Automatisierte Party-Suche, Monster und Instanzen für Solisten, privates Housing - ohne Solo-Inhalte kommt heute kein MMO mehr aus. Und doch arbeiten die Entwickler mit einer solchen Ausrichtung beharrlich an der Zerstörung des Genres. Glaubt zumindest unser Kolumnist, selbst überzeugter Gruppenspieler und erklärter Verfechter alter MMORPG-Tugenden.

“Kann man das auch alleine zocken?”
Eine durchaus legitime Frage eigentlich, die fast jeder von uns schon mal gestellt oder zumindest gehört hat, wenn es um ein MMORPG geht. Und eine Frage, der meist noch eine zweite folgt, nämlich die nach dem hoffentlich nicht vorhandenen PvP, denn wenn man schon solo unterwegs ist, möchte man doch bitteschön auch kein Opfer virtueller Mobbereien werden.

Entsprechend haben die Studios nachgebessert, die fiesen Griefer entfernt, das PvP in eine instanzierte Arena gelegt, die wichtigsten Bosse an Schlafwandler-Skills angepasst und überhaupt das ganze Spiel für Solisten vorbereitet, die dann selbstverständlich auch keine Nachteile hinnehmen möchten, nur weil sie keine Freunde haben.

Komfort hat seinen Preis

Klingt praktisch, ist tatsächlich aber einer der Gründe für die Probleme, in denen das MMO-Genre aktuell steckt. Mit dem Verschwinden von Gefahrenpotential und Gruppeninhalten wurde das gemeine MMO derart versoftet, dass es einem Solo-Game gleicht, mit weit drögerem und repetitiverem Gameplay. Nun kann auch der bekennende Solist begeistert für ein paar Tage in die virtuelle Welt eintauchen, um dann festzustellen, dass er doch lieber wieder Skyrim spielen geht.

Gleichzeitig sitzt der letzte MMORPGler mutterseelenallein auf seinem Teamspeak-Server und fragt sich, wer eigentlich all die Leute im Clan sind, die alle paar Tage mal für eine halbe Stunde einloggen und dann wieder verschwinden, ohne ein Wort verloren zu haben. Clans und Gilden, einst das Herzstück einer MMO-Community, sind nur noch ein Schatten ihrer selbst und ein Spiegelbild des dahinrottenden Genres.

Bildtext: Kultentwickler Mark Jacobs hat genug von Solo-MMOs und entwickelt Camelot Unchained für die Nische und für Spieler, die zu sozialer Interaktion in der Lage sind.

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