Manchmal ist es so eine Sache mit Dingen, die man lange nicht mehr angeschaut hat – man vergisst leicht, dass man sie doch zu schätzen wusste. Bei mir ist das mit Watch Dogs so. Eigentlich mag ich das Spiel, denn es öffnet sich gerade später noch, wenn man sich auf die interessanten Online-Modi einlässt. Ich fand auch ehrlich gesagt die Story gar nicht so dumm, wie von vielen behauptet – lediglich Protagonist Aiden Pierce blieb mir als blasse, irgendwie zu glatte Hauptfigur in schlechter Erinnerung. Viel cooler waren Nebenfiguren, wie zum Beispiel einen gewissen Raymond „T-Bone“ Kenney, den man im Verlauf der Handlung kennen- und schätzen lernt.

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Jetzt erscheint der erste DLC zu Watch Dogs und wer spielt in Bad Blood die Hauptrolle? Genau, eben dieser T-Bone. Von der Ubisoft-Pressabteilung wird er als exzentrisch beschrieben, ich sehe ihn eher als jemanden, der sein Leben lieber in die eigenen Hände nimmt und sich nicht so gerne auf andere verlässt. Er ist eine coole Sau, die mich optisch stets ein wenig an den Musiker Zack Wylde erinnert.

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Viel cooler als Aiden

Die Geschichte von Bad Blood spielt abseits der Pfade, die man bisher in Watch Dogs erleben kann, aber natürlich dreht sich auch hier alles ums Hacken. T-Bone muss seinem alten Kumpel Tobias Frewer (der merkwürdige Kauz ist uns auch schon aus dem Hauptspiel bekannt) aus der Patsche helfen, der lange Zeit untergetaucht war, jetzt aber von verschiedenen Unterweltschergen gejagt wird.

Watch Dogs: Bad Blood - Bis aufs Blut

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Was Watch Dogs vor einem knappen halben Jahr fehlte, war ein cooler Protagonist. Nun, das ändert sich endlich mit Bad Blood.
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Wie Aidens-Abenteuer ist T-Bones Geschichte in drei Akte aufgeteilt, doch insgesamt fällt sie ungleich kürzer aus. In vier, vielleicht fünf Stunden bin ich durch die Handlung gehackt und geballert, teils halten sie recht amüsante Zwischensequenzen zusammen. Bad Blood ist etwas actionorientierter ausgelegt, was der Erweiterung aber durchaus gut tut – Langeweile kam bei mir jedenfalls keine auf. Zwar lässt sich wie bisher auch,jede Mission individuell gestalten. Das heißt, entweder rückt ihr mit gezogener Wumme vor und macht alle Feinde platt, ihr nutzt die vielen Kameras, um Gegner aus dem Hintergrund auszuschalten oder zu verwirren, oder eben eine Mischung aus beidem.

Aber ich wandle dabei inhaltlich nur selten auf bereits beschrittenen Pfaden, denn ein paar neue Features gibt es schon. Zum einen werden die aus dem Hauptspiel bekannten Hacking-Rätsel teilweise neu präsentiert, indem man sie als virtuelle Schaubilder auf physische Wände projiziert. Das macht die Puzzles zwar nicht unbedingt schwieriger, aber doch ein wenig interessanter. Außerdem greife ich jetzt auf Eugene zurück, eine steuerbare Autodrohne, die dorthin gelangt, wo T-Bone der Zugang versperrt ist.

Das ferngesteuerte Fahrzeug überträgt seine bodennahe Sicht der Dinge, damit ich beispielsweise Kameras in anderen Räumen kapern kann, nachdem ich es durch Ventilationsschächte gesteuert habe. Das kleine Ding ist zudem nicht ganz wehrlos, besitzt es doch einen Betäubungsschuss, mit dem sich Wachen außer Gefecht setzen lassen. Ein Allheilmittel in Kämpfen ist die Drohne jedoch nicht, dafür ist sie Angriffen gegenüber viel zu anfällig.Geht doch mal ein Modell zu Bruch, bastele ich mir aus gesammelten Elektronik-Komponenten einen neuen Helfer.

Packshot zu Watch DogsWatch DogsErschienen für Wii U, PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Eine andere praktische Erweiterung der Hacker-Fertigkeiten ist die Möglichkeit, Wachposten in Räume einzuschließen. Trotzdem eskaliert in einigen Situationen die Hackergeschichte zu einer maßlosen Schießerei – dabei halte ich etwa Stellungen und greife auf Geschütze zurück, die auf den omnipräsenten Überwachungskameras befestigt sind. Teilweise zünde ich sogar Fallen (ihr erinnert euch vielleicht an den Showdown in T-Bones Versteck aus der Hauptstory?), die meine Angreifer ins Jenseits befördern. Gelegentlich muss ich auch den etwas hilflosen Tobias beschützen, ihm Feuerschutz geben oder ihn durch ein Labyrinth voller Widersacher lotsen. Die zehn Missionen von Bad Blood sind unterm Strich recht abwechslungsreich gehalten.

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Neben neuen Missionen bringt die Erweiterung auch jede Menge weitere Neuerungen.
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Im Großen und Ganzen übernimmt Ubisoft das Spielsystem des Hauptspiels. Das heißt, ich hacke Kameras, infiltriere Gangsterquartiere (und muss ihnen wieder lebend entkommen) oder ich spioniere eben Passanten aus und erledige Nebenaufträge. Dabei ist mir aber nicht so ganz klar geworden, wie die Entwickler mit meinen bereits (mit Aiden) erworbenen Skills umgehen: teils scheinen sie noch freigeschaltet zu sein, andere muss ich nun mühsam mit neuen Skillpunkten verdienen. Das scheint mir fast so, als wollte man nicht zu wenig Inhalt bzw. Spieltiefe für den DLC bieten. Leider recyceln die Macher auch ein zwei Mal zuvor genutzte Spiel-Umgebungen Chicagos – dabei bietet die riesige Stadt in Amerikas Norden doch viel mehr Spielfläche.

Neben der Hauptgeschichte stehen noch verschiedene neue Nebenaufträge bereit, die nennen sich hier Street Sweep. In diesen Missionen gehe ich im Auftrag einer Polizistin namens Sheila gegen Gangs vor, mache ihre Anführer unschädlich oder luchse ihnen Wagen ab, damit die Ermittlungen der Gesetzeshüterin vorankommen. Interessant ist, dass ich einige dieser Aufgaben jetzt auch kooperativ mit einem weiteren Spieler absolvieren kann. Außerdem an Bord: zusätzliche Waffen, Gegenstände, Klamotten, frische Orte – aber das sind Dinge, die für meinen Spielspaß von eher untergeordneter Natur sind.

Allein schon der neue, coole Hauptcharakter macht das Add-on spielenswert, aber auch einige neue Features heben sich wohltuend vom Hauptspiel ab.Fazit lesen

Achtung: Der DLC wird übrigens nicht für die am 20. November in den Handel kommende Wii-U-Version erscheinen, wie Ubisoft via Twitter bestätigte.