Wie jedes Jahr um diese Zeit ist unser Kolumnist als Kriegsberichterstatter in Island unterwegs. Diesmal ist er allerdings befindet er sich selber im Kampf - und zwar mit dem lokalen Internet, das ihm am Ende anscheinend den Dienst verweigert hat. Ein Teil seiner Botschaft hat es immerhin nach Berlin geschafft und konnte mittlerweile entziffert werden.

Das Lied von All und Feuer

Es fällt nicht ganz leicht, mit wenigen Worten zu beschreiben, was in diesen Tagen auf der kleinen Insel im Nordatlantik vor sich geht. Hier treffen sich, mitten im größten virtuellen Krieg der Geschichte, immerhin 1.500 Raumschiffpiloten und Flottenkommandanten zweier Fraktionen, um auf neutralem Boden ihr gemeinsames Hobby zu feiern. Offiziell zumindest, denn hinter den Kulissen laufen Prozesse ab, die George R. R. Martins eine Steilvorlage für die Fortsetzung seines Liedes von Eis und Feuer liefern könnten.

Prozesse, die zu beschreiben auch den Rahmen dieser Kolumne sprengen würde und die daher in einem gesonderten Kriegsbericht aufgearbeitet werden sollen. Nur so viel vorab: Nach einer längeren Phase der Ruhe ist New Eden erwacht und steht in Flammen. Flammen, die Minute für Minute Milliarden ISK verzehren, die jedoch EVE Online befeuern, die Leidenschaft der Fans sowie die schelmische Schadenfreude der Leute von CCP.

Die versuchen auf dem Fanfest immerhin, professionell zu bleiben und den Krieg nicht allzu offensichtlich für sich auszuschlachten - zudem durchaus Verschwörungstheorien kursieren, nach denen CCP den Konflikt ausgelöst habe. Und in gewisser Hinsicht haben die Isländer das auch getan, indem sie in den vergangenen Monaten vorsichtig an ein paar Schräubchen gedreht und die Hürden für Aggressoren heruntergesetzt hatten. Eine Gelegenheit, die sich ein paar ziemlich außergewöhnliche Protagonisten aus der Community nicht entgehen lassen wollten. Doch von diesen Gesellen und dem überaus spannenden Thema später mehr.

Unmögliche Zitadellen

Denn CCP hat auch ein paar eigene Sachen vorbereitet, mit denen man auf dem Fanfest aufwarten kann - allen voran die nächste Erweiterung zu EVE Online mit dem Namen Citadel, in der Spieler die gleichnamigen Strukturen ins All bauen können, von denen die größte rund 15 Prozent der gesamten in EVE gelagerten Reichtüber verschlingt. Ein Projekt also, von dem die Entwickler dreist behaupteten, dass es ohnehin niemals fertiggestellt werden könne. Das Raunen der Spielerschaft ließ derweil ahnen, dass man diese Provokation nicht auf sich sitzen lassen wird.

Und was von Menschenhand errichtet wurde, so das Gesetz in EVE, muss auch von Menschenhand zu zerstören sein, was die Spekulationen rund um die Superstrukturen in direkten Zusammenhang mit dem laufenden Krieg bringt und die Strippenzieher im Krieg dazu, die veränderten Naturgesetze und Geheimnisse im künftigen New Eden möglichst zu entschlüsseln, bevor es der Gegner tut.

Über alle Grenzen

Doch das Fanfest dreht sich natürlich nicht nur um EVE Online, sondern auch um EVE Valkyrie, das künftig wohl die großen drei VR-Geräte über die Systemgrenzen hinweg verknüpfen soll. Und um Gunjack, das die meistgeladene VR-App in der Geschichte von Gear VR ist und mit 4,5 Sternen auch ganz ordentlich bewertet wurde.

Und dann wäre nach das ehemalige Project Legion, das mittlerweile Project Nova heißt und irgendwann einmal ein guter Shooter im EVE-Universum werden soll. Project Nova wird in CCPs Studio in Shanghai mit der Unreal Engine 4 gebastelt und diesmal auch nicht exklusiv für die Konsolen erscheinen, sondern ganz unspektakulär als Free-to-Play-Titel für PC. Logisch, dass ich das Spiel auf dem Fanfest noch ausgiebig testen werde.

Und auch auf der experimentellen VR-Schiene geht es für CCP mittlerweile voran. Aus den ersten Gehversuchen des vergangenen Jahres ist Project Arena geworden, ein Sportspiel-Doppelpack, das tatsächlich alle VR-Register zieht und jede Menge Platz in der Wohnung voraussetzt. Dafür spart man sich jedoch auch den Gang ins Fitnesstudio. Auch hier werde ich morgen noch einmal gehörig unter der Haube schwitzen, bevor ich ausführlicher berichte - zudem auch der Rest der Branche in der vergangenen Woche nicht geschlafen hat.

World of Warcraft Legion - vier Monate Wartezeit

Da hat zum Beispiel Blizzard die Veröffentlichung von Legion auf den 30. August datiert. Die Standardversion wird im Download für 44,99 Euro angeboten, die digitale Deluxe Edition wird für knapp 60 Euro zu haben sein. Geplant sind für Legion nach wie vor der Dämonenjäger, Artefakte als neue Waffen, der Aufstieg zu Level 110 und einige Dinge mehr.

Kritik kommt vor allem aus der aktiven Spielergemeinde. Die beschwert sich in Teilen aktuell über die lange Wartezeit bis zum Update. Weitere vier Monate, so die Ansicht vieler Fans, seien einfach eine zu lange Durststrecke. Ob Legion inhaltlich genügend bieten wird, um den stetigen Spielerschwund zu stoppen, darüber wird natürlich auch noch rege diskutiert.

Warcraft - warum nicht zuerst das Auenland?

Ziemlich hitzige Wortgefechte wurden auch rund um den ersten Trailer zum kommenden Warcraft-Kinofilm geführt, dessen real gedrehter Anteil sich auch für meinen Geschmack zu stark mit den CGI-Elementen beißt. Und das ist leider auch im zweiten, gerade veröffentlichten Clip nicht anders, der die Diskussion neu entfacht hat.

Diskutiert wird nun zudem über die Richtung, in die sich der Film zu bewegen scheint. Insbesondere einige WoW-Fans sind der Ansicht, dass der Film zu Beginn ein ähnliches Erlebnis bieten sollte wie es ein Spieler hat, wenn er einen Charakter im MMO startet. Ein unbedeutender Charakter, der Stück für Stück in den epischen Kontext stolpert, wäre allemal netter zu begleiten, als die Heldenliga. Aber vielleicht vermittelt der Trailer auch nur den Eindruck, dass der Film gleich in die Vollen ginge.

Bless - this game!

In die Vollen hätte auch Bless gehen sollen, ein südkoreanisches MMO, das Black Desert in optischer Hinsicht mit angeblich fotorealistischer Grafik noch einmal übertreffen soll. Dann allerdings zerstörte eine Pressemeldung in der vergangenen Woche die Hoffnung der Fans. In der überbrachte der CEO von NEOWIZ eine für ihn offenkundig frohe Botschaft. Man habe sich mit Aeria Games zusammengeschlossen, einem “fähigen Publisher”, der einen “reichen Erfahrungsschatz” angesammelt habe, “Erfolg und Know-How”.

Letzteres hat Aeria Games jedoch vorwiegend darin erworben, unterdurchschnittliche Titel mit einem untragbaren Pay-to-Win-Geschäftsmodell auszupressen und im Gegenzug wenig bis keinen Support zu liefern. Entsprechend ging auch ein erster Auftritt von Aerias Community-Team auf Reddit gewaltig in die Hose, bei dem die neuen Verantwortlichen eigentlich nur wussten, dass sie noch nichts wussten.

Außer der Marketing-Botschaft, dass Bless natürlich “eines der großartigsten MMORPGs” sei, “die jemals geschaffen wurden” und man “das Spiel als Service” verstehe und die Community als “Richter über den Erfolg.” Große Worte, die bei der Community nur für umso größeren Unmut sorgten und für die Ankündigung mancher, dass Bless für sie von vornherein gestorben sei. Die Zeit der Erfolge scheint für berüchtigte Pay-to-Win-Publisher ein für allemal vorüber zu sein und die Arbeit für das Aeria-Team zur Tortur.

The Elder Scrolls Online - müder Auftritt

Dagegen ist die Arbeit von ZeniMax ein Zuckerschlecken, wobei der tatsächliche Erfolg des Spiels längst nicht so bedeutsam sein dürfte, wie das Matt Firor in seinen regelmäßigen Ansprachen gerne verkündet. Aktuell ist es übrigens der nächste, wie ZeniMax es nennt “killer DLC game pack”, der The Elder Scrolls weiter aufwerten und dem Studio weitere Einnahmen bescheren soll

Der ganz große “Killer” ist der Trailer zum DLC dann leider nicht und der “erste Ausblick” auf die dunkle Bruderschaft wirkt insgesamt ziemlich müde und uninspiriert. ZeniMax sollte dringend darüber nachdenken, sich mal einen Profi für die Trailer anzuheuern. Immerhin tragen die in nicht unbedeutendem Maße dazu bei, alte und neue Spieler in die jeweilige Welt zu locken.

Ich bin dann mal weg...

Und das Center Hotel Plaza in Reykjavík sollte dringend darüber nachdenken, seinen Gästen ein funktionierendes Internet anzubieten. Mittlerweile funkt das Netzwerk auf absoluter Sparflamme und ich werde diesen Text abschicken müssen, bevor er irgendwo im ewigen Eis strandet. Mehr über das Kriegsdrama, das EVE Fanfest und die besagten Titel bekommt ihr dann zu lesen, wenn ich zurück in der vernetzten Welt bin. Und die verbliebenen Nachrichten aus der Welt der Onlinespiele werden am kommenden Wochenende nachgereicht. Versprochen!