Als Abschlussprojekt eines Studenten einer Münchner Hochschule für Mediadesign begonnen, mauserte sich Windchaser zu einem vollwertigen Verkaufsspiel, das noch dazu mit einem außergewöhnlichen Genremix daherkommt. Das Entwicklerteam Chimera Entertainment verspricht ein Potpourri aus Echtzeittaktik, Strategie und einem Hauch von Rollenspielelementen, verknüpft mit einer eindringlichen Story im Endzeitstimmungs-Szenario.

Die Spannung ist groß - gelingt den sechs Medienstudenten ein Wahnsinnscoup in der Videospielwelt? Kann Windchaser seine Versprechungen halten? Unser Test klärt die Fronten.

Windchaser - Atmosphäre Trailer

Story: Die desaströsen Auswirkungen des Weltenbrandes

Seit dem großen Ahnenkrieg vor 600 Jahren lebt die Bevölkerung der Welt Ensai in einem stetigen Überlebenskampf, hinterließ der verheerende Weltenbrand seine Spuren doch bis in die heutige Zeit – die Ozeane sind verdampft, die Vegetation durch die Überreste der damaligen technischen Errungenschaften geprägt und zu allem Überfluss treiben erbarmungslose Wächter aus der Vorderzeit noch ihr Unwesen.

Windchaser - Studentenprojekt wird zum Vollpreistitel: Lohnt sich der Kauf?

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Die Landschaftsgrafik kann sich sehen lassen.
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Zudem steckt die Bevölkerung seit mehreren Jahrhunderten in einem Konflikt zwischen den protestantischen und orthodoxen Anhängern der Zweifaltigkeit. Mittendrin steckt euer Hauptcharakter Ioan, der sich zu mehr als nur einem einfachen Bauern berufen fühlt. Ioan beginnt die Welt zu erkunden und schließt sich einer Gilde an, die in imposanten Flugschiffen umherzieht – in Ioans Fall ist es die „Windchaser“, welche sich zum zentralen Spielelement entwickelt. Schnell stellt sich heraus, dass unser tapferer Held von einer höheren Macht auserkoren wurde, um den Verlauf der Geschichte zu ändern. Mit auf seiner Seite kämpfen die pflichtbewussten Gildenmitglieder Caine und die hübsche Shara.

Die Geschichte von Ioan und seinen Begleitern entwickelt sich dann auch zu einem der größten Pluspunkte von Windchaser. Dank der lebhaften und natürlichen Erzählweise schafft es das Game wie kaum ein anderes, eine äußerst fesselnde Spielwelt zu kreieren. Auch die Charaktere überzeugen durch ein starkes Persönlichkeitsprofil mit menschlichen Werten und einer bewegenden Gefühlsdarstellung.

Packshot zu WindchaserWindchaserErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Setzt die Segel, wir fliegen los!

Windchaser verzichtet komplett auf Basisbau – dafür steht euch allerdings das prachtvolle Flugschiff zur Verfügung. Es dient euch als Fortbewegungsmittel, Rekrutierungsstelle, Lazarett und Frachtschiff. Darüber hinaus verfügt es über vier weitere Ausbaustufen, die im Verlauf des Spiels durch Ruhmpunkte freigeschaltet werden. Ruhmpunkte verdient ihr euch durch das Lösen von Haupt- und Nebenquests. Jedes Upgrade schaltet außerdem einen eigenen Fertigkeitsbaum frei, den ihr ebenfalls durch Ruhmpunkte ausbauen könnt.

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Jetzt gehts lo-hos!
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So seid ihr mit dem Mechanicum-Update in der Lage, verborgene Schätze aus Ruinen auszuheben oder könnt mit dem Arborium-Update gefundene Pflanzen verarbeiten und Tiere aufziehen. Die Upgrades sind gut ins Spielgeschehen eingebunden und der Ausbau der Fertigkeiten bietet ausreichend taktisches Potenzial. Ärgerlich sind dagegen die hakelige Bedienung und das etwas unübersichtliche geratene Upgrade-Interface.

Schere, Stein, Papier meets Windchaser

In Windchaser werden die besonderen Fähigkeiten und Attribute nicht durch unterschiedliche Rassen, sondern über die verschiedenen Kampfstile jeder einzelnen Einheit definiert. Die drei Kampfstile „Chaos“, „Disziplin“ und „Konzentration“ unterliegen dabei einem einfachen Schere-Stein-Papier Prinzip, sodass folglich jeder Stil einem über- und dem anderen wiederum unterlegen ist.

Tolle Story und Atmosphäre – leider macht Windchaser beim Gameplay zu viele Fehler. RTS-Fans können dennoch einen Blick riskieren!Fazit lesen

Mit welchem Kampfstil ihr gegen eine Gegnertruppe antretet, definiert ihr durch den zuvor gewählten Anführer eurer Gruppe. Anfangs steht euch davon nur eine zur Verfügung, im späteren Verlauf des Spiels hingegen könnt ihr bis zu vier unabhängige Gruppen besitzen, die ihr nach Belieben mit euren Hauptcharakteren und Rekruten besetzten könnt. Gruppen agieren stets als Ganzes, einzelne Mitglieder könnt ihr nicht separat steuern. Jedes Team kann sich vor dem Kampf zudem mit einem Ausrüstungsgegenstand und einem Trank unterschiedlicher Wirkungen ausrüsten.

„Taktik pur“ – oder eher „viel Wind um Nichts?“

Welche Position und welcher Stil euer Kämpfer in der Gruppe besitzt, kann ausschlaggebend für den Verlauf des Kampfes sein. So verfügt jeder Anführer über einen bestimmten passiven Bonus, der auf die ganze Gruppe wirkt. Abhängig vom aktiven Kampfstil füllt sich während des Gefechts die jeweilige Manareserve, welche für das Auslösen von aktiven Fähigkeiten benötigt wird. Zeitgleich sinken dabei die Manavorräte der verbleibenden zwei Kampfstile.

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Das Interface ist teilweise etwas unübersichtlich.
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Der korrekte Einsatz der verschiedenen Kampfstile während einer Partie bildet das taktische Kern-Feature von Windchaser: Das Auslösen von Zaubern muss gut getimt werden, um Zauber anderer Kampfstile schnell hinterherschicken zu können, bevor das Mana wieder dem Hauptstil zufließt. Außerdem müssen bestimmte Gegnertypen mit dem für sie angemessenen Kampfstil „bearbeitet“ werden. So ist der Spieler angehalten, vor jedem Kampf seine Einheitengruppen möglichst perfekt aufeinander abzustimmen und sich Gedanken über die Kombinierbarkeit verschiedener Talente zu machen.

Klingt gut, erwies sich im Test aber als wenig praktikabel: Das häufige Hin und Herschalten zwischen den unterschiedlichen Kampfstilen erzeugt eher Frust statt taktsicher Tiefe, da es immer wieder vorkommt, dass gewisse Zauber und Fähigkeiten genau dann nicht zur Verfügung stehen, wenn man sie am dringendsten benötigen würde. Oftmals ist es daher sinnvoller, Gruppen nur eines einzigen Typs zusammenzustellen – was den eigentlichen Zweck des Kampfsystems wiederum ad absurdum führt. Hinzu kommt, dass sich die ideale Einheitenzusammenstellung für ein bestimmtes Szenario häufig erst nach mehreren Anläufen herausstellt.

Ärgerliche Fauxpas im Rollenspielpart

Eingefleischte Rollenspielfans werden bezüglich der Charakterentwicklung und der Fähigkeitenauswahl etwas ins Schmunzeln kommen. Die drei Hauptcharaktere können zwar allesamt im Level aufsteigen, neue Fähigkeiten hingegen lernen sie nicht, sodass während des ganzen Spiels nur zwei in die Wiege gelegten Fertigkeiten zur Verfügung stehen - allein der Stärke-, Verteidigungs- und Stilwert steigen beim zähen Level-Up.

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Unsere drei Helden beim gemütlichen Plausch.
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Rekruten (Einheiten) dagegen verfügen über einen Pool von ungefähr 30 Fertigkeiten – die Hälfte davon wirkt allerdings nur passiv als Anführer. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der Fähigkeiten sich nur marginal voneinander unterscheiden bzw. lediglich dem entsprechendem Kampfstil angepasst wurden. Zudem können mühsam ausgebildete Einheiten nicht in die nächste Mission mitgenommen werden – schade.

Der Schwierigkeitsgrad bei Windchaser ist zudem alles andere als einsteigerfreundlich – selbst erprobte Gamer werden ordentlich zu knabbern haben. Insbesondere in den ersten zwei Szenarien stirbt man mindestens genauso oft, wie es Gegnertruppen gibt – doch anstelle eines „Sie wurden besiegt“- Screens kriechen die Gefährten im Schneckentempo zur Windchaser zurück, in der sie wieder vollständig geheilt werden.

Atemberaubende Endzeitstimmung wie im Kinofilm

Windchaser ist den derzeitigen Top-Titeln grafisch zwar nicht ebenbürtig, allerdings weiß der außergewöhnliche Mix aus Technikruinen und Fantasy-Landschaften durchaus zu gefallen. Besonders imposant sind die zerstörten Bauten und die tiefen Felsschluchten, aus denen zahlreiche Metallpfeiler aus der Vorderzeit herausragen. Im Kontrast dazu stehen mittelalterlich angehauchten Gebäude, sich im Wind wiegende Kornfelder und zahlreiche exotische Pflanzen.

Vor allem das Flugschiff lädt nach jedem Upgrade zum Staunen ein, kann man doch auf ihr die neuen Produktionsstätten auch optisch wahrnehmen – so bekommt die Windchaser beim „Arborium-Upgrade“ z.B. einen kleine idyllische Naturplattform inklusive eines Wasserbrunnens spendiert. Trotz der im Wind wiegenden Segel bewegt sich die Windchaser allerdings leider nur sehr träge durch die Luft.

Die Hintergrundmusik passt sich dem Geschehen unaufdringlich an, sodass man in Wäldern Vögel zwitschern hört und in Städten das laute Getöse der Bewohner wahrnimmt. Ein besonderer Ohrenschmaus sind die vertonten Dialoge, die sich in ihrer Qualität nicht vor aktuellen Titeln verstecken müssen - im Zusammenspiel mit den gelungenen Zwischensequenzen tragen diese enorm zur Atmosphäre des Spiels bei.