We Happy Few ist ein psychedelischer Trip in ein alternatives England der 60er, voll mit schwarz-britischem Humor, jede Menge Drogen und grinsenden Gesichtern, die auch dann noch lachen, wenn sie euch zu Brei schlagen. Bunt, brutal und voller Überraschungen – denn was als zufällig generiertes Survival-Spiel begann und im ewigen Early Access auf Steam zu versinken drohte, ist jetzt eine… Geschichte. Ein Geschichte voller Lügen.

Werft eine Pille ein und genießt das ABC der Glückseligkeit in We Happy Few:

We Happy Few - Das ABC des Glücklichseins: So wirst auch DU fröhlich!2 weitere Videos

Nichts ist wie es scheint in We Happy Few. Nicht, als ihr im gepflegten Anzug von Protagonist Arthur Zeitungszylinder in eine seltsame Lesemaschine steckt, nicht, als ihr in einer Gruppe von lachenden Menschen eine Piñata kaputtschlagen sollt. Nicht, als ihr Schmetterling in euer Klo kotzt und danach eine Pille einwerft: Nein, nein – wunderbar, es ist zu wunderbar, bunt, lächelnd; eine Welt, die wie ein grinsendes Gesicht vor eurem hockt und unbemerkt einen Finger nach dem anderen von eurer Hand abschneidet. Tut nicht weh. Aber da ist etwas, das nicht stimmt, oder? Ein Loch in der immer-glücklichen Maske.

Wie wir uns an Dinge erinnern, ist nicht, wie sie wirklich waren.” - Alex Epstein

Es gibt eine Story, aber ihr könnt euch nicht erinnern

Ich erinnere mich an We Happy Few als das ewige Early Access-Spiel, die prozedural generierte Adventure-Welt, die so gut aussah, ihre Versprechen aber nicht ganz halten konnte. Doch wie mir We Happy Few-Autor Alex Epstein völlig richtig sagt, sind Erinnerungen ekelhafte Verräter: “Wie wir uns an Dinge erinnern ist nicht, wie sie wirklich waren”. Nein, sind sie nicht, denn wir konstruieren unsere Erinnerungen unbewusst ganz so, wie es unserem Gehirn am besten gefällt: Wie radieren die schlechten Dinge mit der Zeit aus dem Gemälde, übermalen Ereignisse, wie wir lieber ein bisschen anders erlebt hätten und spicken unsere vergangenen Abenteuer mit Lügen, bis sie dem großen, sinnvollen Märchen ähneln, das wir unser Leben nennen möchten.

Mit der Droge "Joy" ist alles schöner. Bunter. Besser?

We Happy Few ist eine Welt, die nach demselben Prinzip funktioniert: Nimm am Morgen deine Pille (eine rote Pille, die euch ins Wunderland führt – wie Matrix uns gelehrt hat) und sorge dich nicht um deine Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart. Alles ist schön, alles ist glücklich und bunt und wundervoll. Was war vor der Pille? Es gibt keinen Grund, sich daran zu erinnern und ein Freudloser zu werden, denn Teil der Gesellschaft seid ihr einzig mit Maske und festgewachsenem Grinsen. Die Glücklichen haben keine Vergangenheit.

Nun ist We Happy Few eine lineare Geschichte, funktioniert aber in einer teils zufällig generierten Welt. Linear insofern ihr eigentlich drei Stories spielt, drei Leben, die ihr nacheinander auf ihrem Weg durch We Happy Fews Wunderland begleitet, aller im selben Zeitfenster: Eure Reise beginnt in den abgewetzten Schuhen von Arthur, der vor seiner Lesemaschine sitzt und die rote Pille in seiner schwitzigen Hand betrachtet. Nehmen oder nicht nehmen? Eine Entscheidung, die weitreichendere Konsequenzen kaum haben könnte.

Da ist also Arthur, der die Wahrheit hinter den roten Wunderpillen “Joy” erkennt und fortan durch die Map gejagt wird, denn entweder ihr seid Teil der überzeichneten Drogengesellschaft oder ihr seid der Feind. Ist sein Spiel beendet, laufen die Uhren rückwärts und ihr startet die Geschichte von Neuem, dieses Mal als mysteriöse Chemikern Sally: Stück für Stück ergründet ihr die Geheimnisse dieser ungnädigen Welt, eingebunden in die verflochtene Geschichten dreier Schicksale, deren Map die gleiche und doch eine völlige andere ist. Wie kann eine derartige Geschichte in einer prozedural generierten Welt funktionierten?

Die Glücklichen haben keine Vergangenheit.

Es gibt eine Map, aber ihr könnt euch nicht erinnern

Joy legt nicht nur einen Regenbogen-Filter über die Augen, sondern verzerrt Erinnerungen derartig, dass ein Orientierungssinn obsolet wird. Die Bewohner von Wellington Wells wandeln high und schlaftrunken durch ihre Stadt, ohne sich an die einzelnen Orte und Plätze zu erinnern. Ich fragte Entwickler Compulsion Games nach der prozeduralen Welt, als sie bei uns zu Besuch waren; ihre Antwort: Teile der Map sind in jedem Durchlauf zufällig gesetzt und generiert, denn die Charaktere erinnern sich einfach nicht. Eine drogeninduzierte Amnesie als Erklärung für procedural generated content. We Happy Few verspricht recht originelle Ideen in seinem Konzept.

Die Welt in We Happy Few ist nur zum Teil zufällig generiert, wirkt im Großen und Ganzen jedoch wunderbar detailliert und originell.

Eine Gesellschaft, die Pillen schluckt, um die eigene Vergangenheit zu vergessen: Die Story hat mich. Auch die detaillierte, Bioshock-esque Welt, die zumindest in der Version, die ich sehen durfte, handgemacht und surreal genug wirkte, um sofort zu überzeugen. Einzig das Gameplay selbst schien noch ein wenig repetitiv: In allen drei Storylines frönt ihr den Survival-Mechaniken, entkommt den Repräsentativen der Stadt, craftet eure Waffen, Kleidung, Tools und müsst zusehen, nicht zu hungrig oder durstig zu werden. We Happy Few ist ein mildes Survival-Spiel; ihr werdet einzig mit ein paar Debuffs bestraft, hungert ihr – umbringen wird es euch nicht. Eure Entscheidungen werden zudem keine weitreichenden Konsequenzen haben (ergo: linear) und auch das ständige Katz-und-Maus-Spiel mit den Wachen wirkt eher wie eine Spielmechanik, die nach einer Weile anstrengen kann.

Bilderstrecke starten
(9 Bilder)

We Happy Few verbirgt ein schreckliches Geheimnis; in einer Welt, die vor bunten Lügen strotzt und von verblendeten, blinden Menschen geführt wird. Werdet ihr euch als einzige nüchterne Person in Wellington Wells gern an das Spiel zurückerinnern, oder fällt Compulsion Games Survival-Adventure seiner eigenen Story anheim und wird vergessen? Wir werden es am 10. August erfahren, wenn das Spiel auf Konsolen und PC erscheint.