Was haben Karawanen mit Computerspielen zu tun? Warum ist es in diesen Tagen einfacher denn je, einen Blockbuster zu landen? Und mit welchen Überraschungen warten Bethesda, Blizzard und all die anderen Publisher da draußen anlässlich der jüngsten E3 auf? Lest am besten selbst.

Zwar keine Überraschung, aber trotzdem ganz interessant: Anthem hat einen neuen Trailer bekommen und zeigt ein wenig generisches Gameplay:

Anthem - Official Cinematic Trailer (2018)2 weitere Videos

Die Karawane zieht weiter, der Sultan hät Doosch!

Auch wenn ich nie verstanden habe, welch tieferen Sinn ein noch immer durstiger Sultan im zweiten Satz dieses beliebten Karnevalsliedes haben soll, so verstehe ich den ersten doch recht gut. Eine Karawane ist eine große Reisegesellschaft, die auf ihrem ewigen Weg jedoch gerne mal eine Oase anläuft, dort ungehemmt aus dem Vollen schöpft, um dann weiterzuziehen zum nächsten Paradies.

Verweilt wird nirgendwo besonders lang, denn die Oase, so schön sie auch ist, ist nicht das Ziel. Überhaupt hat eine Karawane eigentlich auch gar kein Ziel. Sie ist immer auf Achse. So wie die Communitys der Online-Gamer. Früher einmal waren die recht vielfältig aufgestellt und in alle erdenklichen Richtungen unterwegs. Auch reiste man nur ab und zu, wenn die alte Oase wirklich bis in jeden Winkel hinein abgegrast war.

Wie, du spielst kein Fortnite?

Seit einiger Zeit ist das anders. Immer weniger Online-Gamer bleiben einem Spiel über lange Zeit hinweg treu. Immer mehr folgen dem Schwarm begeistert, wohin auch immer er zieht. Persönliche Vorlieben scheinen immer weniger eine Rolle zu spielen. Man spielt, was alle spielen. Warum? Na, weil es eben alle spielen. Bis sie auf einem alle etwas anderes spielen. Dann zieht man weiter und weint der vorherigen Station keine Träne hinterher.

Als Gaming-Dinosaurier komme ich bei diesem Tempo nicht mehr so recht mit. Und das will ich eigentlich auch gar nicht. Den Anfang genommen hat diese Karawanenbildung 2004, als Blizzard mit World of Warcraft das MMO-Genre vereinfachte. Plötzlich fanden Spieler aller erdenklichen Ausrichtungen einen Einstieg. Das konnte ich zumindest noch nachvollziehen.

Gleiches Phänomen, kürzere Abstände

Der Hype um Minecraft entzog sich mir dann schon weitgehend. Das lustige kleine Spielchen macht zwar Spaß und beflügelt die Kreativität, doch erklärte das längst nicht, warum es nun wirklich alle spielten und es an einer benachbarten Schule von ein paar jüngeren Lehrern sogar im Kunstunterricht eingesetzt und zum Nonplusultra erklärt wird. Das war 2009, also fünf Jahre nach WoW.

Als dann knapp vier Jahre später plötzlich von all diesen Leuten DayZ gespielt wurde, gab ich es endgültig auf, hinter der Karawane herzuzocken. Das Spiel war so unfertig und frustrierend, dass es mir auch meine engsten Wegbegleiter der letzten Dekade nicht schmackhaft machen konnten. Fortan suchte ich eigene Nischen und weinte der Karawane auch keine Träne hinterher.

“Kkthxbye!”

Deren nächste Station hieß dann nämlich PLAYERUNKNOWN’S BATTLEGROUNDS, ein Spiel, dessen Name für mich ebenso dämlich erschien wie das Spielerlebnis, das er versprach. Ich lande, suche mir eine Waffe, erschieße einen unaufmerksamen Typen von hinten und werde dann von einem aufmerksameren aus größerer Entfernung weggesniped. GG, WP, go next!

Doch ich wollte in einem Online-Game etwas aufbauen oder erreichen, nicht einfach “next” gehen und im Gegensatz zur Masse verabschiedete ich mich schnell von PUBG, nicht ohne noch verwundert festzustellen, dass diese unfertige Mod über drei Millionen gleichzeitig aufs Schlachtfeld lockte. Ein neuer Hype, der größte aller Zeiten, war in vollem Gange. Das war irgendwann in diesem Jahr.

Wer hoch steigt, kann tief fallen

Und doch erscheint es schon wieder wie eine Ewigkeit, denn während ich diese Zeilen tippe, toben gerade mal 300.000 Spieler durch PUBG, also traurige zehn Prozent. Der Rest? Nun, die meisten sind schon kurz nach ihrer Station in PUBG zu Fortnite weitergezogen, einem ziemlich platten Ableger mit seltsamer Sofortbaumechanik davon, der innerhalb weniger Wochen von Unreal-Entwickler Epic aufgesetzt wurde, weil die ursprüngliche PvE-Variante nach einem sehr kurzen Auftritt sang- und klanglos gescheitert war.

Schon wenige Wochen nach Erscheinen sprengte Fortnite alle Rekorde, brachte einen neuen Twitch-Superstar namens Ninja hervor, der einerseits auf dem Hype mitschwamm, ihn gleichzeitig aber auch ankurbelte. Dem jungen Mann, der aus seinem ausgesprochen unaufgeräumten Schlafzimmer streamt, schauen zu Stoßzeiten über 300.000 Spieler zu, bisweilen auch mal mehr als alle anderen Streamer zusammengerechnet auf sich vereinen können. Ist Fortnite also das neue Blockbuster?

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