Eine gute Woche vor der E3 2018 nimmt unser Kolumnist die Ereignisse der Multiplayer-Szene unter die Lupe, zum Beispiel das Chaos zum Start von Bless Online, das Gerangel der Battle-Royale-Kombattanten und in diesem Zusammenhang auch den bevorstehenden Dritten Weltkrieg. Doch lest am besten selbst.

Heute geht es unter anderem um PlayerUnknown's Battlegrounds:

PlayerUnknown's Battlegrounds - SEHEN UND STERBEN - Gameplay2 weitere Videos

Es ist mal wieder eine Zeit des Wartens für die Fans gepflegter Multiplayer-Zockerei. Wir warten auf all die Dinge, die da kommen mögen. Auch warten wir auf die nächste E3, auf der hoffentlich mal wieder ein paar wirklich richtig hochwertige Titel angekündigt oder endlich verbindlich vorgestellt werden, eines davon Amazons New World, von dem aktuell niemand sagen kann, ob es eigentlich überhaupt noch entwickelt wird.

Bless Online - der frühe Vogel fängt den Käfer

Und wir warten vor den Toren der Server von Bless Online, das in der vergangenen Woche in den Early Access gestartet ist und das für den holprigen Start ordentlich Kritik einstecken musste und auf Steam “ausgeglichene” Bewertungen, die für gewöhnlich kein gutes Zeichen sind für ein neues Spiel.

Bless Online erschien am 30. Mai diesen Jahres

Andererseits wurde auch Black Desert Online mit ausgeglichenen Bewertungen bedacht und ist dennoch das erfolgreichste MMORPG auf Steam, während PUBG in letzter Zeit “größtenteils negative” Kritiken einstecken muss, während sich dort gleichzeitig so viele Spieler tummeln wie in allen anderen Spielen zusammengerechnet, während mancher ausnahmslos positiv eingeschätzte Titel verwaist vor sich her dümpelt.

Urteil des Schwarms

Sind, so wurde ich in diesen Tagen mehrfach gefragt, die Bewertungen des Schwarms also doch keine so aussagekräftige Sache? Kann man auf die vielfach totgesagten Rezensionen der Fachpresse, mit der sich mancher Publisher am liebsten gar nicht mehr abgeben würde, am Ende doch nicht verzichten?

Natürlich gibt es auch auf Steam bisweilen wundervoll ausführliche Bewertungen zu lesen mit einer guten Begründung für das abschließende Urteil, doch wer macht sich am Ende noch die Mühe und wühlt sich durch Tausende Bewertungen, um die aussagekräftigen zu finden, die in der Masse irgendwie untergehen, von der man nur liest: “Drecksgame! Installiert nicht. Refund!”

“Drecksspiel!”

Der Daumen runter ist schnell vergeben, dazu ein paar wütende Worte. Steam interessiert es dabei ja nicht, wie lange sich jemand die Mühe gemacht hat, das Game überhaupt zu zocken. Unter zwei Stunden werden es im vorliegenden Fall gewesen sein, sonst hätte der Kollege das Geld auch nicht zurückfordern können.

Und dann wäre da noch die Fraktion der emotionalen Fanboys und -girls, die ein Spiel nachvollziehbar und mit guten Argumenten abwatschen, den Daumen nach unten zeigen lassen, während man in ihrem Profil sehen kann, dass sie Tausende Stunden damit verbracht haben. Klar, wenn man sich eine halbe Ewigkeit mit einem Spiel beschäftigt, erkennt man alles klarer: die kleinen Fehler, Bugs, die Probleme im Endgame, den schlechten Support. Klar - Reviews sind immer subjektiv, auch die der Fachpresse. Doch sollte ich mit dem Frust aus 5000 offenbar doch genügend unterhaltsamen Spielstunden, einen interessierten Spieler abschrecken, indem ich meinen Daumen nach unten zeigen lasse?

Ärger im Verzug

In Bezug auf Bless Online gibt es letztere Fraktion natürlich noch nicht. Hier dominieren die Kritiker der ersten Stunde. All jene, die in der Warteschleife hängen, die auf einen bestimmten Server gezwungen wurden oder in eine bestimmte Fraktion. Es bewerten all jene, deren System mit dem Unreal-3-Game nicht klarkommt und jene, die noch nie zuvor ein MMO gespielt haben und mit Level 4 keine Herausforderung bei den Kämpfen erkennen können.

Dabei war der aktuelle Ärger absolut vorhersehbar. Natürlich hat ein Publisher, der sich hier im Westen seine ersten Sporen verdient, gewisse Anlaufschwierigkeiten, zudem man den Start auch noch komplett auf Steam abwickelt, wodurch es noch einmal zu einer ganze Reihe von Problemen kommen kann. Und dann wäre da noch der Headstart - drei Tage vor Beginn des Early-Access-Programms. Wer in aller Welt rechnet auch ernsthaft damit, dass er ohne Unterbrechung spielen kann?

Schon wieder “Emergency Maintenance”!?

Ich für meinen Teil habe an Bless Online grundsätzlich gar nicht so viel auszusetzen und würde mir auch nicht anmaßen, jetzt schon den Daumen nach unten zeigen zu lassen. Die permanenten Unterbrechungen der letzten Tage zeigen, dass man an den Problemen arbeitet, von denen es zugegebenermaßen zahlreiche gibt.

Dass es aber an einer vollständigen und stimmigen Übersetzung fehlt, kann man einem MMO im Early-Access wohl kaum vorwerfen. Auch nicht, dass es Warteschlangen gibt und unangekündigte Server-Restarts. Etwas kritischer sind da schon die FPS-Probleme sowie die noch immer fehlenden Einstellungsmöglichkeiten in den Spieloptionen. Doch beides wird nun auch Stück für Stück vom Publisher angegangen.

Langeweile am oberen Ende

Dass die meisten Teile des Endgames zu Beginn noch fehlen würden, war ebenfalls abzusehen. Man bekommt zum Start eines MMORPG in fremden Gefilden fast immer eine frühe Version aufgespielt, die dann Stück für Stück mit Updates an die aktuelle herangeführt wird. Dass einige Spieler nun schon die Levelgrenze erreicht haben und sich langweilen, ist eher ihrer Ungeduld zuzuschreiben als dem Versagen des Publishers. Angesichts des Versprechens, die Server nicht zu löschen, ist etwas Vorsicht durchaus angebracht. Mit dem Daumen nach unten zeigen, kann man dafür meines Erachtens erst, wenn das Endgame im Spiel ist und nicht wie versprochen funktioniert.

Das Konzept hinter dem Early Access, sollte mittlerweile doch jeder verstanden haben. Bless Online auf den westlichen Markt vorzubereiten, kostet seine Zeit. Und dass eine teure Collector’s Edition diese Zeit nicht verkürzen und diese frühe Version auch nicht substanziell verbessern wird, sollte so selbstverständlich sein, dass ich den Käufern, die jetzt über ihren Verlust jammern sagen kann: Selber schuld! Ich für meinen Teil werde meinen Daumen erst rausholen, wenn Bless Online ein paar Wochen auf dem Buckel hat.

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