Wer nicht gerade ein Fan von PUBG oder Fortnite ist, wird die letzten Wochen wohl auch als ziemlich öde empfunden haben. Es waren keine brauchbaren neuen Titel in Sicht, die laufenden Multiplayer-Titel schwächeln allesamt, verlieren ihre Spielerbasis ans Battle-Royale-Genre. Doch die Sauregurkenzeit ist fast überstanden. Im Mai kommen ein paar potentielle Leckerbissen auf uns zu.

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Die vergangenen Monate fühlten sich für viele Gamer an, als wäre die Branche in diesem Jahr ein paar Monate zu früh ins Sommerloch gefallen. Statt neuer Games und guten Nachrichten, gab es Hiobsbotschaften aller Art. Studios wurden geschlossen, Server zusammengelegt oder Titel gleich ganz eingestampft. Wer Spaß daran hat, zockt Fortnite, das aktuell zum erfolgreichsten und profitabelsten Spiel der Welt avanciert, dessen Erfolg zumindest teilweise ursächlich ist für den Misserfolg der anderen.

Daybreak - das Grauen im Morgengrauen

Zumindest H1Z1, die erste Battle-Royale-Inkarnation dieser Art, hat arg unter Fortnite gelitten. Was nach dem Erscheinen von PUBG noch an Spielerbasis übrig war, hat H1Z1 in Richtung Epics neuer Variante verlassen. Doch das allein ist nicht einmal der Grund für die verstörenden Nachrichten, die uns von SOE-Nachfolger Daybreak erreichen.

Begonnen hatte alles damit, dass die US-Regierung im Rahmen der Russland-Sanktionen gegen verschiedene Oligarchen auch die Konten der russischen Renova-Gruppe und ihrer Töchter eingefroren hatte. Eine davon, so stellte sich nun heraus, ist Columbus Nova, ihres Zeichens Eigentümerin von Daybreak.

Das Internet vergisst nichts

Diesen Zusammenhang allerdings stritten Vertreter des Games-Publishers in verschiedenen eilig veröffentlichten Verlautbarungen vehement ab, obwohl im Netz unzählige zum Teil auch offizielle Mitteilungen der letzten Jahre zum Thema existierten. Die wurden nun jedoch quasi über Nacht entfernt, gelöscht, ausradiert. Selbst Wikipedia-Einträge wurden entsprechend verändert und behauptet, dass Daybreak allein einem privaten Eigner gehöre, nicht jedoch Columbus Nova und letztere auch gar nicht zur Renova-Gruppe.

Das alles hätte vielleicht noch Hoffnung geschürt, wären nicht plötzlich etliche Entwickler entlassen worden. Insgesamt ist von mindestens 70, teilweise gar von 100 Kündigungen die Rede, darunter auch zahlreiche führende oder für bestimmte Projekte unersetzliche Mitarbeiter. Und wenngleich sich nun die Meldungen und Gerüchte widersprechen, sieht es wohl so aus: Daybreaks Zukunft ist ungewiss, so auch die Zukunft der einzelnen Titel.

Spielerei für Oligarchen

Einzelne Meldungen deuten darauf hin, dass man mit den Intrepid Studios in Verhandlung steht. Die Entwickler des Indie-Projektes Ashes of Creation stammen teilweise selbst von Daybreak oder Sony Online Entertainment. Allerdings ist fraglich, ob sie die finanziellen Mittel hätten, Daybreak zu retten und ob es der mysteriöse Eigner, wenn er sich irgendwann mal zu erkennen gibt, das überhaupt zulassen könnte oder wollte.

Das alles bestätigt nun einen alten Verdacht, dass es bei zahlreichen Firmen in der Games-Branche doch noch immer reichlich unseriös zugeht, dass zunehmend Gelder aus dubiosen Quellen fließen und Investoren einsteigen, die an allem möglichen Interesse haben, jedoch nicht daran, ein hochwertiges Spiel zu produzieren und zu betreiben. Kein Wunder also, dass Daybreak in all den Jahren nichts Ordentliches mehr zustande gebracht hat. Und so leid mir die entlassenen Entwickler auch tun - sie sind anderswo wahrscheinlich besser aufgehoben.

Wild West Online - und plötzlich geht alles ganz schnell

Vielleicht findet der eine oder andere ja auch Unterschlupf im Wilden Westen. Denn das Team hinter Wild West Online wird wohl ziemlich bald ziemlich viel Unterstützung brauchen. Zumindest sofern das Wildwest-MMO finanziell erfolgreich wird und ordentlich betreut werden muss. Und ob es das wird, werden wir nicht erst im Oktober erfahren, also kurz vor dem Release von Red Dead Redemption 2, wie ursprünglich vorgesehen, sondern schon in zwei Wochen.

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Kein Witz - am 10. Mai soll Wild West Online den Early-Access verlassen und offiziell auf Steam veröffentlicht werden. Wie das so schnell funktionieren konnte, wie man tatsächlich bis dahin globale Fraktionskriege, PvP-World-Events, PvE-Missionen und allerlei Nebenaktivitäten wie Bergbau, Ackerbau, Jagd, Kochen und nicht zuletzt die Schnapsbrennerei ins Spiel bringen und ordentlich testen will, verraten die Entwickler nicht. Man arbeite, so heißt es aktuell von offizieller Seite, einfach rund um die Uhr.

Die aktuelle Community scheint diese kurzfristige Planung mit Wohlwollen aufzunehmen. Auch wenn man dort davon ausgeht, dass sich die Release-Version nicht wesentlich vom aktuellen Early-Access unterscheiden wird, vertraut man den Entwicklern und darauf, dass sie das Spiel auch nach Release ordentlich betreuen, erweitern und in Schuss halten werden. Zudem schlägt Wild West Online damit einen anderen Pfad ein als viele Indie-Studios, die ihre Titel bewusst ewig im Early-Access halten, um die extrem hohen Erwartungen zu schüren und die Spielerschaft möglichst lange auszunehmen.

Conan Exiles - so hätte Age of Conan werden sollen

Auch Funcom kann man diesen Vorwurf nicht machen. Ein gutes Jahr nach Start in den Early-Access soll Conan Exiles am 08. Mai endlich in den Release überführt werden. Und tatsächlich rüsten sich aktuell unzählige Spieler und Clans, um zum offiziellen Start ganz vorne mit dabei zu sein - obwohl es in den letzten Monaten ziemlich ruhig war um die neue Conan-Inkarnation.

Das allerdings lag auch an Funcoms Ankündigung, dass die Server zum Release noch einmal gewiped werden sollen. Am dem 08. allerdings werden Spieler behalten, was sie da aufbauen - vorausgesetzt, es kommen keine anderen Clans daher und belagern das Eigenheim mit Belagerungswaffen und göttlicher Hilfe.

“Greif doch an!”
Insgesamt scheint Funcom jedoch dafür sorgen zu wollen, dass die Zerstörungswut der Spieler ausgebremst wird. Anders als bei ARK: Survival Evolved gibt es Zeitfenster, innerhalb derer man nur belagert werden kann und Mechanismen, die es Verteidigern stets etwas einfacher macht als Angreifern.

Weil man den Release-Termin unbedingt einhalten möchte, werden verschiedene Features auch zum Release noch nicht verfügbar sein, doch auch hier scheint die kleine, aber ziemlich coole Community darauf zu vertrauen, dass Joel Bylos und sein Team hinterher nachliefern und das Spiel ordentlich betreuen werden. Ob es nun wirklich auf offiziellen Servern zu einem halbwegs ausbalancierten Spielvergnügen kommen wird, sei einmal dahingestellt und ist ein Thema, dem wir uns nach dem 08. Mai noch widmen werden.

Bless Online- eine MMO-Herausforderung?

Und wenn Conan Exiles wider Erwarten nichts wird? Nun, dann bleibt uns immerhin noch Bless Online, das ebenfalls im Mai an den Start gehen wird - zwar nicht ins Release, jedoch immerhin schon mal in den Early Access. Derweil sind die Entwickler schon mal darum bemüht, die Unterschiede zu den Versionen in Südkorea und Japan herauszuarbeiten.

Die meiste Arbeit hat Neowiz wohl ins Kampfsystem gesteckt, das für den westlichen Markt angepasst wurde. Es soll nun actionreicher sein und insgesamt “schwieriger”. Gleichzeitig hat man wohl auch die verschiedenen Mobs angepasst und mit verschiedenen Skills versehen, die ihre asiatischen Geschwister nicht auf Lager haben. Generell soll die Jagd anspruchsvoller sein, womit nicht zuletzt das Gruppenspiel gefördert werden soll.

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Die wichtigsten Veränderungen könnte es jedoch im Geschäftsmodell geben, denn das soll im Westen angeblich komplett ohne Pay-to-win-Elemente auskommen. Gewährleisten könnten das die Community-Abgesandten, die als Vermittler zwischen Entwicklern und Spielern fungieren und die Community führen sollen. Wer am Ende wen führt und ob sich der Publisher tatsächlich ins Tagesgeschäft hineinreden lässt, ist schon wieder eine andere Geschichte und soll nach Release erzählt werden.