Generell ist der Early Access während der Entwicklung von Computerspielen ja eine tolle Idee. Entwickler bekommen eine frühe Resonanz von den Spielern, die den Titel gleich noch ihren Freunden vorstellen. Obendrein kommt ein wenig Geld in die Kassen, mit dem man als kleiner Publisher locker bis zum Release über die Runden kommt. So zumindest die Theorie. In der Praxis läuft es leider nicht immer so glücklich.

Unter der Kolumne der vergangenen Woche beschwerte sich ein treuer Leser darüber, dass wir keine Spielberichte von den ganzen Games bringen, die hier Woche für Woche vorstellt werden. Zu Recht, wie ich finde, denn auch ich würde mir als Leser erhoffen, schon mal einen Ausblick darauf zu bekommen, wie sich dieses oder jenes Game nach Release so schlagen wird. Bedauerlicherweise ist das in der Praxis nicht immer ganz einfach.

Ich bin YouTuber und berühmt!

Das fängt schon mit dem Zugang an. Anders als große Studios verfügen Indie-Entwickler selten über PR-Leute, die für die Anfragen von nervigen Presseleuten zuständig sind. Die Mails eines deutschen Labersacks vom Fach landen irgendwo zwischen dem üblichen Spam und Tausenden von Anfragen unglaublich berühmter YouTuber, die alle, man verzeihe mir bitte diese kleine Spitze, scharf darauf sind, das Game ihrem Millionenpublikum zu präsentieren und dafür natürlich eine Zugang brauchen.

Und selbst wenn man einen Entwickler erreicht, der etwas zu melden hat, so ist dieser der Presse meist längst nicht so gewogen, wie man sich das oft vorstellt. Diese Jungs haben ein Projekt im Early Access laufen, das irgendwo zwischen Tech-Demo und Pre-Alpha hängt. Sie haben grandiose Ideen, die sie in schicke Worte, manchmal auch in einen netten Trailer gepackt haben. Sie haben nicht mehr als ein Traum, angesichts des bescheidenen Fortschritts. Ein Traum, von dessen Verwirklichung sie noch Jahre entfernt sind, sofern sie überhaupt selber glauben, ihn erreichen zu können.

Eine Frage des Budgets

Und trotzdem müssen sie diesen Traum verkaufen, müssen sich über Wasser halten, so gut und so lange es geht. Wenn man also eine Personengruppe möglichst nicht in den frühen Versionen herumhüpfen sehen möchte, dann übereifrige Vertreter der Zockerpresse. Richard Garriott gab mir bei Shroud of the Avatar beispielsweise nur einen zeitlich extrem limitierten Zugang, andere Indie-Studios beantworten die Presseanfrage gleich mit dem Hinweis dass man sich den Zugang eben kaufen solle.

Wiped! - Die MMO-Woche - Der frühe Frust

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuWiped! - Die MMO-Woche
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 53/541/1
ARK: Survival Evolved ist einer der wenigen Titel, die sich trotz Early Access wie ein komplettes Spiel anfühlen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dass es bei einigen Early-Access-Titeln dann doch ab und zu eine eigene Vorschau gibt, liegt vor allem daran, dass ich, wie zum Beispiel bei ARK, Star Citizen und Life is Feudal, selber zu den Unterstützern gehöre und die laufenden Entwicklungen verfolge. Doch auch mein Budget ist nicht unerschöpflich und mittlerweile halte ich mich mit Investitionen zurück. So verlockend manche Idee auch klingen mag - ich kenne das Risiko des Scheiterns, das gemeinhin höher ist als etwaige Erfolgsaussichten.

Dazu kommt, dass die Entwicklung von MMOs eine ausgesprochen langwierige ist. Manche Projekte scheinen über Monate oder Jahre hinweg eingefroren zu sein, bis plötzlich wieder Updates kommen. Der Grund: Indie-Teams sind klein, brauchen jeden Mann in der Entwicklung. Ein Update ausgiebig genug zu testen, um es auf die Early-Access-Server aufzuspielen, kostet Manpower, der dem Team dann für die Entwicklung anderer Features fehlt. Also halten sie die Updates lieber so lange wie möglich zurück.

Die Geduldsprobe

Die wenigsten Games machen im Early-Access bereits Spaß. Es sind auch noch keine Games im eigentlichen Sinne. Es sind eher einzelne, nicht unbedingt funktionierende Mechaniken von etwas, das sich irgendwann einmal zu einem Gesamtbild zusammenfügen soll. Gerade solch wichtige Elemente wie Animationen sind oft bis zum Ende der Entwicklungszeit nur Platzhalter. Wirklich viel über das Endprodukt kann man nicht lernen, wenn man als Kritiker durch den meist frustrierend unmotivierenden Early Access turnt.

Und trotz dieser Hürden und der ewigen Warterei möchte ich hier in der Kolumne gerne auf die interessantesten Indie-Projekte da draußen hinweisen. Immerhin sind sie unsere letzte Hoffnung darauf, dass das MMO-Genre nicht komplett vor die Hunde geht. Dass ich sie dabei nicht allesamt selber spielen und aktiv durch die Entwicklungszeit begleiten kann, möge man mir bitte nachsehen. Spätestens wenn das Release irgendwann mal näher rückt und sich tatsächlich eine verbindliche Aussage zur Qualität treffen lässt, steigen wir dann auch offiziell mit ein.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis: