Anfang 2008 sieht für Strategen ähnlich finster aus wie die Zukunftsprognosen für Britney Spears. Bis auf „Universe at War“ und das „Command & Conquer 3: Tiberium Wars“-Addon „Kanes Rache“ hat sich für das erste Quartal kein weiterer Hochkaräter angekündigt. Es herrscht gähnende Langeweile, wohin das Auge reicht.

Getreu dem Motto „Wenn du denkst, es geht nicht(s) mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“, sagt Deep Silver der Langeweile den Kampf an und serviert Genrefans die offizielle Erweiterung zum leicht angegrauten „Warhammer: Mark of Chaos“. Wir haben uns eine fast finale Version geschnappt und ausgiebig Probe gespielt. Ob „Battle March“ die Fehler des Hauptprogramms vermeidet? Unsere Spielspaß-Vorhersage verrät es euch.

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Fantasy-Regel Nummer 1: Orks!

Vieles kann man den Entwicklern von „Warhammer: Mark of Chaos“ vorwerfen. Monotones Missionsdesign etwa. Oder eine mittelmäßige künstliche Intelligenz. Eines aber kann man ihnen ganz sicher nicht zur Last legen: Ideenarmut! Das Spielgefühl des Ende 2006 veröffentlichten Titels wartete mit ganz eigenem Charme auf.

Warhammer: Mark of Chaos - Battle March - Endlich: Mit den Grünhäuten in die Schlacht.

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Peinlich: Als alternder Oger noch immer Zahnspange tragen…
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Am treffendsten lässt sich „Mark of Chaos“ wohl als unkomplizierte Fantasy-Alternative zur „Total War“-Reihe beschreiben. Freilich fehlen in diesem Vergleich noch die actionreichen Duelle zwischen zwei besonders mächtigen Helden sowie der dezente Rollenspiel-Einschlag. Mit steigender Schlachterfahrung werden Kompanien schlagkräftiger, Heroen dürfen wie in einem RPG mit neuen Talenten ausgestattet werden.

„Battle March“ bleibt der eingeschlagenen Gameplay-Formel erwartungsgemäß treu. Neuerungen müssen wir mit der Lupe suchen. Und finden sie in Form der neu integrierten Orks und Goblins. Die einfach gestrickten Monster gesellen sich zur Chaosfraktion, dem rechtschaffenen Imperium, den rattenartigen Skaven und den Hochelfen. In einer neuen Kampagne führt ihr das illustre Monster-Konglomerat zur Herrschaft über die restlichen Völker. Interne Streitigkeiten um Macht, kleinere Intrigen und mehr oder weniger überraschende Wendungen mit inbegriffen.

Packshot zu Warhammer: Mark of Chaos - Battle MarchWarhammer: Mark of Chaos - Battle MarchErschienen für Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Kenn’ ich das nicht irgendwoher?

Die Inszenierung der Kampagne gleicht der des Hauptprogramms überdeutlich. Mit eurem Helden bereist ihr eine lineare Reisekarte, führt leidlich spannende Dialoge, verstärkt eure Truppen und rüstet die Burschen mit Upgrades auf. So verpasst ihr ihnen beispielsweise dickere Rüstungen oder drückt ihnen stärkere Waffen in die Hand.

Warhammer: Mark of Chaos - Battle March - Endlich: Mit den Grünhäuten in die Schlacht.

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Die Völkerwanderung des Grauens: Dieses Truppenaufgebot kann nur Ärger verheißen.
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Das dafür nötige Kleingeld erbeutet ihr in den actionreichen Missionen, dem Hauptbestandteil des Spiels. Die laufen ebenfalls ab wie gehabt. Kleinere, dramaturgisch mittelprächtige In-game-Zwischensequenzen samt schwülstigem Fantasy-Geplapper bereiten euch auf die anstehenden Schlachten vor. Nach kurzer Aufstellungsphase rückt ihr mit eurem Trupp schließlich vor und knüppelt ziemlich alles nieder, das zwei oder mehr Beine hat.

Der taktische Anspruch stimmt, die Balance ist deutlich ausgereifter als noch zum Release des Hauptprogramms. Magier dünnen gegnerische Reihen mit Feuerbällen aus, werden von Nahkämpfern aber in Sekundenbruchteilen zerfetzt. Bogenschützen machen mit langsamen, schwer gepanzerten Soldaten kurzen Prozess. Dafür fürchten sie schnelle Reiter, die Distanzschützen ummähen wie Bauern ihr Kornfeld.

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Sieht aus wie Darth Vader mit krummem Rücken, gehört aber zu den Elitetruppen der Orks.
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Das im Genre so typische Stein-Schere-Papier-Prinzip geht wunderbar auf. Clevere Taktiker lehren selbst zahlenmäßig überlegene Streitkräfte das Fürchten. Freunde schneller Gefechte im „Command & Conquer“-Stil müssen ihr Glück hingegen nach wie vor bei der Konkurrenz suchen. „Warhammer: Mark of Chaos – Battle March“ bleibt dem gemächlichen Spieltempo treu.

Wo kommst du denn her?

Die Treue halten die Entwickler ferner auch dem altbekannten Missionsdesign. Offene Feldschlachten, Stadtbelagerungen, Eskortaufträge – „Battle March“ spult das volle Standardprogramm ab. Echte spielerische Überraschungen bleiben demzufolge aus. Nervige Skriptereignisse leider nicht. Derzeit merklich zu häufig machen unfaire Scripts der Taktik einen Strich durch die Rechnung. Wenn etwa urplötzlich feindliche Krieger wie aus dem Nichts auftauchen und unsere Bogenschützen metzeln, noch bevor unsere Nahkämpfer zur Hilfe eilen können.

Warhammer: Mark of Chaos - Battle March - Endlich: Mit den Grünhäuten in die Schlacht.

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Wer vor diesen Burschen keine Angst hat, muss Sauron heißen. Oder lebensmüde sein…
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In solchen Situationen würden wir die Entwickler am liebsten den Orks zum Fraß vorwerfen. Mit den schuppigen Grünhäuten wollen wir den Artikel dann auch seinem Ende zuführen. In all ihrer brutal anmutenden Pracht haben die ruppigen Gesellen nämlich durchaus ein Lob verdient. Das Design der Rasse ist den Entwicklern trotz unverkennbarer Parallelen zu den restlichen Völkern, allen voran den Horden das Chaos, gut gelungen.

Mit Battle March erwartet uns Addon-Standardkost. Die Gretchenfrage: Gelingt das Balancing?Ausblick lesen

Zu den coolsten Einheiten des Ork-/ Goblin-Gespanns zählen tückische Speerwerfer, rabiate Wildschweinreiter und turmhohe Trolle, die gleich mehrere Feinde wegschleudern. Überhaupt: Es macht einfach Spaß, mit den grunzenden Schlägern untersetzte Zwerge windelweich zu prügeln. Nur vor den Hochelfen solltet ihr euch vorsehen. Vor denen fürchten sich die tumben Haudraufs nämlich wie gamona-Redakteure vor dem Sonnenlicht.