Es dürfte ein ziemlich erhebender Moment im Leben eines Entwicklers sein, wenn das eigene Projekt auf Kickstarter einschlägt und man endlich mit voller Kraft und ohne finanzielle Sorgen zu Werke gehen kann. Doch das Ende der Kampagne ist erst der Anfang der Entwicklung - und die folgt ab diesem Punkt ganz anderen Regeln als zuvor.

Chronicles of Elyria - die Rechnung ist aufgegangen

Nachdem wir in der letzten Ausgabe bereits darüber spekuliert hatten, dass Chronicles of Elyria wohl genügend Unterstützung auf Kickstarter bekommen würde, um die erhoffte Finanzierung zu stemmen, ging plötzlich alles ganz schnell. Die anvisierten 900.000 Dollar sind beisammen und bei 20 noch verbleibenden Tagen dürfte das vielversprechende Projekt auch noch das eine oder andere erweiterte Ziel erreichen.

Worum es sich dabei genau handelt, wollen die Jungs von den Soulbound Studios bekanntgeben, sobald sie sich ordentlich ausgeschlafen haben. Man hatte nämlich, so heißt es in einer offiziellen Mitteilung, eine ganze Reihe von Features aus dem ursprünglichen Konzept hinter Chronices of Elyria gestrichen, um die Entwicklungskosten möglichst niedrig zu halten.

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In Chronicles of Elyria gehören Altern und Sterben zum virtuellen Leben dazu. Der Tod ist jedoch nicht das Ende, denn Seele, Vermögen und Adelsstand gehen auf den Nachfolger über.
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Bescheidenheit ist eine Tugend

Die Kosten, die man nach allen Kürzungen ermittelt habe, beliefen sich auf eben jene 900.000 Dollar, mit denen man letztlich bei Kickstarter vorstellig wurde. Und da nun mit Sicherheit weit mehr Geld zusammenkommen wird, als ursprünglich gedacht, braucht man sich auch mit weiteren Ideen nicht länger zurückhalten. Die Millionengrenze dürfte binnen weniger Tage erreicht sein und wenn der Geldfluss bis zum Ende der Kampagne nicht abreißt, könnte man am Ende gar verdoppeln.

Wobei die Strategie, vorerst eher kleine Brötchen zu backen, in der Kickstarter-Szene durchaus Schule machen sollte. Nicht wenige Projekte sind nämlich bereits daran gescheitert, dass sie eben nicht knallhart durchkalkuliert wurden und die bisweilen wundervollen Ideen nicht mal ansatzweise im Einklang mit dem Budget gestanden haben. Glaubwürdigkeit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, wenn es darum geht, auf Kickstarter erfolgreich zu sein.

Geldadel inklusive

Wobei mir manche Ideen der Entwickler von Chronicles of Elyria zumindest Sorgen machen. Bei der an sich für ein MMORPG unglaublich wichtigen territorialen Landnahme dürfen sich zum Beispiel jene Spieler zuerst bedienen, die das Projekt mit dem meisten Geld unterstützt haben. Ihnen steht schon vor Release des Spiels zu, sich via App als Könige den größten Teil des Kuchens sichern.

Danach erst dürfen sich die Herzöge dem König ihres Vertrauens unterordnen und die Grafen den Herzögen und so weiter und so fort. Ein Vasallensystem also, bei dem es nicht darum geht, was der Spieler im Laufe seines virtuellen Lebens geleistet oder aufgebaut hat, sondern danach, mit wie viel Geld man sich in Elyria eingekauft hat.

Und wenngleich die Entwickler beteuern, dass für jeden Spieler genügend Land zur Verfügung stünde und die Titel der Adligen nicht auf ewig garantiert sind und mit einem “casus belli”, einer Art berechtigtem Kriegsfall, angefochten werden können, ist es genau diese Art von Vorteilsnahme, mit der ich als Clanspieler und virtueller Eroberer die allergrößten Probleme habe.

Shroud of the Avatar - the American way of MMO

Wobei es hier durchaus eine Art kulturellen Unterschied zwischen Spielern geben zu scheint. Während die Community in Europa mehrheitlich gewisse Probleme mit einer solchen Art von Ungleichheit zwischen investierender und nicht investierender Spielerschaft hat, scheint man sich in Asien und mittlerweile auch in den USA mindestens damit abgefunden, wenn nicht gar angefreundet zu haben, dass die virtuelle Welt, genau wie die reale, nun einmal nicht fair ist und das Geld regiert.

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In vielen MMORPGs werden Burgen erobert - in Shroud of the Avatar kann man sie kaufen - für einen vierstelligen Betrag.
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Ein weiteres Beispiel dafür ist Shroud of the Avatar, Richard Garriotts Indie-Projekt, an dem ich eigentlich allergrößtes Interesse hatte, bis der Altmeister dazu übergegangen ist, virtuellen Grund und Boden zu Preisen zu verschachern, die jenseits dessen liegen, was ich in meinem Leben zusammengerechnet in Computerspiele investiert habe.

Doch die Rechnung scheint für die Entwickler trotzdem aufzugehen. 8,8 Millionen Dollar hat man mittlerweile beisammen, obwohl Shroud of the Avatar noch in der Entwicklung ist. Insgesamt zählt Garriott 176.000 “New Britannians” - genug auf jeden Fall, um das MMO dauerhaft zu einer lukrativen Angelegenheit zu machen. Und wenn man noch ein paar Dollar extra machen möchte, singt und tanzt man einfach noch mal im Stream und sammelt mal eben so weitere 67.000 Dollar ein.

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