Für einige Zeit schien es, als sei die anfängliche Euphorie der Community fürs Crowdfunding komplett verschwunden, das Vertrauen in die Indie-Szene nach einigen Misserfolgen erschüttert. Aktuelle Projekte beweisen jedoch, dass die Spieler durchaus noch Geld für digitale Träume übrig haben. Sie schauen nur viel genauer hin als früher, bevor sie es jemandem anvertrauen.

Nur knapp über zwei Millionen Dollar sammelte Chris Roberts vor viereinhalb Jahren via Kickstarter ein, um damit die beste Space-Simulation zu basteln, die die Welt je gesehen hat. Ein Versprechen, das uns der Erfinder der Wing-Commander-Saga bis heute schuldig geblieben ist, obwohl der Geldregen nicht mit Abschluss der Kickstarter-Kampagne endete. Im Gegenteil - nachdem die Finanzierung gesichert schien, legten die spendierfreudigen Fans erst richtig los, immer schön das nächste erweiterte Ziel vor Augen.

In dieser Hinsicht war Roberts kreativ und in den Köpfen der Fans verbanden sich all die tollen Dinge schon zu einem Gesamtkunstwerk, dem ultimativen Weltraum-MMORPG, einer virtuellen Galaxis mit allen erdenklichen Facetten. Doch die Sache hatte eine Haken: Je mehr Ideen das Team in Spiel packen und irgendwie sinnvoll miteinander verbinden sollte, desto schwieriger wurde das Unterfangen, in desto weitere Ferne rückte die Fertigstellung. Mittlerweile steht der Crowdfunding-Zähler bei stolzen 148 Millionen Dollar. Doch Geld, das weiß man mittlerweile, bringt ein solches Projekt auch nicht schneller voran.

Ashes of Creation - könnte Star Citizen überholen

Dass man jedoch als Indie-Entwickler kaum eine andere Wahl hat, als den Fans immer neue Flöhe ins Ohr zu setzen, zeigt aktuell Ashes of Creation. Dessen Kampagne wird Chris Roberts Kickstarter-Rekord aus 2012 aller Voraussicht nach knacken und nach der zusätzlich erweiterten Unterwasserwelt dann auch ein soziales Gefüge bekommen.

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Durch immer neue Ziele werden also auch bei Ashes of Creation die Erwartungen geschürt, das Projekt bleibt im Gespräch, lockt neue Interessenten an, die weiter investieren. Eine tolle Sache, die allerdings die bekannte Gefahr birgt: Die Entwickler könnten sich mit der Entwicklung verzetteln, denn so einfach und genial, wie sich gewisse Elemente in der Theorie anhören, lassen sie sich kaum in eine virtuelle Welt einweben. Chris Roberts kann ein Lied davon singen.

750.000 Dollar, damit das Marketing in Fahrt kommt

Dazu kommt, dass die frühen Kalkulationen eines Teams selten dem Budget entsprechend, das letztlich nötig sein wird, um das Spiel auch nur annähernd fertigzustellen. Zwei Millionen Dollar Kickstarter-Budget mögen viel erscheinen, allerdings spricht Chefentwickler Steven Sharif schon jetzt von 30 Millionen Dollar, die allein die Fertigstellung eines spielbaren Kerns verschlingen wird. Zusätzliche Finanzierungen oder weitere gewagte Versprechen and die Community werden also nötig sein, wenn Ashes of Creation mit all seinen Features zum Abschluss gebracht werden soll.

Aus der durchaus betörenden Idee, mit Hilfe von hoffnungsvollen Fans aus den finanziellen Startlöchern zu kommen, ist also eine knallharte Kalkulation geworden, bei der sich immer mehr Studios beinahe fahrlässig darauf verlassen, dass die Kassen während der kompletten Entwicklungsphase weiter klingeln. Schlimmer noch: Der Verdacht kommt auf, dass es den Studios gar nicht mehr darum geht, ein Projekt überhaupt abzuschließen, dass sie es bisweilen gar bewusst in die Länge ziehen könnten.

Die bescheidenen 750.000 Dollar, die man auf Kickstarter sammeln möchte, dienen also auch bei Ashes of Creation nur zum Anfüttern und als Mittel, die initiale Aufmerksamkeit zu bekommen. Das mag geschickt und in der Branche notwendig sein, wenn man ein geniales Spiel entwickeln möchte. Vollkommen offen und ehrlich, wie man es sich beim Crowdfunding erhofft, erscheint es auf den ersten Blick jedoch nicht.

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