Autor: Volker Schütz

Langsam setzt sie sich durch, die in Computerspiele integrierte Werbung à la »Die letzte Zombieattacke wurde Ihnen präsentiert von Iglo Kalbsgeschnetzeltem und Heinz Ketchup«. Aber selbst wenn ich sie mit Leidenschaft hasse, verstehe ich den Druck der Hersteller. Irgendwie müssen sie die Zockerzielgruppe erreichen.

Daher möchte ich einem Genre ins Rampenlicht verhelfen, das einen fairen Kompromiss darstellt: den Advergames. Sie werben offen und ehrlich, sind dafür aber gratis. Vorhang auf für meine Favoriten - und die Imageprobleme, die sie überdecken sollen.

Award für die besten Horroreffekte: Burger King
Spielhungrige Deutsche werden auf der Burger King Homepage mit einem »Space Invaders«-Clone namens »King Fresh« abgespeist. Amerikanische Bulettenschlucker greifen dagegen mit jedem Menü eines von drei Xbox-Spielen ab. Diese haben gemein, dass zum einen die Grafik weniger grauenvoll daherkommt, als man es von Werbespielen erwartet. Zum anderen taucht in jedem »The King« auf - das gruseligste Maskottchen seit Bayers »Thrombosi - der Blutklumpenclown«.

Werbespiele - Kauf mich! – Werbung, die glücklich macht

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Der König ist tot, lang lebe … der König ist TOT!
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BKs majestätische Vollfritte semmelt durch das Autoscootergame »Big Bumpin'«, das Rennspiel »Pocketbike Racer« und das krönende »Sneak King«. Bei letzterem versteckt sich Ihro Hoheit in Mülltonnen, um aus diesen heraus arglose Passanten mit Fastfood zu bedienen. Lecker!

Entschädigung für: Kalorienbomben
Auf der Burger King Homepage findet sich ein Nährwertrechner. Dort erfahren wir, dass bereits eine Mahlzeit aus Big King XXL, großen Pommes, großer Cola und neun Nuggets mehr als den gesamten Tagesbedarf an Kalorien abdeckt. Wie sollen drei Xbox-Spiele die so geschockten Kundengemüter beruhigen?
Spaßfaktor: 3/5

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Der süßeste Wasserkopf seit Elmer Fudd. Nintendo zeigt der Konkurrenz, wo die Möhre hängt.
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Award für das beste Flashspiel: Nintendo
»Mission in Snowdriftland« ist ein niedliches Jump and Run im Supermario-Stil. Der garstige Obermuchel El Pix teleportierte sich in unsere Welt und stibitzte dort wertvolles Spielmaterial. Der Pixelschneemann Chubby wittert seine Chance, die Weltenrettung nicht mehr der rot-grünen Klempnerkoalition überlassen zu müssen. Also hechelt er ulkig animiert durch vierundzwanzig Level Winterlandschaft. Er rennt und springt und stampft Widersacher standesgemäß in Grund und Boden. Es handelt sich um ein Ausnahme-Advergame, das auch ohne zehn Liter beworbener Gerstenbrause durchaus Spaß bringt.

Entschädigung für: Wii Controller
»Mission in Snowdriftland« stellt ganz klar eine prophylaktische Entschuldigung Nintendos für ihr neustes Eingabegerät dar. Während hochbeschleunigte SNES-Pads noch unbeschadet 90cm Stahlbeton durchschlugen, hält das Wii-Nunchuk nicht mal eine geschwungene Vorhand gegen die Wohnzimmerlampe aus.
Spaßfaktor: 5/5

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Öffentliches Fernsehen der Zukunft: Es geht steil bergab.
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Award für den größten Schuss: ORF
Der Ösisender ORF lädt zum virtuellen 3D-Skiwettbewerb 2007. Hierfür saugt man sich das Grundspiel mit einer Teststrecke aus dem Netz und registriert sich. Wie im echten Weltcup heißt es dann: Punkte sammeln. Die gibt es für die Rennergebnisse auf den Einzelstrecken Gröden, Bormio, Wengen, Kitzbühel sowie Aare, und sie werden in einer Internet-Rangliste abgespeichert. Damit nicht übermotivierte Alpinisten wochenlang die Abfahrten auskundschaften, stellt der ORF die einzelnen Pisten erst nach und nach online.

Entschädigung für: Christina Stürmer
Die begrenzt süße Plärrprinte wurde bei der ORF-Castingshow »Starmania« entdeckt. Gratisskifahren fortgesetzt bis 2010 ist das Mindeste, wenn unsere Nachbarn wegen dieses akustischen Verstoßes gegen die Menschlichkeit nicht aus der EU fliegen wollen.
Spaßfaktor: 4/5

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"Buy Bond get Bond free".
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Award für die beste Hauptrolle: MGM
Die Kamerakurbler von MGM machen mit einem Google Earth Plugin auf die »James Bond 007: Ultimate Edition Monster-Cases« aufmerksam. Von »Dr. No« bis »Stirb an einem anderen Tag« lassen sich mit diesem netten Gimmick zu jedem Teil zahlreiche Filmlocations ausspionieren. Werbewirksam präsentiert die Daddelei gleichzeitig mehr oder minder Wissenswertes zum jeweiligen Titel. So kann man die Anlagen um Fort Knox oder Luftaufnahmen von Goldfingers Stoke Poges Golf Club bewundern. Die mit Pierce »Mein Name ist Bond« Brosnan auf Häuserdächern pimpernde Denise »Christmas Jones« Richards habe ich dagegen vergeblich gesucht. Ich vertraue aber darauf, dass der MI6 aktuelle Satellitenbilder nachreicht.

Entschädigung für: Daniel Craig
Der neuste, blonde James-Bond-Darsteller mit dem Trockenobstgesicht hätte früher bestenfalls in »Schindlers Liste« Rechtsaußen auf dem Lagerwachturm spielen dürfen. Heute ist er Spitzenmann ihrer Majestät. Um die Fans zu versöhnen, sind geographische Spielereien nur ein kleiner, wenn auch feiner Schritt.
Spaßfaktor: 4/5

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Die USA lernen im Irak: Gewinnen ist nicht alles, der Gegner muss auch verlieren.
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Award für die besten Euphemismen: US Army
Zwar ist »America's Army« recht betagt, aber immer noch eine Erwähnung wert. Kein Produkt außer der amerikanischen Armee vermarktet mit Erfolg Sellingpoints wie: »…schadet der Gesundheit«, »…ruiniert Ihre Ehe«, »…garantiert Weihnachten fern der Heimat«. Dieser staatlich finanzierte Anti-Terror-Shooter leistet insofern Erstaunliches. Er ist dabei so kostenfrei wie propagandagefüllt, indoktriniert im Umgang mit US-Waffensystemen und zeigt schon den Kleinsten, was ihre dolle Truppe weltweit für Freiheit und Demokratie leistet. Die Werbewirkung wird für Europäer naturgemäß gedämpft. Bleibt doch der Nutzen des praktischen Weblinks zu den Army-Jobangeboten US-Bürgern vorbehalten.

Entschädigung für: Bürgerkrieg
Nichts kann einen selbst herbei gebombten Konflikt besser entschärfen als ein gemeinsames Team-Deathmatch. Die Amerikaner spielen dabei sich selbst, die Iraker natürlich die Terroristen. Praktisch, dass man deren Infrastruktur zuvor in die Steinzeit zurückbefördert hat. Das nennt sich nicht nur in der Werbebranche »Win-Win-Situation«.
Spaßfaktor: 3/5

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Der leider noch immer nicht vom Aussterben bedrohte Klobrillenbär in seinem Habitat.
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Award für die beste Klorolle: Charmin
Die bärige Charmeoffensive der zu Procter & Gamble gehörenden Toilettenpapierwickler geht in die nächste Runde. Neben pelzigen Bildschirmschonern und Grußkarten bieten sie jetzt auch ein stranges Flashspielchen. Bei den Erstgenannten fragte ich mich immer noch, wem bei Geburtstagsglückwünschen an seine Lieben die Webpage eines Klo-Utensilienherstellers in den Sinn kommt. Der Zusammenhang von Spiel und Produkt dagegen leuchtet mir unmittelbar ein - beide sind nämlich für den Ar$C#. Frei nach der amerikanischen Redewendung »Does a bear shit in the woods?« rennt der braune Naturpelzträger durchs Unterholz und hinterlässt eine Toilettenpapierspur. In der Ferne bläst der WWF zum Halali.

Entschädigung für: Ekelassoziationen
Als Kind glaubte ich, ein Braunbär wäre ein Eisbär beim Strandurlaub. Heutzutage hat sich das Bild eingebrannt, dass Meister Petz seine Pelzfarbe schlicht inkorrekt verwendeten Hygieneartikeln verdankt. Kein Spiel der Welt kann das wieder gutmachen.
Spaßfaktor: 1/5