Während ihr diese Zeilen lest, ist die PAX East bereits in vollem Gange. Und aller Voraussicht nach wird sie sie uns in der Nachbereitung auch in diesem Jahr wieder jede Menge Gesprächsstoff liefern. Denn die kleine Ausstellung hat im Laufe der Jahre enorm an Bedeutung gewonnen, profitiert vom Wandel der Branche.

Nein, es besteht sicherlich keine akute Gefahr für die gigantischen Events der Games-Branche, für die Gamescom in Köln oder die E3 in Los Angeles. Immerhin pilgern jeden Sommer Hunderttausende in die heiligen Hallen und stehen sich in endlosen Schlangen die Beine in den Bauch, um für ein paar Minuten den nächsten großen Hype-Titel einschlägiger Publisher zu zocken.

Der Sommer genügt nicht

Und doch legen bislang oft unbeachtete Veranstaltungen nach, gewinnen zusehends an Bedeutung. Aktuell ist es die PAX East als Teil der Penny Arcade Expo, die für Gesprächsstoff sorgt. Die PAX ist nicht etwa eine einzige Veranstaltung, sondern eine eine ganze Reihe von Ausstellungen, die übers Jahr und die Welt verteilt abgehalten werden.

Gerade Indie-Studios, die es nicht mal eben mit Sack und Pack nach Köln schaffen, können sich zumindest einen Auftritt auf der nächstgelegenen Ausstellung leisten, zudem man sich auch die terminlich bequemste Veranstaltung auswählen kann. So findet man zumindest Beachtung, während man im Hochsommer kaum gegen die Marketing-Maschinerie der großen Häuser ankommt.

Gut für uns, bringt die PAX East doch ein wenig frischen Wind in den ansonsten lauen Frühling und versorgt uns in dieser und nachbereitend mindestens noch in der nächsten Woche mit Infos und Filmmaterial zu großen und kleinen MMORPG-Projekten, von denen man schon so lange nichts mehr gehört hatte.

Chronicles of Elyria - macht einen auf Tomb Raider

Von den Chronicles of Elyria zum Beispiel, das im vergangenen Jahr auf Kickstarter 1,3 Millionen Dollar abgeräumt hatte und um das es, abgesehen von einer erneuten Sammelaktion, ziemlich ruhig geworden war. Höchste Zeit also für das Team der Soulbound Studios, auf der PAX East vorstellig zu werden und zu zeigen, was man bis dato mit den Geldern der Unterstützer angestellt hat und wie in etwa sich Chronicles of Elyria mal irgendwann spielen könnte.

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Konkret ist es ein kurzes Abenteuer in einem Bergwerksstollen, auf das die Besucher der PAX East geschickt werden. Das entstammt der aktuellen Pre-Alpha-Version des Spiels, zeigt also eine ganz frühe Phase der Entwicklung. Dafür sieht es aber schon mal recht gut aus und deutet an, dass sich Chronicles of Elyria nicht mehr an den ollen Kampfsystemen vergangener MMO-Tage orientiert, sondern an spielerisch stärkeren Solo-Rollenspielen.

Dark and Light - Feintuning im Schneckentempo

Spielerisch stark präsentiert sich auch die Neuauflage von Dark and Light. Die Sandbox wirkt auf den ersten Blick derart ansprechend, dass sie mit Sicherheit noch zum Liebling der kommenden Fach- und Publikumsmessen avancieren dürfte. Auf jeden Fall entfacht der chinesische Publisher Snail Games in technischer Hinsicht ein ziemliches Feuerwerk. Dabei erinnert Dark and Light nicht ganz zufällig an ARK: Survival Evolved, immerhin arbeitet Snail parallel auch noch für Studio Wildcard an der VR-Version der Jurassic-Park-Sandbox.

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Und nachdem man nun den ursprünglich fürs “späte 2016” angekündigten Early-Access-Termin nicht mehr einhalten kann, hat man bei Snail rechtzeitig vor der PAX East zumindest noch einmal versprochen, dass man Dark and Light in diesem Jahr sowohl in den Early Access als auch ins Release schicken werde. Die Entwicklung gehe gut voran, heißt es aus dem Studio, und man sei bereits mit den Fein- und Polierarbeiten beschäftigt, mit Dingen wie Partikeleffekten und Animationen.

Star Citizen - Gesichter für die Sternenbürger

In optischer Hinsicht gut voran geht es auch mit Star Citizen, das sich mittlerweile nicht mehr allein auf fantastisch schöne Raumschiffe beschränkt, sondern auch bei den Charakteren sämtliche Register zieht. Wie das aktuelle Entwicklervideo beweist, brauchen die Gesichter der Sternenbürger keinen Vergleich zu scheuen. Sie sind erschreckend realistisch, bei einer Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten.

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Und auch in die Spielmechaniken von Star Citizen kommt langsam Bewegung. Aktuell arbeitet das Team von Tony Zurovec, zuständig für die persistenten Elemente der Welt, an einem System, das den dynamischen Markt mit dem Missionssystem verkoppelt. Gehen in einem System langsam bestimmte Güter aus, steigt entsprechend die Nachfrage und das System beginnt, automatisch Missionen zu generieren, die Spielern einen zusätzlichen Anreiz geben sollen, den Versorgungsengpass zu beseitigen und die benötigten Waren zu liefern. Ein Ansatz, wie man ihn von einer guten Space-Sandbox erwartet.

Hellion - hart, härter, Hellion

Eine gute Space-Sandbox könnte auch Hellion werden, wenngleich das gerade in den Early Access gestartete Spiel in Sachen Realismus noch mal eine ganz andere Hausnummer ist als Star Citizen. Der Spieler erwacht in einer Art Kryotank, auf einer Raumstation, die nur noch im Notbetrieb läuft und dringender Reparaturen bedarf.

Also sammelt man dieses und jenes Stück Technik ein und verbaut es in den entsprechenden Vorrichtungen, setzt irgendwie die Solarmodule und die Batterien in Gang, streift sich einen Raumanzug über und wagt einen Weltraumspaziergang, um das abseits treibende Andockmodul wieder anzudocken und den kleinen Raumgleiter an Bord zu holen, um ihn für den ersten Flug in die Ferne klarzumachen.

Höllentrip für den starken Magen

Das alles erzählt sich jedoch viel leichter, als es ist und der Raumspaziergang wird schnell zur Höllentour. Da nämlich jedes Objekt seine eigene Rotation hat sowie eine ganz eigene Umlaufbahn und da Sauerstoff und Treibstoff begrenzt sind, endet der Trip für einen von Ungeduld angetriebenen Anzugträger recht schnell in der Unendlichkeit.

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Sofern er nicht vorher schon mit verdrehtem Magen auf dem Sofa endet, wie ich nach meinen ersten Trips ins All. Angesichts der ziemlich realistischen Grafik und der bisweilen fiesen Wirkung fehlender Gravitation, kommt es auch ohne VR-Helm bisweilen zu Motion Sickness - zumindest bis man die Grafik magengerecht feinjustiert hat.

Gerade in den Early Access gestartet, bietet Hellion aktuell nicht viel mehr als ein paar Stunden Inhalt. Jedoch wird schon jetzt die Vision erkennbar, der die Entwickler folgen: Eine möglichst realistische Raumsimulation zu erschaffen, in der man Soldat, Pilot, Schürfer und Ingenieur in Personalunion ist und in der man allen Widrigkeiten trotzen muss, die einem Vakuum und Schwerelosigkeit entgegensetzen.

Ion - Ende der Legende

Angesichts der unzähligen Weltraum-Sandkästen ist die schlechte Nachricht der Woche auch durchaus zu verschmerzen: Dean Hall, berühmt geworden mit seiner nie vollendeten Survival-Steilvorlage DayZ, hat nämlich nicht nur die Zombie-Apokalypse hinter sich gelassen, sondern offenbar auch das vor zwei Jahren angekündigte neue Projekt namens Ion.

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Das hätte tatsächlich ein MMO werden sollen, inspiriert von EVE Online und Space Station 13, so erklärte es zumindest der vielleicht berühmteste Modder noch auf der vorletzten E3. Mittlerweile jedoch wollen die Kollegen von Eurogamer von Dean Hall persönlich erfahren haben, dass sein Studio in Neuseeland schon seit dem vergangenen Herbst nicht mehr an Ion arbeitet. Möglicherweise das Ende einer Legende.

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