Fünf Monate ist es her, als wir die mäßige „Wer wird Millionär: Party Edition“ für Playstation 2 getestet haben. Inmitten der Weihnachtszeit bringt Ubisoft nun erstmalig eine Videospielumsetzung der beliebten TV-Quizshow für die Wii, die laut Prognosen zu einem der beliebtesten Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr zählen wird. Ob die Wii-Neuauflage von „Wer wird Millionär?“ ein heißer Last-Minute-Kandidat für eure Wunschzettel ist, erfahrt ihr im Test.

Magere Kost zum üppigen Preis

Als wir im Sommer die neueste PS2-Fassung der Quizshow getestet haben, wirkte das Spiel sehr unausgereift. Technische Schwächen sorgten ebenso für Punktabzüge wie etliche Designschnitzer. Mit der Wii-Version wurde das Grundgerüst nun deutlich entschlackt, was sich nicht gerade positiv auswirkt. Statt sich der Kritik anzunehmen und das Konzept zu verbessern, hat man den Umfang des Spiels auf ein absolutes Minimum reduziert.

Wer wird Millionär? Wii - Da hilft nicht einmal der 50:50-Joker: Die lahme Raterei ist in jedem Fall die falsche Wahl.

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Die nüchterne Präsentation bietet nicht einmal ein virtuelles Studio.
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Bereits das Hauptmenü wirkt sehr spartanisch. Hier wählt ihr lediglich zwischen einem Einzelspielermodus und einer Spielvariante für zwei Kandidaten. Letztere ist völlig identisch zum Einzelspielermodus, wobei ihr euch bei der Beantwortung der Fragen abwechselt. Ist die Wahl getroffen, wird euch ein völlig nüchterner Ratebildschirm vorgesetzt, auf dem ihr die Frage und die möglichen Antworten ablesen könnt. Mitte des Jahres kritisierten wir die miserable Darstellung des virtuellen Studios, das bei der Wii-Fassung schlichtweg komplett abgeschafft wurde.

So kommt die Wii-Version gänzliche ohne die Elemente aus, die den Reiz der TV-Show ausmachen: Es gibt keinen Schwenk durch das Publikum, keine Scheinwerfer, die das Studio erleuchten und für die passende Atmosphäre sorgen. Auch die Schnellraterunde zu Beginn der Show entfällt komplett. Ihr wollt einen Charakter wählen, der euch im Spiel repräsentiert, oder wenigstens einen Namen eingeben? Pech gehabt, denn auch dieses Feature sucht ihr vergeblich.

Ohne Jauch und ohne Risiko!

Wie bei sämtlichen Vorgängern für PC und Konsolen, kommt auch die Wii-Fassung ohne die Originalstimme von Günther Jauch aus. Stattdessen begleitet euch ein alternativer Moderator auf dem Weg bis zur Million. Positiv zu erwähnen ist dabei, dass ihr im Vergleich zu anderen Umsetzungen von „Wer wird Millionär?“ deutlich seltener durch das Geplapper des Moderators ausgebremst werdet.

Wer wird Millionär? Wii - Da hilft nicht einmal der 50:50-Joker: Die lahme Raterei ist in jedem Fall die falsche Wahl.

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Zumindest hält sich der Sprecher zurück - viele Standardfloskeln nerven nach kurzer Zeit.
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Per Tastendruck lassen sich die häufigen Kommentare und Anweisungen des ansonsten gut agierenden Sprechers meistens überspringen. Die Fragen samt Antworten werden euch übrigens nicht wie in der TV-Show vorgelesen. So beschränkt sich das Repertoire des Moderators lediglich auf immer gleiche Floskeln und Erläuterungen, die so manches Nervenkostüm gehörig zerknittern.

Bereits seit einigen Monaten haben Kandidaten der TV-Show die Wahl zwischen der klassischen und einer Risikovariante. Auch diese Neuerung hat es nicht ins Spiel geschafft – hier wird also immer die klassische Variante gespielt, bei der ihr zwar nur drei Joker habt, ihr dafür aber bei Erreichen der 16.000 Euro-Marke nicht mehr auf Kleinbeträge zurückfallen könnt.

Der Einsatz der Joker funktioniert so, wie man es aus dem TV kennt. So resultiert der Publikumsjoker in einer Abstimmung samt entsprechendem Diagramm, das die prozentuale Verteilung der möglichen Antworten visualisiert. Der 50:50-Joker schließt dagegen zwei falsche Antworten aus, so dass die Wahl der richtigen Antwort leichter fällt.

Überflüssige und bis dato schlechteste Umsetzung der beliebten Quizshow! Was hier zum Vollpreis geboten wird, ist einfach nur lächerlich.Fazit lesen

Inkompetente Telefonjoker

Interessant ist bei jeder Videospielumsetzung die Einbindung des Telefonjokers. Passend zum spartanischen Gesamtkonzept wurde auch dieser Joker auf äußerst simple Weise integriert. Zu Beginn habt ihr immerhin die Möglichkeit, euch zwischen vier möglichen Gesprächspartnern zu entscheiden. Vom achtjährigen PC Freak bis zur reifen Hausfrau ist alles dabei.

Wer wird Millionär? Wii - Da hilft nicht einmal der 50:50-Joker: Die lahme Raterei ist in jedem Fall die falsche Wahl.

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Die Telefonjoker sind quasi unbrauchbar.
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Leider wirken sich die genannten Interessen nur selten auf die Qualität der Antwort aus. Wer sich auf den Nichtsnutz am anderen Ende der Leitung verlässt, für den ist die virtuelle Show häufig frühzeitig beendet. Während bei anderen Umsetzungen von „Wer wird Millionär?“ noch echte Telefonstimmen ertönten, wird die Antwort des Jokers hier lediglich in Textform eingeblendet. Scheint so als hätten die Entwickler alle Register gezogen, um jegliche Atmosphäre im Keim zu ersticken.

Als engagiertes und optimistisches Redaktionsteam konnten wir natürlich nicht glauben, dass sich der Umfang des Spiels tatsächlich auf das bis hierhin beschriebene beschränkt. Also haben wir unser gesamtes Wissen gebündelt und uns bis ans Ende der Show durchgekämpft. In freudiger Erwartung der gigantischen Schlussfeier im Anschluss an die korrekt beantwortete Millionenfrage wurden wir allerdings massiv enttäuscht.

Ein Minijingle samt Texteinblendung mit der uns kurz und knapp zum Gewinn der Million gratuliert wird, ist alles, was der Titel an dieser Stelle zu bieten hat. Ein weiterer Knopfdruck und schon seid ihr wieder im Hauptmenü. Die Suche nach einer Highscoreliste wurde bereits nach wenigen Minuten erfolglos eingestellt. Positiv bleibt da lediglich die Steuerung in Erinnerung, bei der ihr die Fragen entweder durch direktes Zielen per Wiimote oder durch die Bedienung des Steuerkreuzes auswählt.