Wie in jedem Jahr hatten wir gehofft, das gefürchtete Sommerloch würde ausbleiben. Und wie in jedem Jahr schauen wir enttäuscht auf die große Leere, die alles aufsaugt, was auch nur annähernd unterhaltsam scheint - inklusive unserer Nationalelf. Wie soll es unserem Kolumnisten da gelingen, genügend Stoff für eine MMO-Kolumne zusammenzukratzen?

Es gibt ganz einfach Ecken im Gaming, in die wir so selten schauen, dass uns das Sommerloch eigentlich sogar ganz gelegen kommt. Ecken, in denen sich Publisher tummeln, von denen man für gewöhnlich nichts lesen kann, weil sich die üblichen Verdächtigen vordrängeln, weil sie wegen diverser Verfehlungen keinen sonderlich guten Ruf genießen oder keine große Community hinter sich haben, die einen Hype initiieren könnte. Nexon ist so ein Laden.

Nexon, wer?

Zumindest im Westen stand dieser Publisher bislang ziemlich abseits, im Schatten der Konkurrenten und gab allenfalls mit dem Lobby-MMO Vindictus zeitweise Stoff für ein paar News. Ein typischer B-Publisher aus Asien also, den man bislang auch getrost ignorieren konnte, ohne viel zu verpassen. Und genau dagegen kämpfen die Leute von Nexon jetzt mit aller Kraft an.

Auf sich aufmerksam machte Nexon erst neuerdings wieder durch Riders of Icarus, ein MMO, das sich tapfer gegen das Sommerloch behauptet und das einfach mal ins Release geschickt wird, wenn bei anderen Publishern gerade jeder halbwegs wichtige Mitarbeiter seinen Resturlaub abfeiert. Keine dumme Idee übrigens, wie wir in vergangenen Wiped-Ausgaben schon festgestellt hatten, denn gerade in den Sommerferien wollen Zocker doch unterhalten werden und ärgern sich jedes Jahr aufs Neue, wenn es absolut kein Futter gibt. Doch ist Rider of Icarus überhaupt genießbar?

Riders of Icarus - Aufholjagd der B-Liga

Auf den ersten Blick scheint das MMO durchaus grundsolide, erinnert an eine Mischung aus Aion, TERA und Neverwinter. Als Besonderheiten bietet es berittenen Kampf auf und mit Tieren, die sich zähmen lassen und die ihre eigenen aktiven und passiven Skills haben. Ein wenig Dragon’s Prophet also, nur in besserer Qualität. Selbstredend, dass mit einigen der gezähmten Tiere auch abheben kann - und zwar ohne Schranken, wie sie beispielsweise in Aion existieren.

Entsprechend großzügig ist auch die Welt gestaltet samt der vergleichsweise ordentlich umgesetzten Architektur. Negativ fallen vor allem das etwas ungeschliffene Spielgefühl auf, die typisch generischen Quests und das Pseudo-Action-Kampfsystem, mit dem Nexon erfolglos versucht, eine Gratwanderung zu vollziehen, um es möglichst allen Spielergruppen recht zu machen.

Mit dem Geschäftsmodell kann man überraschenderweise leben, hier hat Nexon tatsächlich auf die Beschwerden der Community gehört. Allerdings sollte sich der zahlungsunwillige Spieler auf ein paar Einschränkungen in Sachen Komfort gefasst machen. Ein AAA-MMO, wir wir es uns in diesen Tagen von der Industrie erhoffen, ist Riders of Icarus also nicht geworden und schon gar nicht die MMO-Erfüllung.

Für manchen ausgehungerten Themepark-Fan ist es jedoch eine Option, um das Sommerloch für ein paar Tage oder Wochen zu stopfen und mit dem einen oder anderen gezähmten Monstrum zu verbringen. Und noch etwas ist Riders of Icarus: ein weiteres Indiz dafür, dass die B-Liga den großen und ausgesprochen trägen Häusern mittlerweile doch spürbar auf den Fersen ist.

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