Fliegen war schon immer ein Traum des Menschen. Und seit es die elektronische Unterhaltung in Form von Computerspielen gibt, haben Flugsims stets einen zwar kleinen, dafür aber beständigen Teil der Zocker in ihren Bann geschlagen.

Die meisten der Fliegespiele, abgesehen natürlich von Microsofts Flugsimulator und einigen weiteren friedlichen Simulationen, sind allerdings militärisch ausgerichtet. Einen komplett anderen Weg dagegen geht »Wing Island« aus dem Hause Nintendo. Ganz ohne Bomben und schmissige Luftkämpfe gilt es hier, in bester Comicmanier mit tierischen Piloten in bunten Doppeldeckern Aufgaben zu lösen, um die Wette zu fliegen und akrobatische Einlagen abzuliefern. Und das macht sogar Spaß!

Flieg, Vöglein, flieg!
Auf Wing Island herrscht ein buntes Treiben. Die Insel ist bewohnt von intelligenten Vögeln, die ihre Zeit mit allerlei lustigem Tun verbringen und ansonsten das sonnige Leben genießen. In dieser Welt lebt Sparrow Wing Jr., ein putzmunteres Vögelchen, das sich darauf spezialisiert hat, mit seinem Doppeldeckerflugzeug diverse Geschäfte zu betreiben. Egal ob es gilt, einen Waldbrand zu löschen, Güter zu transportieren, verschwundene Viecher aufzuspüren oder gegen andere Piloten im Wettflug anzutreten - Sparrow übernimmt jeden Auftrag und verdient sich auf diese Weise nach und nach eine goldene Nase.

Wing Island - Frei wie ein Vogel: Auf dieser Insel seid ihr bestimmt nicht Lost...

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Flugente im Fadenkreuz? Keine Sorge: Wing Island ist friedlich.
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Und weil die meisten Dinge im Leben bekanntermaßen in Gesellschaft mehr Spaß machen als allein, hat der gute Sparrow Jr. einige Kollegen, die ihm in ihren Kisten zur Seite stehen. Crane, Swan, Hawk und Owl bilden zusammen mit Junior ein Geschwader, das in diversen Missionen zum Einsatz kommt. Zwar gibt es auch Einzelaufgaben für Freund Vogel, die teamorientierten Jobs überwiegen allerdings bei weitem.

Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Bewältigung der gestellten Aufgaben ist der richtige Einsatz der unterschiedlichen Geschwaderformationen, die aus fünf quietschigen Doppeldeckern bestehen. So empfiehlt sich beispielsweise bei einem Waldbrand eine Pfeilformation, um ein möglichst breites Gebiet mit Wasser zu besprühen. Eine Reihe von Ballons bringt man am besten mit einer Kreuzformation zum Platzen, da die Maschinen hierbei umeinander rotieren können und so mehrere Ballons gleichzeitig erwischen. Enge Felsvorsprünge durchquert man dagegen zwanglos in einer langen Reihe, damit keines der liebenswerten Schnabeltiere an einer Felswand aufgeraucht wird. Denn unkaputtbar sind die Flugzeuge nicht.

Zwar können sie einige Rempler ab, berührt man jedoch mehrfach den Boden oder ein Hindernis, heißt es schnell »Game over« für den betreffenden Doppeldecker. Wichtig ist es daher, während des Fluges durch eine entsprechende Bewegung mit der Wii-Mote blitzschnell von einer in die nächste Formation zu wechseln, um auf die veränderten Gegebenheiten zu reagieren.

Fallen ein oder mehrere Flugzeuge aus, kann man die Mission zwar immer noch gewinnen, doch zum einen ist man aufgrund der knapp bemessenen Zeitvorgaben, unter denen die Aufgaben gelöst werden müssen, oft auf alle Maschinchen angewiesen, zum anderen kostet die anschließende Reparatur einer Bruchmühle Geld.

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Doppeldecker in vierfacher Ausfertigung.
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Immerhin wurde auch an die Bedürfnisse von Waldorfschülern gedacht, denn man braucht sich um das Leben abgestürzter Piloten keine Gedanken zu machen. »Wing Island« ist ein friedliches Spiel. Dazu gehört auch, dass im Falle eines Crashes der Insasse unversehrt bleibt. Und wer auf mögliche virtuelle Verluste in den eigenen Reihen betrübt reagiert, der kann auf Wunsch die Mission zu jedem Zeitpunkt abbrechen und neu beginnen. So macht Versagen Spaß!

Flugschule
»Wing Island« ist ein arcadeorientes Spiel. So beginnen die Missionen immer schon in der Luft, Starts und Landungen spielen keine Rolle. Im Mittelpunkt steht auch nicht die richtige Flugtechnik, sondern die Akrobatik. Es gilt stets, in der vorgegebenen Zeit durch geschicktes Manövrieren, gutes Augenmaß und schnelle Reaktion eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Oder anders ausgedrückt: Bei »Wing Island« handelt es sich eher um ein Geschicklichkeitsspiel als um eine Flugsim.

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Blau, blau, blau blüht der Ozean...
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Die Steuerung nutzt die Vorteile der bewegungssensitiven Wii-Mote gut aus und ermöglicht präzises Manövrieren. Kippen nach links oder rechts lässt das Flugzeug in die entsprechende Richtung gleiten, neigen nach oben oder unten führt zum Steig- beziehungsweise Sinkflug. Ein kurzer Druck auf das Steuerkreuz lässt die Maschine beschleunigen oder abbremsen, und den Nachbrenner zündet man durch schnelles Nach-Vorn-Bewegen des Controllers, während Gegenschub durch ruckartiges Nach-hinten-Ziehen erreicht wird. Eine Kehrtwende um 180 Grad vollziehen die Maschinen durch kurzes Schütteln der Wii-Mote nach links oder rechts.

Fracht, Löschwasser oder was auch immer wird mit der B-Taste über dem Zielgebiet ausgeklinkt, und ein Druck auf den A-Button führt in Verbindung mit schnellen Bewegungen des Controllers zu einem Wechsel der Formation. Gesteuert wird grundsätzlich Sparrows Flugzeug, die anderen folgen automatisch. Das Programm kann sowohl allein mit dem Controller als auch in Kombination mit dem Nunchuk gespielt werden. Schließt man den kleinen Hilfsprügel an, kann man mithilfe des Analogsticks den Blickwinkel verändern, was bei Zielanflügen durchaus von Vorteil sein kann. Im Zweispieler-Modus mutiert das Nintendo-Ei hingegen zum zweiten Controller und gibt dem Zocker so die volle Kontrolle über seine Flugzeuge. Das ist nett, denn auf diese Weise können auch Besitzer einer Wii, die nur über eine Fernbedienung nebst Sidekick verfügen, zu zweit daddeln.

Schüttelreime
Neben dem oben beschriebenen Story-Modus bietet »Wing Island« noch einige weitere Möglichkeiten. So kann man sich in diversen Wettbewerben versuchen, bei denen man beispielsweise innerhalb einer vorgegebenen Zeit durch heftiges Schütteln und schnelle Flugmanöver möglichst viele Ballons zum Platzen bringen muss. Je besser man sich dabei anstellt, desto höher fällt die eingeheimste Punktzahl aus. Nett ist auch die Luftballonjagd, bei der zwei Flieger einen Rattenschwanz von bunten Ballons hinter sich herziehen und versuchen müssen, beim Gegner mit akrobatischen Einlagen möglichst viele der Teile zum Zerplatzen zu bringen. Wer keinen menschlichen Kontrahenten hat, kann auch gegen einen CPU-Flieger antreten.

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Selbst Flieger stehen mal im Stau.
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Insgesamt drei Hauptinseln sind im Verlaufe der Handlung zu erforschen und nacheinander freizuspielen. Inseln, auf denen man die Aufgaben bereits gelöst hat, können danach im freien Spiel nach persönlichem Gusto und ohne Zeitbegrenzung überflogen werden. Das macht zwar eine Weile Laune, wird aber irgendwann langweilig und lohnt sich in erster Linie nur, um neue Flugmanöver zu trainieren oder Bereiche zu entdecken, die man während der Aufgabenbewältigung übersehen hat.

Gewonnene Kohle steckt man im Hangar in Tuningteile oder neue Flugzeuge. Je nach Beschaffenheit der zu lösenden Aufgabe kann man später so aus einem Fundus unterschiedlicher Propellermaschinen schöpfen. Auch das Aufbohren der Mühlen macht Sinn. Dabei kann man das Gewicht der Flugmöhren verringern lassen sowie Wendigkeit und Geschwindigkeit verbessern. Besonders bei Missionen mit verwinkelten Flugrouten sind die Upgrades dringend angeraten, da man sonst schnell an einer vorwitzigen Felswand oder ähnlichem Ungemach landet. Da man auch bereits erfolgreich absolvierte Aufgaben beliebig oft wiederholen darf, stellt der Kohlenachschub nicht wirklich ein Problem dar. Wer also auf ein bestimmtes Upgrade sparen will, um eine knifflige Aufgabe lösen zu können, fliegt einfach seine schon bestandene Lieblingsmission ein paar Mal hintereinander und kommt so zu dem nötigen Kleingeld.

Technisch präsentiert sich »Wing Island« Wii-gewohnt unaufgeregt, aber ordentlich. Die Grafik ist knuddelig, farbenfroh und kommt ganz im Comicstil daher. Soundtechnisch sieht es leider nicht ganz so erfreulich aus, denn neben dem nintendotypischen Gebrabbel, das die Figuren in einigen Zwischensequenzen von sich geben, ist es Essig mit Sprachausgabe. Stattdessen werden die wegklickbaren Dialoge als gut übersetzte Texte präsentiert.

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Eure Teamkameraden folgen auf Schritt und Tritt.
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Die Hintergrundmusik ist angemessen gewählt, allerdings auf Dauer ein wenig eintönig, weshalb insbesondere ungeduldige Naturen wie der Autor dieser Zeilen die Lala wohl ziemlich schnell abschalten werden. Wer sich an solchen Kleinigkeiten allerdings nicht stört, den erwartet mit »Wing Island« ein erfrischend spritziges Spiel, das ganz und gar auf die Wii zugeschnitten ist. Bitte mehr davon!