Einsam, still und leise hält es die Flagge hoch. Die Flagge eines Genres, das einst als beliebtestes aller galt, diese Auszeichnung aber längst an Action- und Rollenspiele abgeben musste. Die Rede ist von „Warhammer: Mark of Chaos – Battle March”, der offiziellen Erweiterung zum Echtzeitstrategie-Schwergewicht von Ende 2006.

Fürwahr, die Trauer treuer Genre-Anhänger über die andauernde Spielearmut ist zu spüren. Nur ganz vereinzelt macht sich Hoffnung breit, etwa in Form der potentiellen Megaknaller „StarCraft“ und „Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3“. Bis die erscheinen, ziehen unglücklicherweise noch so einige Tage ins Land. Ob „Battle March“ über die Dürreperiode hinweg tröstet und die vielen kleinen Schwächen des Hauptprogramms ausbügeln kann, verraten wir euch im Folgenden.

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Alle Stumpenz müss’n sterb’n!

Vom Osten her strömen unaufhaltsame Massen von Orks und Goblins über die Berge. Dutzende Grünhaut-Stämme haben sich unter einem mächtigen Ork-Waaaghboss vereinigt. Erregt von der Aussicht auf Krieg, Beute und blutige Schlachten lassen sie ihren grausamen Waaagh-Kriegsschrei erklingen. Die Berge erzittern unter dem Dröhnen der Kriegstrommeln, während die Krieger zu tausenden in das belagerte Imperium einströmen und nur eines im Sinn haben – alles zu vernichten, was auf ihrem Weg liegt.

Warhammer: Mark of Chaos - Battle March - Waaaaagh! Das Addon weckt den Ork in dir.

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Germany’s Next Topmodel: Die diesjährigen Finalisten sind gewöhnungsbedürftig.
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So einfach gestrickt (um nicht zu sagen dämlich) die Orks auch sind, mit ihrer gnadenlosen Brutalität machen sie diese Schwäche mit einem blutüberströmten Fingerstreich wieder wett. In der neuen Kampagne mit insgesamt drei Kapiteln übernehmt ihr in unregelmäßigen Abständen sowohl die ruppigen Grünhäute als auch die ebenfalls frisch implementierten Dunkelelfen. Diesen düsteren Gesellen fehlt es im Gegensatz zu den Erstgenannten zwar an Muskelkraft.

Das kompensieren sie indessen mit List, Tücke und der Unterstützung teuflischer Dämonen wie Hydras, Harpien oder Drachen. Die künstlerische Gestaltung der zahlreichen neuen Einheiten ist den Entwicklern erneut formidabel gelungen. Reich verzierte Rüstungen und überproportional große Waffen sorgen dafür, dass ihr immer wieder an die Truppen heran zoomt und ihnen beim Kämpfen über die Schulter schaut.

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Ein romantisch verklärter Blick auf die Brutalität der Orks.
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Umso unverständlicher sind in Anbetracht dieser Opulenz die langweiligen, graubraunen Schlachtfelder mitsamt ihrer schwammigen Bodentexturen. Trotz teils netter Monumente, Altare oder Ruinen ist das grafische Gerüst der Maps eine herbe Enttäuschung, die im Vergleich mit den superben Einheiten doppelt ins Gewicht fallen.

Dich kenn` ich doch!

Wer „Warhammer: Mark of Chaos“ kennt – und das müsst ihr, da dessen Installation für den Genuss des Addons vorausgesetzt wird – weiß auch, dass sich der Titel voll und ganz den Schlachten, quasi dem Herz jedes Krieges, widmet. Mit Basenbau und Ressourcenmanagement beschäftigt ihr euch hier nicht. Stattdessen geht es ans Eingemachte. Und das am laufenden Band. Getreu der Tabletop-Vorlage führt ihr regimenterweise gigantische Heere in die Schlacht.

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Die Echsenreiter der Dunkelelfen: hinterhältig, brutal, effektiv!
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Nach gewonnenen Auseinandersetzungen reist ihr mit euren Truppen über eine schmucke Landkarte im „Schlacht um Mittelerde 2“-Stil und klappert Schlüsselpunkte ab, die vordefinierte Schlachten aktivieren. Zwischendurch schlagt ihr Camps auf, um gefallene Bataillone mit neuen Soldaten anzureichern oder deren Kampf- und Verteidigungswerte aufzumöbeln. Das für die Einheitenverwaltung notwendige Gold verdient ihr euch ganz profan durch gewonnene Kämpfe und eingesackte Klingelbeutel.

Klingt vertraut und ist es auch. Mit nennenswerten Neuerungen hält sich „Battle March“ stärker zurück als Paris Hilton mit intelligenten Aussagen. Das gilt insbesondere auch für das Missionsdesign. Von netten, an einer Hand abzählbaren Überraschungen, darunter etwa die Gedankenkontrolle mächtiger Riesen, die für euch Burgen einäschern, sind die meisten Aufträge altbekannt: Offene Feldschlachten, Stadtbelagerungen, Eskortaufträge – „Battle March“ spult das volle Standardprogramm ab.

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Die Ruhe vor dem Sturm: Jetzt gehen wir noch mal alle aufs Klo, dann wird gebrandschatzt.
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Einsteiger haben damit trotz dreier Schwierigkeitsgrade ihre Probleme. Unfaire Stellen innerhalb der Missionen lassen die Möglichkeit vermissen, jederzeit speichern zu können. Hinterhalte, die (im besten Fall) eure halbe Armee auslöschen, und knüppelharte Heldenduelle nagen ein ums andere Mal an der Motivation, Orks und Dunkelelfen bei der Unterwerfung der Welt zu unterstützen.

Schnick, Schnack, Schnuck

Dass die Balance zwischen den Rassen merklich ausgereifter ist als noch im Hauptprogramm, wissen aufmerksame Leser bereits seit unserer Vorschau. Das Stein-Schere-Papier-Prinzip verrichtet ihren Dienst ohne Fehl und Tadel. Will heißen: Magier verbrennen langsame Krieger aus der Distanz schnell zu Asche. Schnelle Reiter zerfetzen die Spitzhutträger dafür ebenso schnell im Galopp. An schwer bewaffneten Kämpfern beißt sich die berittene Kavallerie hingegen die Zähne aus.

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Die Tanzinnovation schlechthin: Detlef „D!“ Soosts neueste Choreographie mit unterentwickelten Möchtegern-Stars.
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Ende gut, alles gut? Nicht ganz! Nach wie vor zehren die seit „Warhammer: Mark of Chaos“ quasi unveränderte KI und Wegfindung an den Nerven. Häufiger als kritische Redakteursseelen es erlauben, reagieren Bataillone nicht auf Marschbefehle oder verirren sich auf halber Strecke. Das Resultat: Unnötig viel Micromanagement und erhöhte Blutdruckgefahr.