Neuerdings versucht sich Entwickler Bethesda auch als Publisher und rettet damit ein Vivendi-Spiel, das ansonsten dem Zusammenschluss von Activision und Blizzard zum Opfer gefallen wären. Zwischenzeitlich sah es für den derzeit in der Entstehung befindlichen Titel Wet nämlich ganz so aus, als würde der Abspann nicht mehr programmiert werden. Nun, wo diese Zukunftsängste vom Tisch sind, widmet sich das kanadische Studio AM2 mit Hochdruck dem Feinschliff. Schließlich soll noch im Herbst dieses Jahres ein schmuckes Stück Actionspiel mit Tarantino-Touch die Regale erreichen.

Bekannt ist Bethesda eigentlich vielmehr für Rollenspiele mit epischen Welten, ausufernden Spielwelten und großen Entfaltungsmöglichkeiten für die erstellten Charaktere. Wet ist somit auch Neuland für den frischgebackenen Publisher, denn hier sind keine komplexen Talentskillungen gefragt, keine langen Reisen durch Fabel- oder Endzeitwelten und auch keine Entscheidungen, von denen die charakterliche Prägung der Spielfigur abhängt. Die einzige Entscheidung, die Protagonistin Rubi treffen muss sind eher simpler Natur: Wird der Feind mit Revolver, Maschinenpistole, oder doch lieber mit dem Schwert um die Ecke gebracht?

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Undercover-Amazone im Blutrausch

Diese Entscheidung muss aber sehr häufig getroffen werden, denn Rubi legt sich mit einer ganzen Legion von Gangstern an. In geheimer Mission muss sie das Unterwelt-Netzwerk mehrerer Standorte infiltrieren und neben Informationen auch Dokumente oder andere wertvolle Gegenstände entwenden. Ein heißer Job, denn so einfach geben die hiesigen Gangsterbosse ihren Besitz natürlich nicht her. Lieber hetzen sie ihre Totschläger und Killer auf die schöne Waffenschwingerin – und sorgen damit selbst für freie Arbeitsplätze in den eigenen Reihen.

WET - Wenn "Kill Bill" ein Spiel wäre...

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Frau mit Wumms: Wo Rubi auftritt, gibt es für die Gegner kein Morgen mehr.
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Zum Glück ist Rubi aber nicht nur mit verschiedenen Schusswaffen gut vertraut, sie kann auch meisterhaft mit dem Katana umgehen und beherrscht so manche Akrobatik, dass einem ungelenken Zuschauer schwindelig wird. All diese Fähigkeiten vereint ergeben eine Kampfmaschine, die sich alleine in einem Raum mit mehreren Dutzend schießwütigen bewegen kann und dennoch keine Schramme abbekommt. Flink wie eine Raubkatze weicht sie Kugeln und Schlägen aus, während selbst kräftig Blei und Klingenstahl austeilt. Dabei macht die hübsche Heldin in jeder Situation eine gute Figur.

Irgendwo muss doch der Haken an der schlagkräftigen Dame zu finden sein. Neben diesem bissigem Gameplay gibt sich auch die Präsentation äußerst stilsicher auf bekannte B-Movie-Motive zurückgreift. An manchen Stellen setzt ein grobkörniger Effekt ein, den man von alten Filmen her kennt, während manche Filmeinspielungen bewusst an Vorbildern aus der Kinowelt erinnern sollen. Beißt Rubi trotz aller Toughness mal ins Gras, setzt das Bild aus und vermittelt den Eindruck, dass das Zelluloid unter der Hitze des Filmprojektors schmilzt. Die Macher haben ganz genau beobachtet, wie ein guter Schmuddelfilm aus längst vergangenen Zeiten wirken muss.

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Immer an der Wand lang

In den zahlreichen Kampfsequenzen kommt auch das Zielsystem gut zur Geltung: Zwei Gegner nimmt Rubi gleichzeitig aufs Korn. Einen Kontrahenten visiert der Spieler mit dem Joystick an, den anderen übernimmt automatisch der Prozessor. Man hält einfach den Abzug gedrückt und schon spielt die Dame die Symphonie in Blei. Kommt doch mal ein Feind zu nah an sie heran, wird per Knopfdruck das Katana gezückt und schon ist sie auch das Problem los. Strategien brauchen nicht ausgetüftelt zu werden. Die Gegnermassen lassen ohnehin kaum Zeit zum Nachdenken.

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Klemmt das Holster, greift Rubi eben zum Schwert. Das Resultat? Äußerst blutig.
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Wenn dann doch einmal Platzmangel herrschen sollte, kann die Spielfigur auch einen eleganten Wallrun ausführen. Senkrecht an der Wand läuft sie dann einen Teil ab und ballert dabei so manche blaue Bohne ins Terrain. Auch Hindernisse in Kopfhöhe sind kein Problem, denn auf den Knien rutscht Rubi einfach darunter hindurch und gleitet auf dem Parkett wie ein Rockstar auf der Bühne. Spieler ahnen es schon: Auch dabei hat sie beide Hände an den Pistolen, immer bereit zum Feuern. Nachladen braucht man die Wummen übrigens nicht. Es ist immer genügend Material in der Trommel, das nur darauf wartet, irgendwem um die Ohren geballert zu werden.

An diesen und anderen Situationen muss wohl auch dem letzten Spieler klar werden, dass sich Wet nur halb so ernst nehmen will, als es zunächst den Anschein macht. Weitere Hinweise darauf sind die irrwitzigen Situationen, in die Rubi hineinschliddert. So macht das Game auch nicht vor absolut filmreifen Verfolgungsjagden halt. Unsere Flintenfurie hat dabei aber keine Zeit, sich selbst hinter das Steuer zu sezten. Viel lieber springt sie in Quicktime-Events von einem Autodach zum nächsten, bis sie ihre Gegenspieler erreicht hat. Streckt ein Verbrecher dann seinen Arm mit durchgeladener Pistole aus dem Fenster, hat er großes Pech. Im Nahkampf kann eine Waffenhand schon mal Opfer der schnellen Klinge werden.

Eine Frau sieht rot

Nach einigen Explosionen auf dem Highway zeigen die darauf folgenden Filmsequenzen wieder die Unbarmherzigkeit der Lady, bevor es weiter zum nächsten Auftrag geht. Damit das Waffenrepertoire nicht so schnell langweilig wird, können kleine Verbesserungen vorgenommen werden. Höhere Schussfrequenz und neue Schießprügel gewähren den wachsenden Ansprüchen Einhalt. Einige Endgegner werfen schließlich auch nicht mit Blumen nach Rubi. Miniguns sind nun einmal nicht die feine englische Art, Damenbesuch zu empfangen.

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Rubi im Blutrausch: In diesen Passagen fühlt man sich glatt an "Kill Bill" erinnert.
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Zwischendurch wechselt der Stil komplett. An manchen Stellen gerät die Einzelkämpferin in einen regelrechten Blutrausch, in dem sie sich durch eine kurze Passage metzeln muss. Ihre Wahrnehmung verändert sich drastisch: Der Raum wird rot dargestellt, während alle Personen sich in schwarze Konturen verwandeln. Als kleinen Farbkontrast halten die weißen Blutfontänen her, die der Umgebung einen dritten Farbton spendieren. Erreicht die Heldin das Ende des Ganges, beruhigt sie sich wieder und das Bild nimmt wieder normale Optik an. Auch hier zeigt sich wieder, dass sich das Spiel eng an Vorbildern wie Quentin Tarantino hält.

Sexy Heldinnen, Blut und reichlich Kill Bill-Flair: Wet gleicht den feuchten Träumen eines B-Movie-Fans.Ausblick lesen

Leider wird man nicht zu zweit durch die Unterwelt ballern, springen, sliden oder mit dem Schwert in der Hand die Hundertschaften dezimieren können. Wet wird nur einen Singleplayer-Modus mitbringen und je nach Schwierigkeitsgrad neue Herausforderungen beim erneuten Durchspielen bieten. Etwa zehn Stunden wird die Story das Publikum in den Bann ziehen und kaum Verschnaufpausen gönnen. Das verwundert nicht, denn am Drehbuch war Duppy Demitrius, einer der Autoren der Serie "24" beteiligt. Auch die Sprecher mit Eliza Dushku (Buffy) und Malcolm McDowell (Clockwork Orange) gehören zur oberen Hollywood-Garde.

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Carhopping nennt man sowas wohl...
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Zusätzlich verdient der Soundtrack auch noch eine entsprechende Würdigung. Hardrock-Klänge. Rock’n’Roll und 70’er Rocksounds runden das Bild einer gut beobachteten Hommage an das Exploitation-Kino der siebziger Jahre ab. Hier zeigte sich nicht nur das gute Auge fürs Genre, sondern auch ein fachkundiges Ohr. Dabei konnte man hauptsächlich kleinere Independent-Bands für die Musikuntermalung gewinnen. Liebhaber härterer Musik sollten auf jeden Fall mal bei der ganzen Dauer-Action ein Ohr offen halten.