Autor: Martin Schnelle

Diese Flugsimulation steht vom Scheitel bis zur Sohle in der Tradition ihrer beiden Vorgänger »Project One: Strike Fighters« und »Wings over Vietnam«: In gut modellierten Flugzeugen kämpft Ihr auf NATO-Seite gegen nicht ganz so schön aussehenden Bösewichter.

Das Terrain sieht schon seit Jahren gleich öde aus, die Missionstypen unterscheiden sich kaum, der Schwierigkeitsgrad ist stark anpassbar. Mit anderen Worten: Wem die älteren Spiele schon gefallen haben, der könnte auch hier sein Freude haben. Aber sehen wir uns das mal im Detail an.

Schicke Flieger
Wenn wir schon von gut modellierten Fliegern sprechen: Was haben wir denn da? Da wäre die Hawker »Hunter«, ein Abfangjäger mit Bodenangriffskapazitäten, dann der legendäre »Harrier«, bis dato der einzige Düsenjäger, der auch senkrecht starten und landen kann. Was ihm in diesem Spiel aber gar nichts nützt, da er immer von gut ausgebauten Basen startet.

Wings over Europe - Über den Wolken: wo die Freiheit grenzenlos und der Rest ziemlich öde ist...

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Laut US-Luftdoktrin sollten Dogfights keine große Rolle mehr spielen - wir belehren sie eines Besseren!
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Der Rest der fliegerischen Hardware stammt aus US-Produktion: etwa die F-100 »Super Sabre«, die F-105 »Thunderchief« und die F-15, das wohl modernste Flugzeug im Arsenal. Neueren Datums ist auch die A-10 »Thunderbolt II«, der wohl bekannteste und hässlichste Bodenangreifer, auch bekannt als »Warzenschwein«.

Die gleichen Missionen wie immer
Alle Missionstypen entsprechen dem bekannten Muster. Ihr säubert einen bestimmten Teil des Luftraums, fliegt Begleitschutz, versenkt Schiffe, bombardiert Bodenziele und unterstützt befreundete Maschinen, die ebenfalls diese Ziele vor Augen haben. Wir werfen den Designern dabei nicht vor, dass die Einsätze diesen Schemata gehorchen - das tun alle modernen Flugsimulationen. Allerdings könnte es auch mal ein paar geskriptete Ereignisse oder andere Höhepunkte geben.

Der Schwierigkeitsgrad ist dabei weit gestreckt. Natürlich könnt ihr alle Flugoptionen auf realistisch schalten - dann fliegen die Maschinen aber nicht mehr so leicht durch Kurven. Außerdem werdet ihr feststellen, dass die Radaranlagen gar nicht so einfach zu bedienen sind. Vor allem wenn euch schon die gegnerischen Raketen um die Ohren fliegen und der Gegner sich rasend schnell nähert.

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In vielen Missionen euer Alter Ego: die Phantom II.
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Hinzu kommt die kurze Einsatzdauer: Wer es mag, hebt erst von der Basis ab, fliegt alle Wegpunkte an, absolviert den Einsatz und kehrt dann wieder zurück. Ungeduldige Naturen starten gleich am Einsatzort und verlassen ihn, sobald die Mission erfüllt ist. Was teilweise in unter 60 Sekunden erledigt ist.

Der Himmel über Deutschland
Alle drei Kampagnen finden in Deutschland statt, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten, was natürlich die verfügbaren Flugzeuge und Waffen beeinflusst. 1961 entbrennt aus der Kubakrise der Dritte Weltkrieg, allerdings ohne Atomwaffen. 1968 hat der sowjetische Einmarsch in die Tschechoslowakei den gleichen Effekt, ebenso der verlorene Vietnamkrieg im Jahre 1979. In jeder Situation versuchen die Sowjets, Deutschland zu überrennen.

Jetzt noch eingestellt, ob die Kampagne 15, 30 oder 45 Missionen haben soll und ob die Menge der Waffen und Flugzeuge (und somit der Nachschub) unbegrenzt ist oder nicht, und schon geht's los. Die Missionen sind halbdynamisch, was bedeutet, dass das Ergebnis der vorherigen die nachfolgende beeinflusst, die zudem auch Zufallselemente vorzuweisen hat. Im Großen und Ganzen ist der Ablauf aber vorgegeben.

Im Westen nichts Neues
Ja, ich weiß, ich wollte diese Zwischenüberschrift nicht mehr verwenden, aber hier passt es so gut, ihr wisst schon: West-Deutschland und kaum Neues im Spiel.

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"Rocket Racer"? Nee, "Wings over Europe".
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Also: Bis auf die neuen Flugzeuge tut sich eigentlich kaum was zum Vorgänger. Was will ich denn eigentlich? Ein West-Deutschland, das auch so aussieht. Gelände mit wenigstens ein paar Details. »FS 2002«-Niveau darf es schon sein. Die Missionen sollten nicht so generisch sein. Ein paar vorgegebene Ereignisse würden dazu führen, dass man vom Geschehen deutlich mehr gepackt wird.

Zumindest das Szenario habe ich eher selten gesehen, zumal die Kampagnen ja auch recht spezifisch auf die Zeit abgestimmt sind. Wie schon oben gesagt: Wem die Vorgänger gefallen haben, wird auch hier passend bedient.
Aber für die Zukunft wollen wir doch eine deutlich leistungsfähigere Grafikengine, und der klassische Top-Gun-Gitarrenrock könnte auch mal aufpoliert werden.