgen und das mehr nachliefert als nur neue Quests und Klassen, wird man als Spieler nicht so schnell hinter sich lassen, selbst wenn ein neuer Hype am Horizont erscheint.

BioWare - Knights of the Old Republic 3.0

Dabei ist es durchaus angebracht, seiner Ausrichtung und den Erwartungen der Community treu zu bleiben und nicht zu weit vom Kernkonzept zu entwickeln. CCP hat das auf die harte Tour gelernt, als man mit den Avataren in EVE Online gehörig auf die Nase fiel. Und auch BioWares MMO-Team musste im Laufe der Jahre erkennen, dass man sich auf seine Stärken besinnen und Prioritäten setzen muss.

Bei Star Wars: The Old Republic hat der Reifeprozess dazu geführt, dass man wieder das tut, was die Spieler von BioWare erwarten: Geschichten erzählen. Die Bemühungen um planetaren Eroberungen, epische Weltraumschlachten und eine galaktische Wirtschaft mögen zwar redlich gewesen sein, liegen jedoch auch weit außerhalb von BioWares Kompetenzbereich.

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