Die Realität mit der virtuellen Welt verschmelzen lassen - Diesen Traum verfolgen Menschen, seit es Computer gibt. Filme wie Tron, Der Rasenmähermann und Matrix geben uns einen guten Eindruck davon, wie Virtual Reality aussehen kann. Auch Spiele thematisieren bereits die Realität von Morgen, so zum Beispiel „.hack“ und „Star Ocean 2“, in dem die Protagonisten Teil eines „Virtual Reality MMORPGs“ sind.

Zwar sind wir noch weit davon entfernt, Realität und Virtualität glaubwürdig miteinander zu verschmelzen, doch die ersten Schritte werden bereits gemacht. Dank Googles neuem Handy-Betriebssystem Android will das „W2Pi Studio“ Handy-Besitzern mit ihrer Software „Wifi Army“ ermöglichen, First Person Shooter in der realen Welt zu spielen. Dazu orten sich registrierte Spieler mit GPS und schießen dann per Handykamera aufeinander.

Egal ob Einkaufscenter, öffentlicher Platz oder sogar Schulhof, WiFi Army soll die Welt in ein großes Schlachtfeld verwandeln. Wie genau das funktioniert und ob es sich dabei nur um einen schlechten Scherz handelt, klären wir in unserem Special.

Bitte lächeln!

In Wifi Army schlüpft der Spieler in keine virtuelle Rolle - das Spiel findet in der realen Welt statt. Alles, was dafür benötigt wird, ist eine Registrierung auf der Wifi Army Homepage , ein so genanntes Google Phone (kurz: GPhone) und eine Handykamera. Bei der Registrierung legt jeder Spieler, zur klaren Identifikation, ein Foto von sich an. Nähern sich zwei angemeldete Spieler auf 100 Meter Entfernung, wird vom System eine Art Herausforderung an beide Spieler versand.

WiFi Army - Mit dem Handy auf der Jagd nach Headshots

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Die Reallife-Duellanten orten sich gegenseitig via GPS.
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Nehmen beide Parteien die Herausforderung an, wird das Bild des potentiellen Gegners an das Handy des jeweils anderen geschickt. Die Jagd beginnt! Die Kontrahenten orten sich per GPS und machen die eindeutige Lage des Widersachers mit Google Maps aus. Kommen sie auf (Kamera-)Schussweite aneinander heran, gewinnt derjenige, der zuerst ein Foto des Gegners schießen kann.

Ein deutliches Foto des Kopfes kommt dabei einem „Headshot“ gleich, ein Bild des Körpers entspricht einem Körpertreffer. Das Bild muss, damit es auch die begehrten Spielpunkte gibt, auf den Server von WiFi Army hoch geladen und ausgewertet werden. Wie dieses Punktesystem genau funktionieren wird, ist leider noch nicht bekannt. Eine Beta-Phase sei in Planung. Dann dürfen sich bis zu 500 Spieler pro Stadt registrieren.

Cowboy und Indianer

Mit dem ungewöhnlichen Konzept werden Einkaufszentren, öffentliche Plätze oder sogar Schulhöfe zu Kriegsschauplätzen der erweiterten Realität von WiFi Army. Da ist der Ärger schon vorprogrammiert: Verfolgungsjagden in Gebäuden, Rangeleien auf Schulhöfen oder übereifrige Spieler, die den Spaß zu weit treiben, liegen dem Projekt schon lange vor Release als mögliche Steine des Anstoßes im Weg.

WiFi Army - Mit dem Handy auf der Jagd nach Headshots

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Wird WiFi Army die Gewaltdebatte weiter anheizen?
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Gerade in Deutschland, wo die Killerspieldebatte einen neuen Höhepunkt erreicht hat, wird WiFi Army polarisieren. Die einen werden eine großartige Gelegenheit sehen, dem mitunter langweilig gewordenen Spielalltag zu entkommen. Andere dürften hingegen mit berechtigter Besorgnis und Vorurteilen argumentieren.

Zwar können die Entwickler von W2Ip mit Altersbeschränkungen die Gefahr von Eskalationen eindämmen, doch noch lange nicht bannen. Ein in die Ecke geworfener Controller schadet niemandem. Doch in einer Situation, wo sich Gewinner und Verlierer direkt gegenüberstehen, kann niemand für Unversehrtheit garantieren. Das kennt man ja bereits vom Sport.

Technologie von Morgen

Wifi Army wird nur mit einem speziellen „Google GPhone“ funktionieren. Unklar ist derzeit, ob damit eine neuartige Hardware gemeint ist oder nur ein herkömmliches Handy, das auf eine bestimmte Weise konfiguriert ist: Denn mit dem angekündigten, von Google entwickelten Mobile-Betriebssystem „Android“ wird jedes mobile Telefon zum potentiellen Google Phone. Über dieses grassieren bisher nur Gerüchte und Spekulationen im Internet. Auf Youtube.com zum Beispiel wird das Telefon von Morgen in gefälschten Videos gezeigt. Fakt ist: Ein offizielles GPhone gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Mit ersten Modellen sei laut einem GPhone-Blog erst Mitte 2008 zu rechnen.

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Im Internet finden sich gefälschte Fotos des GPhone.
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Die Software ist ihrer Hardware also einen Schritt voraus. Schlicht ein Beweis für die Fortschrittlichkeit von Wifi Army oder ein Indiz dafür, dass es sich dabei um einen großen Medien-Coup handelt? Es wird jedenfalls im Rahmen eines von Google ausgerufenen Wettbewerbs bereits kräftig entwickelt, auch, wenn es noch keine offiziellen Geräte gibt. Über die Echtheit von Wifi Army kann also noch keine sichere Aussage getroffen werden.

Ein großes Problem, das WiFi Army für seine Hardware mit sich bringen würde, wäre die benötigte Internetverbindung. Die müsste nämlich nicht nur schnell sein, sondern auch über einen längeren Zeitraum hinweg aufrecht erhalten werden. Ferner wird GPS und eine gute Handykamera vorausgesetzt, was den Preis und die Betriebskosten für ein solches Gerät deutlich steigen ließe. Damit dürfte WiFi Army für seine Kern-Zielgruppe unbezahlbar werden. Ebenfalls problematisch: Spieler mit besserem Kamera-Zoom dürften auf der Jagd nach Foto-Abschüssen einen unfairen Vorteil gegenüber ihren Gegnern haben.

W2Ip Studios und World of WarCraft

Über die W2Ip Studios kursieren einige Gerüchte im Internet, welche die Echtheit des von ihnen entwickelten Handygames weiter unglaubwürdig erscheinen lassen. So hat sich zum Beispiel heraus gestellt, dass die W2Ip Studios ein Projekt von Comedian Peter Whatanitch sind. Dieser ist vor allem durch seine YouTube-Videos bekannt geworden, in denen er unter anderem die Spielsucht seines Bruders auf humoristische Weise dokumentiert. Am bekanntesten dürfte das Video sein, in dem Peter 24 Stunden am Stück World of WarCraft spielt .

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Die Homepage von WiFi Army: alles nur ein Riesen-Fake?
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Als WiFi Army in den Medien bekannt wurde, ließ Peter Whatanitch übrigens den Wikipedia-Eintrag zu W2Ip entfernen. Doch dank des Google Cache kann man noch auf den Artikel zugreifen, was Peter Whatanitch als Betreiber entlarvt. Es wird vermutet, dass er dies tat, um den Medien die Recherche zu seiner Firma zu erschweren. Entweder das, oder seine Vorgeschichte war ihm im Zuge anstehender Popularität peinlich geworden.

In dem Wikipedia-Eintrag erfährt man über die W2Ip-Studios, sie wären ein Projekt für mehrere freie Entwickler. Diese arbeiten unter Peter Whatanitchs Leitung selbstständig an einem „zukünftigen Konsolenvideospiel“, womit vermutlich WiFi Army gemeint ist. „Je mehr Leistung sie in das Projekt stecken, desto besser wird sich ihr Spiel verkaufen“, so der Artikel auf Wikipedia.

Ausblick

WiFi Army versucht, eine völlig neue Perspektive für Gamer zu schaffen. Indem der virtuelle Krieg auf die Straße geholt wird, ist der Ärger jedoch bereits vorprogrammiert. Und auch wenn das Projekt technisch machbar ist, gibt es noch zahlreiche Faktoren, die die Glaubwürdigkeit des Handyspiels stark auf die Probe stellen: Der geschickt lancierte Medien-Hype im Internet lässt weiterhin offen, ob es sich bei dem Spiel um ein seriöses Projekt handelt oder doch nur um den cleversten Fake seit der Hexe von Blair.

Es bleibt also abzuwarten, was aus WiFi Army wird. Vielleicht stellt sich schon morgen heraus, dass es sich dabei um eine ganz große Ente gehandelt hat. Vielleicht werden wir aber auch schon Ende des Jahres selbst ein GPhone in der Hand halten und auf der Jagd nach dem besten Kamera-Headshot in den Fußgängerzonen campen...Update: Peter Whatanitch, der Chef-Entwickler von Wifi Army, hat uns schriftlich versichert, dass es sich bei diesem Projekt um keinen Scherz handelt. Er und sein Team werden bei der im April stattfindenden Google Developers Summit im Rahmen des Entwicklerwettbewerbs einen Vortrag über Wifi Army halten.