Stellt euch vor, es ist Weihnachten und der Wunschzettel ist leer. So ergeht es unserem Kolumnisten in diesem Jahr nicht zum ersten Mal, wenn er auf die Auswahl an Onlinespielen schaut. Die wenigen guten Titel befinden sich längst in der Bibliothek, der Rest ist Schrott oder verwaist. Höchste Zeit, dass die Indie-Schmieden endlich mal liefern.

Schon in den letzten Ausgaben philosophierten wir darüber, warum es sich für unabhängige Studios so schwierig zu gestalten scheint, ihre Projekte zum Abschluss zu bringen. Wider Erwarten sind es dabei seltener technische oder personelle Probleme, die für Dauerbaustellen sorgen, sondern ein grundlegendes, konzeptionelles.

Was kommt danach?

Die Studios sind darauf angewiesen, die Träume der vorab besonders zahlungswilligen Fans so lange wie möglich zu befeuern. Denn nach Release, wenn jeder Interessierte Zugang hat und bei vielen die unvermeidliche Ernüchterung eintritt, werden die Einnahmen einbrechen. Da kann das Spiel auch noch so genial sein. Ist die Katze erst aus dem Sack, geht das laufende Geschäftsmodell nicht mehr auf. Und ein Konzept für die Zeit danach? Fehlanzeige.

Gleich einen Nachfolger zu versprechen und ebenso von der Masse vorfinanzieren zu lassen, könnte auch nur dann funktionieren, wenn schon der erste Titel der absolute Knaller wäre, zudem die Community in Sachen Crowdfunding ziemlich müde geworden ist, weil bislang einfach zu wenig zurückgekommen ist - zumindest aus dem MMORPG-Genre.

Star Citizen - der MMO-Zombie

Chris Roberts ist da eine ebenso seltene wie seltsame Ausnahme. Seine Unterstützer werden nicht müde, weiterhin Geld in die Entwicklung von Star Citizen zu pumpen - mittlerweile 174 Millionen Dollar. Wobei der Clou eigentlich ist, dass viele von ihnen nicht einmal im Sinn haben, das Projekt zu unterstützen.

Diese Zeiten sind längst vorbei. Sie investieren viel eher in der Hoffnung, dass ihnen all die Flieger, Grundstücke und Panzer, die sie für zum Teil irrsinnig viel Geld erwerben, nach Release einen Vorteil bringen. Geschieht das nicht, werden sie sauer sein auf Chris Roberts und Star Citizen zur Hölle wünschen. Bekommen sie ihre Vorteile, wird das Spiel unverzüglich als pay-to-win gebrandmarkt und kann, ähnlich wie beispielsweise ArcheAge, keine echte Community jenseits der Wale aufbauen, die das Spiel noch lange künstlich am Leben halten, ohne dass es tatsächlich lebte.

Ich will Wing Commander sein, keine Raumschiffe kaufen!

Von Chris Roberts erwartet doch niemand, dass er in zwei Jahren ein komplexes Space-MMO-Projekt stemmt und veröffentlicht. Nachdem nun aber fünf Jahre seit der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne ins Land gegangen sind, sollte man doch zumindest erwarten können, dass er Squadron 42, also den Story-Part und inoffiziellen Wing-Commander-Nachfolger endlich mal auf den Weg bringt, den er der Mehrheit der Unterstützer der ersten Stunde damals verkauft hat.

Die Dreharbeiten sind längst abgeschlossen und mit der optimierten Lumberyard-Engine lassen sich im Handumdrehen Missionen für 20 oder 30 Stunden Space-Opera basteln. Selbst Modder schaffen so etwas in ein paar Monaten. Dann könnten die alten Wing-Commander-Asse endlich wieder ihre alten Uniformen schlüpfen und für ein paar hübsche Zwischensequenzen Aliens aus dem All fegen, während Freddy Mercury jeden Kill musikalisch mit ‘Another One Bites the Dust’ untermalt. Wie in alten Zeiten. Wenn das gehörigen Spaß macht, reißen wir Roberts hinterher auch jeden DLC aus der Hand und empfehlen das Spiel weiter, damit die Community weiter wachsen kann.

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Wenn uns dann noch ein strenger, aber charismatischer Kommandant wie Steve ‘Old Man’ Colton, alias Mark Hamill, zu Höchstleistungen anspornt, wie im aktuellen Clip, sind wir auch mit unterdurchschnittlicher CGI-Schauspielerei zufrieden. Das Wing-Commander-Flair reicht uns vollkommen und wenn es für den ersten Story-Satz keine Landgänge oder atemberaubende Gravitations-Spielereien gibt, juckt uns das auch nicht weiter. Aber Chris, ernsthaft, liefere endlich etwas Unterhaltsames ab! Wir sind die Tech-Demos ebenso leid wie den Pferdehandel.

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