Nach dem ziemlich erfolgreichen Vorstoß ins Film- und Seriengeschäft wagt Onlinehändler Amazon nun auch den Vorstoß in die Welt der Games und stampft dafür ein Studio nach dem anderen aus dem Boden. Dabei kann man auch nicht sonderlich wählerisch sein, was die neuen Mitarbeiter betrifft. Oder etwa doch?

Zwei Monate ist es nun her, dass John Smedley sein ach so geliebtes Indie-Retro-Projekt Hero’s Song an den Nagel hängte und all jene, die bis dahin Geld dafür bezahlt hatten, vollumfänglich entschädigte. Smedley, so schien es, war verbrannt, denn wer einmal beim Crowdfunding baden geht, ist für gewöhnlich raus aus dem Geschäft, wird das Vertrauen der Community nicht noch einmal gewinnen können.

Plan B

Umso erstaunlicher, so befanden Branchenkritiker damals mehrheitlich, dass Smedley nicht zumindest versuchte, das zugegeben ziemlich miese Game irgendwie auf die Beine zu stellen. Stattdessen warf er mir nichts, dir nichts das Handtuch und schickte die Belegschaft von Pixelmage Games in die Arbeitslosigkeit?

Wiped! - Die MMO-Woche - Amazons Angriff

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Da sind sie ja wieder! Nach zwei Monaten tauchen Smed und sein Team von Pixelmage plötzlich bei Amazon auf.
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Doch die magere Qualität und die dürftigen Aussichten von Hero’s Song waren möglicherweise gar nicht der eigentliche Grund für den schnellen Ausstieg. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Smedley schon längst in Verhandlungen steckte, bei denen Hero’s Song zum Bauernopfer werden musste. Und die Belegschaft? Nun, die ist beinahe vollzählig auf wundersame Weise neu vereint.

Amazon sagt Steam den Kampf an

Unter dem Dach der Amazon Game Studios nämlich, jener Tochter des Onlinehändlers, mit der man Marktführer Steam bei den Games in ähnlicher Weise auf den Pelz rücken möchte, wie Netflix bei den Serien und Filmen. Dafür produziert man aktuell auf Hochtouren und mit mächtigen Budgets gleich mehrere Spiele: Breakaway, eine Mischung aus Rugby und Dota, den Survival-Shooter Crucible sowie das angebliche Sandbox-MMORPG New World.

Und damit nicht genug, denn wie gesagt hat es nun beinahe das komplette Team von Pixelmage Games in die neu eingerichtete Außenstelle der Amazon Games Studios in San Diego verschlagen - natürlich unter der Führung von keinem geringeren als John Smedley. Dessen Pionierarbeit habe, so heißt es aktuell von Amazon, habe das moderne MMO mit erschaffen und sein Einfluss sei in Tausenden Games spürbar. Smedleys Talent, massive Spielwelten mit lebendigen Communitys verschmelzen zu lassen und seine Vision teile man bei Amazon.

Ein neues Projekt also, aller Voraussicht nach mit Amazons starker Engine Lumberyard entwickelt und mit einem Budget ausgestattet, gegen das die für Hero’s Song eingesammelten Gelder wie ein schlechter Scherz klingen dürften. Nach seinem Ausscheiden bei Daybreak, ehemals Sony Online Entertainment, und seinem Scheitern in der Indie-Ecke ist John ‘EverQuest’ Smedley also wieder voll im Geschäft. Doch für Freundesprünge ist es ebenso zu früh wie für harsche Kritik. Wie immer zählt, was am Ende dabei herauskommt. Und bis das Ende ins Sicht kommt werden sicher wieder ein paar Jahre ins Land gehen.

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