Nun ist es endlich so weit: Die nächste Konsolengeneration beginnt mit der Einführung der Wii U. Ab heute schwingen alle wieder fröhlich Wiimote und frönen der N-Sippe aus Japan. Oder nicht? Wirklich sicher kann niemand sein, denn trotz moderner Komponenten und eines Touchscreen-Controllers namens „GamePad“ kann Nintendos Wii-U-Konsole ihre Kaufargumente noch nicht vollends vermitteln. Mitunter bleibt die Frage offen, mit welcher Kundschaft sie überhaupt liebäugelt.

Nintendos Wii war ein voller Erfolg, doch ging ihr bei der Core-Kundschaft die Puste aus. Eine neue Hardware, die sowohl Casual-Gamer als auch die „Core“-Zielgruppe ansprechen will, soll es richten.

Zwei Dinge müssen für Nintendos erhoffte Spielrevolution ausreichen: hochaufgelöste Grafik in bis zu 1080p und der brandneue, „GamePad“ genannte Controller samt eingelassenem Touchscreen. Alles andere scheint unwichtig. Selbst die Pläne der Konkurrenz. Zumindest in Nintendos Augen, denn Hardware-Eigenschaften und allgemeine Grafikpower wurden nie mit handfesten Daten untermauert. Selbst jetzt, da der schlicht gehaltene Kasten in den Verkaufsregalen steht, bleibt Nintendo schweigsam.

Welches Modell darf es sein?

Gemäß der Philosophie „Spielspaß vor Technik“ setzt BigN lieber auf Inhalte und klassische Kassenschlager. Der erste Schlag an der Kasse trifft euch bei der Auswahl des Grundsystems, denn selten waren die Optionen bei einem Konsolenstart derart unausgewogen. Für 299 Euro gibt es gerade mal die nackte Konsole in Weiß, mit mickrigem 8-GB-Flash-Speicher, dem Controller, den nötigen Kabeln und einem feuchten Händedruck.

Wii U - Hot oder Schrott? Nintendos neue Konsole im Test

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Auf den ersten Blick wirkt Nintendos neue Kiste nicht viel größer als die alte Wii. Alle alten Steuerungsgeräte sind kompatibel.
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Legt ihr 50 Lappen mehr auf den Tisch, landet ihr bei 349 Euro (UVP) und werdet mit Extras zugeworfen. 32 Gigabyte interner Speicher, ein Spiel (Nintendo Land) sowie allerhand Ständer und Plastikgedöns liegen dem Paket bei. Weitere 50 Euro Startkapital verwandeln Nintendo Land in Ubisofts ZombiU und einen zusätzlichen „Pro-Controller“.

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Angesichts der fest verplanten 5 GB, die sich das Betriebssystem unter den Nagel reißt, wirken 8 GB interner Speicher in der „kleinen“ Fassung wie ein schlechter Witz. Reicht gerade mal, um das neue Super Mario aus dem Online-Store zu saugen, dann platzt die Kiste schon aus allen Nähten. Selbst 32 Gigabyte in der schwarz gehaltenen „großen“ Ausführung regen keineswegs zum Jubeln an. Nicht umsonst fahren die Konkurrenten Xbox 360 und PS3 Festplatten jenseits der 250-GB-Grenze auf. In diese Rechnung sollte man jedoch miteinbeziehen, dass Wii U bisher keine Installation von Disc-Spielen erlaubt. Somit ist der Bedarf geringer.

Abhilfe gegen Speichermangel schaffen externe Festplatten mit bis zu zwei Terabyte, die an den vier USB-Ports (zwei vorne unter der Klappe, zwei hinten) Zugang finden. Aber seid gewarnt: Mobile Festplatten werden komplett für Wii-U-Daten formatiert und sind an PCs unbrauchbar. Gleiches gilt für schnellen USB-Flash-Speicher. Nintendo warnt vor dem Gebrauch langsamerer USB-Sticks, da sie den Zugriff auf die Daten erschweren und die Konsole aufhalten können. Verhält sich ähnlich wie bei der Xbox 360. Des Weiteren steht ein Flash-Karten-Slot bereit.

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Den Pro-Controller gibt es derzeit entweder einzeln oder im ZombiU-Bundle.
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Anderweitig spart Nintendo mit Schnittstellen. Auf dem Rücken der Konsole findet ihr den gleichen Multi-out-Port wie an der wie Wii und einen HDMI-Port. Beide ermöglichen die Ausgabe der Grafik in bis zu 1080p. Besteht ihr auf Raumklang, so bleibt euch als einzige Option die Umleitung der Audiodaten über euren Fernseher. Kein optischer Anschluss weit und breit. Übrig bleiben Netzanschluss und die obligatorische Schnittstelle für die altbekannte Wii-Sensorleiste.

Besitzer des Vorgängermodells können übrigens alles wie gehabt stehenlassen, denn Wii-U akzeptiert die Sensorenleiste der Wii, ebenso wie alle alten Controller, vom Balance-Board bis zur Rock-Band-Gitarre. Wiimotion Plus setzt die Maschine als Standard für die klassische Fernbedienung voraus, egal ob fest verbaut oder als Ansteckmodul. Besitzt ihr noch keine Wiimote (inklusive Upgrade), wird dies mit hoher Wahrscheinlichkeit die erste Peripherie sein, die ihr nachkauft, denn viele Spiele benötigen sie für den Multiplayer-Anteil.

Einen Satz Nunchuck-Erweiterungen nicht vergessen! Betreibt ihr ein kabelbasiertes Netzwerk ohne Wifi, kommt übrigens ein weiterer Kostenfaktor zur Erstanschaffung dazu, nämlich der Netzwerkkabel-Adapter via USB. Ist das gleiche Modell wie bei der alten Wii.

An die Glotze mit der Kiste

Der Anschluss der Wii-U verlangt ein ähnliches Setup wie beim Vorgängermodell. Die Sensorleiste gehört mittig über den Fernseher oder darunter, Videokabel und Netzteil ran, schon geht es los. Ohne Mii läuft nun gar nichts mehr, denn es definiert euer festes Benutzerkonto. Zwölf Benutzer können eingetragen werden, inklusive eigener Spielstände und Nutzerdaten.

Achievements gibt es bei Nintendo zwar nicht systemübergreifend, doch bleibt Software-Anbietern die Einrichtung spielinterner Belohnungssysteme als Option offen. Wii U listet lediglich, welche Spiele ihr schon in Augenschein nahmt.

Solltet ihr von der alten Wii umsteigen, steht noch ein wenig Arbeit bevor. Bereits bestehende Miis eurer Vorgängerkonsole importiert ihr inklusive gekaufter Spiele per Flash-Karte. Ein vorab eingerichtetes Programm führt euch durch den Prozess. Ist nicht kompliziert, dauert nur ein Weilchen und löscht nebenbei sämtliche Inhalte von eurer alten Wii. Alternativ kopiert ihr Miis von eurem 3DS. Funktioniert kabellos und innerhalb weniger Sekunden.

Dass feste Accounts zum Standard werden, ist löblich, denn dadurch sind umständliche Freundescodes in Online-Sessions endlich passe. Jeder Nutzer registriert einen eindeutigen Namen samt zugehörigem Online-Profil. Wollt ihr Freunde für Online-Sitzungen und Chats anmelden, so gebt ihr schlicht deren Namen ein.

Allgemein fällt die Bedienung der Maschine sehr simpel aus. Für dieses Jahrhundert womöglich ein wenig zu simpel. Sämtliche Eingaben können sowohl über den Touchscreen des GamePads als auch über eine Wiimote vollzogen werden. Ersteres ist nicht nur übersichtlicher, sondern auch zugänglicher. Da der Touchscreen nicht fähig ist, mehr als einen Finger (oder alternativ einen Stylus) zu erkennen, könnt ihr euch Steuerungsgesten und ähnliches abschminken. Nintendo setzt auf leicht verständliche Knopfdruckkommandos in sehr altbackener, Wii-ähnlicher Umgebung.

Wenn's sein muss. Aber warum sind alle Menüs so schlafmützig nichtssagend gestaltet? Applikationskacheln mit „TV-Rundungen“, ewiges Scrollen, Textgrößen, die Tante Frida mit ihrem grauen Star ohne Brille entziffert.

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Von Effekthascherei hält Nintendo nicht viel. Die Japaner pflegen in den Menüs weiterhin den leicht muffigen Tennissockencharme der alten Wii.
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So stylish wie eine Sockenschublade

Vergleicht das doch mal mit der Konkurrenz. Xbox 360: Synthie-Inferno mit crispen Höhen und Flash-Stil-Intro, danach große, aber immerhin stylische dynamische Kacheln. PlayStation 3: Ein orchestrales Audiobad in weiten Frequenzen, danach ein etwas überladenes, aber fein gezeichnetes HD-Menü vor sanften Farbübergängen. Da macht bereits das Einschalten der Daddelkiste Spaß.

Dann Nintendo: Ein Wii-U-Logo auf weißem Grund, anschließend Tennissockencharme, der selbst die Packungen europäischer Master-System-Spiele übertrifft. Hallo Nintendo, das ist 'ne HD-Hardware. Selbst wenn es unbedingt Textgröße 428 und klinisches Weißgrau sein muss, warum dann nicht wenigsten stilvoll eingebettet, sodass jeder sofort nach dem Einschalten den technischen Sprung erkennt?

Nicht nur die Optik scheint altbacken. Auch anfängliche Ladezeiten vor jedem Spiel und Übergänge zwischen diversen Menüs zuppeln heftig am Geduldsfaden. Rund eine halbe Minute müsst ihr euch für jeden Vorgang gedulden, sofern es nicht um einfache Grundoptionen der Konsole geht.

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Am schlimmsten ist der Übergang zum „alten“ Wii-Menü, denn Wii-U ist zwar abwärtskompatibel, gewährt diesen Service jedoch nicht als automatische Option. Zum Abspielen alter Titel aktiviert ihr quasi eine Wii innerhalb der Wii U. Habt ihr Lust auf ein HD-Spiel, verlasst ihr den Wii-Modus wieder. Beim Wechsel zwischen den Modi kann die Konsole auch mal abstürzen, wie die Erfahrung zeigt.

Hier darf Nintendo gerne optimieren. Dass die Wii U Systemüberholungen per Online-Update unterstützt, beweist sie augenblicklich nach der ersten Verbindung mit dem Internet. Es erwartet euch umgehend ein Klopper-Update. An dieser Stelle hat Nintendo gelernt, auch wenn es traurig stimmt, den letzten standhaften Anbieter „komplett fertiger Spiele“ nachgeben zu sehen. Beinahe jedes Startspiel erhält einen Day-One-Patch.

Der neue Controller

Der „GamePad“ getaufte neue Controller samt Touchscreen ist essenzieller Bestandteil der Wii U und kein optionales Steuerungsgerät. Schaltet ihr die Konsole ein, erwacht auch das Gamepad zum Leben und zeigt dasselbe Menü, das auf dem TV zu sehen ist.

Vorausgesetzt, es verfügt über genügend Saft. In unserem Probelauf hielt der Akku bei voller Beleuchtung und voll aufgedrehten Lautsprechern etwa dreieinhalb Stunden. Dreht man beides auf die unterste Stufe herunter (Lichtstufe 1 von 5, kein Ton), sind sogar mehr als fünf Stunden drin, doch dann erkennt man überhaupt nichts.

Da der Touchscreen selbst auf Maximum nicht gerade die hellste Leuchte darstellt, dürfte Stufe 4 in normalen Räumen zum Standard werden. Den Lautstärkeregler drehen dagegen nur Schwerhörige auf Anschlag. Sonst unterhält Marios Gedudel selbst Unbeteiligte im Nebenzimmer. Aufladen während des Spielens klappt reibungslos, allerdings ausschließlich durch einen externes Netzteil, das nach einer eigenen Steckdose lechzt. Eine alternative USB-Lösung wäre gerne gesehen.

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Wii U kann mit zwei GamePads arbeiten. Bisher unterstützen Spiele nur eines davon, plus bis zu vier Wiimotes.
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Apropos Nebenzimmer: Ein Großteil des Energiehungers dürfte in der kabellosen Übertragung der Audio- und Videodaten an das GamePad zu finden sein. Die Empfangsreichweite ist außerordentlich hoch. Selbst nach etwa zwölf Metern brach das Signal nicht ab – mehr konnten wir aufgrund unserer Räumlichkeiten nicht messen. Einer Zockrunde im Kinozimmer steht somit nichts im Wege.

Wer von Mario-Sitzungen auf dem WC träumt, wird trotzdem enttäuscht, denn das Signal durchdringt nicht einmal dünne Wände. Bild und Ton geraten schon gelegentlich ins Stottern, wenn zwei Unbeteiligte zwischen Konsole und Empfangsgerät stehen.

Grundsätzlich hält Nintendo alle Versprechen. Eingaben über Face-Buttons, Touchscreen und Gyrosensoren setzt die Konsole ohne spürbare Verzögerung um. Bild- und Tondaten des Touchscreens laufen ebenfalls synchron. Solltet ihr eine Verzögerung feststellen, liegt sie an der digitalen Nachbearbeitung eures Fernsehers.

Keine Analogtrigger?

Trotz seines klobigen Erscheinungsbildes und der weit auseinanderliegenden Bedienelemente liegt das GamePad angenehm in der Hand. Alle vier Feuerknöpfe, beide Reihen der Schultertasten, Optionsschalter, Steuerkreuz und Analogsticks liegen in bequemer Reichweite. Umgewöhnung verlangt höchstens die vertauschte Stellung der rechten Seite.

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Auf der Oberseite des Controllers findet ihr eine Kopfhörerbuchse, den Laustärkeregler und die Buchse für das Netzteil.
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Auf dem GamePad der Wii U liegen beide Analogsticks (inklusive der darunterliegenden Druckknöpfe) nebeneinander, während Face-Buttons und Steuerkreuz auf gleicher Höhe verweilen. Hat man aber schnell inne, zumal die neue Position des rechten Analogsticks natürlicher wirkt.

Alles so weit prima. Aber was dem Controller leider schmerzlich abgeht, sind analoge Schultertasten. Die kann man nicht immer mit Touchscreen-Firlefanz ersetzten. Schon gar nicht bei ernstzunehmenden Rennspielen. Welch ein unnötiger Lapsus bei so einem Multitalent von Eingabegerät. Eigentlich noch schlimmer als die Beschränkung auf Single-Touch-Eingaben.

Niemand zweifelt an Nintendos Kreativität in Bezug auf Eingabemethoden. Aber das Fehlen von Analogtriggern kann ein Nachteil bei Multiplattformtiteln werden, der Core-Gamer trotz Wii-U unter dem Fernseher zu einer anderen Version greifen lässt. Klar, das kann man natürlich umdrehen und mit dem Touchscreen argumentieren. Funktioniert nur leider nicht bei allen Genres, zumal bisher nur ein einzelnes „GamePad“ im Verbund mit bis zu vier einfachen Wiimotes Verwendung findet.

Im Gegenzug hätte Nintendo auf die Fernbedienungsfunktion für den Fernseher verzichten können. Ein bequemes Extra, keine Frage, aber ebenso unnötig wie die kleine Fläche für Near Field Communication. Wie viel Nutzen kann das schon bringen?

Grafik und Klang

Kommen wir zur Praxis. Was bringt Wii U auf die Mattscheibe? Oder besser gesagt: auf beide Mattscheiben. Auf dem 6,2 Zoll großen und in 854 x 480 Pixeln aufgelösten Gamepad-Screen sieht man nicht selten eine alternative Ansicht der Hauptgrafik. Somit rendert Wii U Spielwelt und Sound gleich zweimal. Ein wichtiger Fakt im Vergleich mit der Leistung anderer Konsolen.

Die Ausgabe über HDMI ist sehr scharf und farbkräftig, egal ob in SD-Auflösung, in 720p, 1080i oder 1080p. Via Komponentenkabel nehmen Schärfe und Farbkraft durch die analoge Übertragung ein wenig ab, aber auch mit diesem Anschluss genießt ihr bis zu 1080 progressive Zeilen. Davon profitieren insbesondere alte Wii-Spiele.

Wii U skaliert das Bild der alten Spiele in jede Auflösung hoch, verbessert deren Qualität jedoch nur marginal. Statt sie in höherer Auflösung zu rendern, bettet Nintendos neue Hardware die Originalauflösung des Wii-Spiels per Pixelwiederholung in die Auflösung eures Fernsehers ein. Polygonkanten werden dadurch nicht feiner, schwemmen aber auch nicht auf wie bei der bisher nötigen Interpolation durch den HDTV.

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Die Starttitel, vor allem ZombiU (hier im Bild), zeigen noch nicht, was technisch möglich sein sollte - Texturen sehen bescheiden aus.
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Bei den neuen Spielen fällt das Urteil zur audiovisuellen Präsentation leider ein wenig enttäuschend aus. Alles, was in zweidimensionaler Ansicht daherkommt, glänzt in prachtvollen Farben. Rayman wird klasse, New Super Mario Bros. U macht auch einen guten Eindruck. Aber im 3D-Sektor haben viele Nintendo-Fans mehr erwartet.

ZombiU mag oberflächlich das Niveau üblicher Xbox-360- und PS3-Titel erreichen, im Detail trüben aber einige furchtbar grobe Texturen die Freude. Am Arbeitsspeicher kann es wohl kaum liegen, der ist den alternden Kisten von Microsoft und Sony weit überlegen, sowohl bei der Zugriffszeit als auch in seiner Größe. Unter der Haube tickt eine moderne Grafikkarte mit DX-10-Unterstützung. An der Kapazität des Renderers liegt es also auch nicht. Vielleicht ist die Arbeitsgeschwindigkeit der Chips niedrig, wer weiß. Im besten Fall hatte Ubisoft ein paar Startschwierigkeiten.

Solche Symptome sollte man im Auge behalten, denn genaue Daten zur Hardware rückt Nintendo nicht heraus und andere Startspiele – vornehmlich Umsetzungen – übertreffen ihre Konkurrenzsysteme bisher keineswegs. Das neue Call of Duty sieht vergleichbar aus, leidet aber unter Einbrüchen in der Bildrate. Batman und Fifa 13 verfehlen knapp das bisher gewohnte Niveau. Bei den Kollegen von CNET behauptete Reggie Fils-Aime neulich das Gegenteil.

Warum nur, Reggie? Selbst wenn seine Behauptung stimmte, ginge es nur um den Vorteil eines Jahres. Schon 2013 um diese Jahreszeit wird entweder Microsoft oder Sony eine Hardware präsentieren, die Wii U aller Wahrscheinlichkeit nach weit übertrumpft. Wem will er denn etwas vormachen?

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Irgendjemand erlaubte sich vor einiger Zeit einen üblen, üblen Scherz. Wer von euch kann mit dem Start-Line-up vor Augen darüber lachen?
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Schon das Startaufgebot zeigt ganz klar, dass Nintendo zweigleisig fährt. Sonst wäre Nintendo Land keine überzuckerte Dreingabe und New Super Mario Bros. U kein (richtig guter) Aufguss. Eine gefährliche Taktik.

Selbstverständlich werden Programmierer mit der Zeit lernen, die vorhandene Hardware besser auszunutzen, aber ob die Basis ausreicht, um verschreckte Konsolen-Cracks zurück zu Nintendo zu locken, ist schwer abzuschätzen. Bisher verspricht Wii U eher eine Casual-Marke zu bleiben. Beliebt bei Gelegenheitsspielern, die nun mehr Zugang zu Core-Games bekommen, aber je nach Entwicklung des Marktes womöglich ein ähnliches Schicksal erfahren wie mit der alten Wii.

Eine Entwicklung, die Nintendo durch bahnbrechende Spielkonzepte bekämpfen könnte. Durch Kniffe, die nur der GamePad-Controler zustandebringt. Bisher lockt er zwar mit vielen brauchbaren Eingabemethoden, aber keiner „Revolution“, die nicht schon auf dem Nintendo DS Einzug gehalten hätte. Big N ist weiterhin am Zug, Microsoft und Sony können dem ersten Eindruck nach vorerst aufatmen.

Nintendos Facebook-Ersatz

Aber nur vorerst, denn Nintendo ist nicht dumm. Ähnlich wie beim 3DS könnten Firmware-Updates versteckte Reserven freigeben. Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher (davon die Hälfte für Spiele nutzbar) wirken für ein anfänglich derart tiefstapelndes System mächtig überdimensioniert, was unseren Verdacht erhärtet. Außerdem bleibt offen, wie Sony und Microsoft auf den Bildschirm-Controller reagieren werden. Ein spannendes Jahr steht uns bevor.

Nintendos Fortschritt in der Online-Anbindung ist schon jetzt zu erkennen. Games on Demand warten auf Online-Käufer mit großen Festplatten, eine Demo-Sektion schmückt den E-Shop und DLC-Erweiterungen stehen in den Startlöchern. Alle gekauften Inhalte koppelt Big N an eure neue Online-ID, die ihr bei eventuellen Schäden an eurer Spielekiste per Web-Übertragung auf eine andere Konsole transferiert.

Ganz wichtig: Sämtliche Online-Dienste sind kostenlos – inklusive Online-Partien. Nintendo zielt somit auf einen ähnlichen Standard ab wie bei Sonys PlayStation 3 und setzt dabei auf die Auslagerung von Diensten. Wii-U-Online-IDs gehören zu einem Netzwerk, das Fremdanbieter mitnutzen dürfen. Eine direkte Einbindung von Steam oder Origin wäre denkbar. Sehr wahrscheinlich bezieht sich diese Regelung auch auf Spielserver, die von Drittherstellern eigenständig verwaltet werden.

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Videochat per Tablet ist möglich, aber das Laden des Programms ist noch sehr langsam.
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Obwohl weder GamePad noch der Xbox-360-ähnliche Pro-Controller über einen Headset-Eingang verfügen, kommen Chat-Sessions durchaus in Frage. Auf dem GamePad verrichten eine Kamera und ein Mikrofon tadellos ihren Dienst. Schon jetzt sind Videochats außerhalb des Spielbetriebs möglich. Ob spielinterne Kommunikationsmöglichkeiten genutzt werden, hängt von den Spieleherstellern ab.

Bekommt man einen Videocall, wird das angezeigt, aber das Laden des Programms dauert so laaaange, dass der andere mit großer Wahrscheinlichkeit wieder auflegt, bis man rangehen kann.

Kontaktfreudige finden von Anfang an viel Platz zum Austoben. Etwa in der vorinstallierten Miiverse-App, die man als Nintendo-Facebook betrachten kann. Innerhalb vordefinierter Themenkanäle unterhaltet ihr euch mit anderen Spielern oder hinterlasst kleine Zeichnungen, die ihr zuvor auf dem Touchscreen einkritzelt. Einen „Like-Button“ (hier +Yeah genannt) fällt augenblicklich ins Auge und macht die Parallele perfekt.

Fazit

Nintendo fährt zweigleisig. Einerseits soll Wii U ein Update der Wii sein und möglichst viele alte Kunden zum Umstieg überreden. HD-Auflösung und der neue Touchscreen-Controller geben zumindest ansatzweise genug Anreiz dafür, auch wenn der Einstiegspreis von 300 bis 400 Euro (je nach Bundle) für Casuals ziemlich happig wirkt.

Der Fummelbildschirm funktioniert wie versprochen und erweitert die Möglichkeiten, aber so universell wie die Fernbedienung der alten Wii ist er nicht. Oma Gretel lockt Nintendo damit kein zweites Mal an die Kasse. Immerhin: Willige Umsteiger nehmen all ihre alten Steuerungsgeräte mit und genießen alte Wii-Spiele in minimal schärferer Darstellung.

Core-Gamer dürften mit den neuen Steuerungsmethoden, dem modernen Joypad-Layout und den verbesserten Online-Funktionalitäten durchaus zufrieden sein, sofern man von den fehlenden Analogtriggern absieht. Ein paar Core-Spiele stehen ebenfalls in den Startlöchern. Beinahe alles wäre fein, wenn Nintendo nur nicht so sehr mit der Grafikkraft knauserte. Bisher erreicht Wii U mit Müh und Not das Niveau der alternden HD-Konsolen von Sony und Microsoft. Steigerungspotenzial besteht, aber ob diese Grundlage wirklich reicht, um Technikverliebte von der nächsten Xbox oder PlayStation fernzuhalten, bleibt abzuwarten. Hoffentlich hat Nintendo noch ein As im Ärmel.

Andererseits, will Nintendo denn wirklich diese Kundschaft einfangen? Menüs mit Tennissockencharme und Beilagen wie „Nintendo Land“ sprechen nicht dafür. Dem Angebot an Startspielen fehlt ein echter Knaller, ebenso wie wie Spiele, die den neuen Controller unverzichtbar machen. ZombiU kann die Last nicht alleine stemmen. Wii U hat Potenzial, keine Frage. Speziell in der Grauzone zwischen Casual und Core, denn Gelegenheitsspieler werden mit der Zeit versierter und anspruchsvoller. Ein optimaler Konsolenstart sieht trotzdem anders aus.

Nintendo hat nur ein Jahr Zeit für eine erfolgreiche Positionierung auf dem Next-Gen-Markt. Spätestens dann wird die Konkurrenz ihre Geschütze auffahren. Eine Preissenkung wird irgendwann folgen (wenn sie nicht schon früher eintritt, siehe 3DS). Für mit der Anschaffung liebäugelnde Nintendo-Fans könnte sich ein wenig Geduld auszahlen.

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