Autor: Marco Rinne

Vista-Nutzer können aufatmen. Am 4. Februar beendete der Windows Produkt-Manager Mike Nash, das Rätselraten und bestätigt: „Wir haben das finale Service Pack in die Produktion gegeben“. Jetzt ist Vista reif für neue Hardware-Standards. Das Microsoft-System soll sicherer und zuverlässiger werden, Strom sparen und seine Aufgaben schneller erledigen als bisher.

Hört sich gut an. Doch hält das SP1, was Microsoft verspricht? Wir stellen das große Update für Windows Vista auf den Prüfstand. Die wesentlichen Änderungen durch das Service Pack erfolgen unter der Oberfläche. Aber auch darüber bringt das SP1 viel Neues für den Anwender.

Befreiung der Desktop-Suche

Suchdienstleister Google hatte eine kartellrechtliche Beschwerde eingereicht und bessere Verträglichkeit von Vista-Suchdienst und Googles eigener Desktop-Suche gefordert. Microsoft reagierte mit einem offiziellen Dokument und setzt die Forderungen mit SP1 um. Die direkte Verknüpfung mit der Windows-Suche ist aus dem Startmenü verschwunden. In der Systemsteuerung („Standardprogramme und Protokolle“) legt der Anwender den Suchanbieter seiner Wahl jetzt selbst fest.

Windows Vista - Microsoft setzt nach: Wir sagen, was das Service Pack 1 wirklich bringt.

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Defragmentieren: Jetzt mit Laufwerksauswahl.
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Einfacheres Defragmentieren: Um eine Festplatte gezielt aufzuräumen, mussten Anwender bisher die Eingabeaufforderung bemühen. Eine manuelle Laufwerksauswahl war in der spärlichen Grafikoberfläche des Windows-Defragmenters nicht vorgesehen. Vista SP1 macht Nutzern hier das Leben einfacher. Ein Klick auf „Volumes auswählen“ genügt und Vista defragmentiert die Platte eurer Wahl.

BitLocker-Laufwerksverschlüsselung: Wer mit einer Vista-Ultimate oder Enterprise-Version werkelt, darf jetzt auch bei der BitLocker-Laufwerksverschlüsselung mitreden. Zusätzlich zur Systempartition könnt ihr weitere Laufwerke zur Verschlüsselung angeben und Dokumente mit Hilfe eines TPM-Chips, USB-Sticks oder einer PIN verschlüsseln. Mit Vista SP1 bekommt BitLocker dafür neue Verschlüsselungsverfahren und arbeitet insgesamt flinker.

Schneller funken, neue Treiber

Mit installiertem Service Pack unterstützt Vista den aktuellen IEEE-Entwurf zum 802.11n-Standard für Funknetzwerke. Die meisten Treiber werden zwar auch weiterhin individuell über Windows Update ausgeliefert. Die wichtigsten Treiber für gängige Grafik- und Audio-Hardware bringt das Service Pack aber bereits mit. Mehr Power für Games: DirectX 10.1: Microsoft spendiert seiner Grafikschnittstelle ein Update und führt mit dem Service Pack Direct3D 10.1 ein. Das sorgt für Kompatibilität zu aktueller Grafikhardware und ermöglicht realistischere Spiele.

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Media Center Extender: Service Pack stellt Kompatibilität zu neuen Geräten sicher.
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Unterstützt Media Center Extender: Mit dem Service Pack sollen Anwender neben der Xbox auch Geräte anderer Hersteller als Media Center Extender verwenden können. Mit solchen Extendern bringen Sie Filme vom Rechner auf den Fernseher oder verteilen Musik im ganzen Haus. Der Fokus soll auf neuen Fernsehern und Netzwerk-fähigen DVD-Spielern liegen.

Vista hängt, stürzt ab oder will einfach nicht aus dem Ruhezustand erwachen. Das Service Pack verspricht Besserung. Die meiste Arbeit hat Microsoft in die Zuverlässigkeit und Stabilität von Vista investiert. Das Service Pack kommt dafür mit allen bisher erschienen Updates. Die zahlreichen Patches und Hotfixes benötigen zusammen fast 540 MByte. Nur etwa 65 MByte davon entfallen auf komplett neue Features.

Viele der Wehwehchen, die Microsoft im vergangenen Jahr über die Fehlerberichterstattung eingesammelt hat, sollen behoben sein. Unter anderem die Probleme im Zusammenhang mit Vistas Ruhezustand, dem Windows Kalender, dem Windows Media Player und bekannte Treiberprobleme. Außerdem soll Vista mit SP1 Datenverlust beim Abstöpseln von NTFS-Medien verhindern.

Sicherheit neu aufgelegt

Microsoft hat mit Service Pack 1 den Kernel-Schutz "PatchGuard" überarbeitet. Anbieter von Sicherheitslösungen, allen voran Symantec und McAfee, hatten sich beschwert, der Guard verhindere die Umsetzung grundlegender Sicherheitsmaßnahmen. Programmierer erhalten jetzt eine Reihe von Schnittstellen (APIs), die die Kommunikation von Kernel und Sicherheits-Software auf 64-Bit-Systemen ermöglichen, ohne die Patch Protection aushebeln zu müssen.

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Sicherheits-Center: Nur signierte Software darf mit dem Center reden.
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Neben den Verbesserungen an BitLocker will Microsoft auch die Sicherheit im Zusammenspiel mit Remote-Anwendungen verbessern. Terminal-Dienste, die über Microsofts Remote Desktop Protocol (RDP) kommunizieren, können dazu ab sofort digital signiert werden. Außerdem will Microsoft die Vertrauenswürdigkeit des Vista-Sicherheitscenters verbessern: Bislang genügte das Setzen von Registrierungsschlüsseln, damit das Center Status Grün meldet. Jetzt muss die Sicherheitssoftware zusätzlich signiert sein, um mit Vistas Sicherheitscenter kommunizieren zu dürfen.

Service Pack spart Strom

Auch wenn das Hauptaugenmerk auf der Zuverlässigkeits- und Leistungssteigerung von Vista liegt, kommt das Service Pack mit einer Hand voll kleinerer Updates, die künftig beim Stromsparen helfen sollen. Dies gelingt, indem Microsft den Prozessor vor unnötigem Aufwachen bewahrt; etwa wenn die Anzeige sich nicht ändert. Ein Problem im Zusammenhang mit dem Video-Chipsatz (Vsynch interrupt), das den Rechner nicht schlafen ließ, soll ebenfalls behoben sein.

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Mit der finalen Version des Service Pack 1 können User auch alternative Desktop-Suchmaschinen in Vista integrieren.
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Schließlich hat Microsoft ein bekanntes Problem behoben, das dafür sorgte, dass die Festplatte nicht aufhörte sich zu drehen. Schneller starten, schneller kopieren, schneller entpacken: Microsoft verspricht ordentliche Leistungsboni mit dem SP1. Wir haben nachgemessen. Die Uhr haben wir gleichzeitig mit einem Druck auf den Power-Knopf des Rechners gestartet und solange laufen lassen, bis die Systemauslastung (dauerhaft) unter 5 Prozent lag.

Das Ergebnis: Die Bootzeit von Vista mit SP1 sinkt nach der fünften Messung deutlich - von maximal 65 auf unter 45 Sekunden. Nach zehn Messungen pendelt sich der Wert auf niedrige 40 Sekunden ein. Im Mittel benötigt Vista mit installiertem Service Pack auf unserem Test-System dann nur 41,5 Sekunden bis das System einsatzbereit ist; 30 Prozent weniger als Vista ohne Service Pack.

Auch beim Herunterfahren hat Vista SP1 auf unserem Test-System die Nase vorn. Die Ergebnisse fallen hier aber weniger deutlich aus: Im Vergleich zu einem mit allen Updates bestückten Vista fährt ein SP1-Vista rund 11 Prozent schneller herunter.

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Vista startet mit dem Service Pack in unserem Test deutlich schneller.
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Microsoft verspricht: Mit dem Service Pack arbeitet man schneller mit Windows ZIP-Archiven. Im Test haben wir knapp 700 MByte typische Nutzer-Daten, bestehend aus Musik-Dateien, Filmen, Bildern und Office-Dokumenten, ein- und wieder ausgepackt. Bei der Kompression benötigt Vista mit und ohne Service Pack dafür etwa dieselbe Zeit. Beim Auspacken ist unser Test-System mit Service Pack 1 aber deutlich schneller: 62 statt 109 Sekunden.

Ein ganzes Arsenal kleiner Updates soll Kopiervorgänge mit Vista SP1 beschleunigen. Die meisten Verbesserungen betreffen den Datentausch mit Netzwerk-Rechnern. Hier mag Microsoft mit dem Service Pack zwar auch einen Leistungsbonus herauskitzeln. Bei der für viele Anwender relevanten lokalen Kopie bleiben unsere Test-Ergebnisse jedoch bescheiden.

Wer häufig große Dateien von einer externen Festplatte kopiert oder große Dateien lokal verschiebt, stellt auch mit installiertem Service Pack kaum einen Leistungsschub fest. Da tröstet es auch nicht, dass die voraussichtlich noch verbleibende Kopierzeit jetzt innerhalb weniger Sekunden berechnet und genauer angezeigt wird.

3DMark06 und PCMark Vantage

Zusätzlich haben wir die Systemleistung mit den Futuremark-Programmen 3DMark06 und PCMark Vantage ermittelt. Der Gaming-Benchmark erbrachte auf allen Systemen etwa das gleiche Resultat: Mit 224 Punkten liegt Vista SP1 knapp hinter dem Ur-Vista mit 227 Punkten.

Auch beim PCMark Vantage zieht Vista SP1 insgesamt den Kürzeren. Dennoch gibt es bemerkenswerte Ergebnisse: Bei der Wiedergabe von hochauflösenden MPEG2-Filme liefert das SP1 einen deutlichen Leistungsbonus. Außerdem zeigt sich das Service Pack bei der Kryptografie leistungsstärker.

Fazit: Ein insgesamt positiver Eindruck

Insgesamt sorgt das erste Service Pack für mehr Stabilität und erfreuliche Verbesserungen bei der Sicherheit. Aber: Microsoft hätte vor allem bei den nervigen Bestätigungsdialogen der sinnvollen Benutzerkontensteuerung noch konsequenter ausmisten können.

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Das Service Pack kommt: Bis bitte März soll das Update für Vista narrensicher sein.
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Sicher dürft ihr vom Update keine Quantensprünge bei der Leistung erwarten. Für die Aufnahme neuer Technologien und Standards in Vista wird es aber höchste Zeit. Auch für den harmonischen Parallel-Einsatz von Vista und Windows Server 2008 wurde gesorgt. Bleibt nur zu hoffen, dass Microsoft diesmal alles richtig macht. Schließlich bleiben noch einige Wochen, um die wartenden Nutzer im Zweifelsfall durch zwischengeschobene Updates mit einem soliden Service Pack zu versorgen.

Noch gilt: Finger weg vom Service Pack

Microsoft versichert zwar den finalen Status des Service Packs. Für den Anwender lautet die klare Empfehlung aber: Weiterhin abwarten und das Service Pack nicht über einen Trick schon jetzt installieren. Zwar lassen sich bestehende Treiber-Probleme mit dem Service Pack durch eine erneute Installation der Treiber in fast allen Fällen beseitigen. Wer sein System aber zur produktiven Arbeit nutzt, sollte die Finger von der uns vorliegenden RTM-Version lassen.

Der Anwender soll das SP1 ab Mitte März via Download oder ab Mitte April über die automatischen Updates erhalten. Bis dahin müssen bestehende Treiber-Probleme beseitigt, fehlende Hilfetexte ins Service Pack integriert und bei einigen Anwendungen nachträglich für Kompatibilität gesorgt werden; etwa bei den Sicherheitsprogrammen von BitDefender und ZoneAlarm. Ein überhasteter Release könnte den bereits angekratzten Ruf von Microsofts System da zusätzlich schaden.