„Wenn Relic diesen qualitativen Standard aufrechterhält, können wir nur hoffen, dass es nicht die letzte Erweiterung ist“, schrieb Kollege Leo anlässlich seiner Rezension von Dawn of War 2: Chaos Rising, der ersten Erweiterung des vorzüglichen Echtzeitstrategiespiels. Knapp ein Jahr später veröffentlicht Entwickler Relic Entertainment tatsächlich die zweite Ausbaustufe dieser Strategiewundertüte und erreicht mit „Retribution“ mühelos die Qualität seines Vorgängers.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 – Retribution - Space Marines gegen Chaos2 weitere Videos

Nachdem Chaos Rising einen kleinen Zeitsprung von einem Jahr machte, versetzt uns das auch ohne Hauptspiel lauffähige Add-on gleich ein Jahrzehnt in die Zukunft, und natürlich hat sich die Lage um keinen Deut gebessert: Nach wie vor schlagen sich die verschiedenen Fraktionen gegenseitig die Köpfe ein. Orks gegen Eldar, Space Marines gegen Chaos, alles wie gehabt: jeder gegen jeden. Doch nun hat das Imperium die Schnauze gestrichen voll und will dem ganzen Hokuspokus ein Ende bereiten. Also setzt es einen Vorgang namens „Exterminatus“ in Gang, der alle Lebewesen auf allen Planeten des Sektors Aurelia auslöschen soll.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 – Retribution - Chaos war gestern - jetzt heißt es: Vergeltung!

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So empfängt man hier also Gäste, ja?
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Wer das verhindern will, muss sich mit einer der nun insgesamt sechs Parteien durch die 16 Kampagnenmissionen metzeln. Für welche Seite ihr euch auch entscheidet, die Geschichte wird stets aus dieser Perspektive erzählt und so bietet Retribution tatsächlich nicht nur sechs unterschiedliche Enden und dementsprechend viel Wiederspielwert (auch wenn die Maps jeweils recycelt werden), sondern auch Armeen, die sich spürbar spielerisch voneinander unterscheiden.

Somit ist auch klar, dass das Imperium als neue Fraktion eine Rückkehr feiert und ihr nun auch dessen Elitesoldaten ins Gefecht führen dürft. Angeführt von Captain Apollo Diomedes macht ihr euch alternativ auch mit den Blood Ravens der Space Marines auf die Suche nach dem Abtrünnigen Gabriel Angelos. Doch im Verlaufe des Spiels zeigt sich, dass nicht alles so ist, wie es euch von den mächtigen Anführern eingetrichtert wird. Mehr wollen wir an dieser Stelle lieber nicht verraten... Nur so viel noch: Wenn ihr euch für den normalen Schwierigkeitsgrad entscheidet, werdet ihr mithilfe der bis zu vier Helden in ca. acht Stunden recht locker durch die auch kooperativ spielbare Kampagne spazieren - auch abhängig davon, ob ihr die fakultativen Nebenmissionen bestreitet.

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Das Missionsdesign ist durchaus abwechslungsreich, auch wenn die Spielführung sehr linear gehalten ist.
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Das sei jedoch jedem empfohlen. Nicht allein, um die Spielzeit zu strecken, sondern auch, um den vielen kurzen und längeren eingespielten Dialogen zu lauschen, mit denen die Geschichte vorwiegend erzählt wird. Das ist nicht spektakulär inszeniert, aber immerhin solide. Darüber hinaus könnt ihr hier zusätzliche Erfahrungspunkte einheimsen, mächtige Gegenstände (wie Rüstungen, Waffen und Zusatzausrüstung) sowie Boni ergattern und einige sonst unzugängliche Nebenkriegsschauplätze entdecken. Abgesehen davon werdet ihr eure Helden wohl auch nur auf diesem Wege auf die maximale Stufe 10 bringen und sie mit allerlei netten Items und Fertigkeiten ausstatten können.

Wie im Hauptspiel auch begleitet euch eine ganze Reihe von weiteren Einheiten in die abwechslungsreich gestalteten Missionen, eure Recken sind nie auf sich allein gestellt. Zwar kommt es nie zu regelrechten Massenschlachten, aber ein Dutzend Einheiten verschiedenster Parteien tummelt sich gelegentlich doch auf den oft hübschen Schlachtfeldern. Daneben begeistert „Retribution“ mit tollen Partikeleffekten und sehr schönen Charakter- und Vehikelmodellen.

Held oder Ehrengarde?

Ihr habt vor dem Missionsstart sogar die Möglichkeit, die Anzahl eurer Einheiten noch zu vergrößern, also die maximale Bevölkerungszahl anzuheben - wenn ihr einen oder mehrere der Helden zugunsten der (kostenlos wiederbelebbaren) Ehrengarde zu Hause lasst. Im Prinzip gibt es dafür jedoch selten Anlass, denn die Protagonisten sind mit ihren vielfältigen und sehr effektiven Spezialfertigkeiten wie Artillerieunterstützung oder Heil- und Reparaturkräften sehr schnell fast übermächtig und fürchten kaum einen Feind. Die acht regulären Einheitentypen müssen peu à peu freigeschaltet werden und sind bereits überwiegend bekannt. Je Fraktion gibt es einen Neuling, was aber kaum etwas am bewährten Dawn-of-War-II-Spielgefühl verändert.

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Gelegentlich kann es schon ein wenig unübersichtlich werden...
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Wie schon gesagt sind die Aufgaben zwar recht vielseitig aufgebaut, aber größtenteils linear gehalten. Meist klappern wir mit unserem kleinen Trupp einen Punkt nach dem anderen ab, vernichten dort alle Feinde, erobern Ressourcen wie Energie- und Anforderungspunkte und „züchten“ noch ein paar Einheiten nach. Selber müssen bzw. dürfen wir allerdings nach wie vor keine Gebäude errichten. Der Widerstand der feindlichen Infanterie und Vehikel hält sich meist im überschaubaren Rahmen. Haben wir wichtige Behausungen einmal eingenommen, versuchen die zwar aggressiv agierenden, aber leicht auszurechnenden KI-Kontrahenten, überhaupt nicht, sie uns wieder abzujagen.

Verzwickt und stressig wird es höchstens dann, wenn euch aufgrund eines Zeitlimits die heruntertickende Uhr künstlich in Aufregung versetzt. Aber auch hier sind die Grenzen sehr „human“ gesetzt, sodass kaum jemand in eine ernsthafte Bredouille kommen dürfte. Unübersichtlich wird es in Situationen, wenn der Bildschirm von einer Vielzahl von sehenswerten Effekten dominiert wird, Explosionen den Boden aufwühlen und dabei Krater hinterlassen oder plötzlich ein halbes Dutzend Widersacher vom Himmel „fällt“, mitten in unsere Armee kracht und die Physik-Engine Figuren über die Map purzeln lässt.

Nicht nur Warhammer-Fans dürften an diesem RTS ihre helle Freude haben.Fazit lesen

Allerdings spielt sich „Retribution“ keineswegs von selbst. Der Trick liegt darin, auch wirklich die vielfältigen Fertigkeiten der Einheiten zum eigenen Vorteil zu nutzen - also in Gebäuden versteckten Feinden mit Granaten oder Flammenwerfern einzuheizen, gepanzerte Fahrzeuge mit entsprechenden Raketenmannschaften zu bekämpfen und das vielseitige Arsenal der Helden und aller Klassen auszuschöpfen.

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Sehenswerte Partikeleffekte verzücken das Auge.
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Es ist sogar möglich, seine Untergebenen auf bestimmte Scharmützel vorzubereiten und die Art der Bewaffnung ad hoc zu ändern, um so taktische Veränderungen vorzunehmen. Die Anzahl der Spezialfertigkeiten hält sich gerade noch so im überschaubaren Rahmen, das Mikromanagement ufert nie in frustrierende Momente aus. Letztendlich ist es zudem einer der motivierendsten und fast schon suchterzeugenden Aspekte, all seine Helden zwischen den Missionen aufzuleveln, ihnen neue Gegenstände mit auf den Weg zu geben und so den Spielstil individuell zu gestalten.

Apropos individuell: Wer das Hauptspiel und „Chaos Rising“ gespielt hat, kann per Importfunktionen seine alten Helden und Statistiken auch in „Retribution“ weiterverwenden. Das ist natürlich insbesondere für den Mehrspielermodus von Belang, in den die frischen Einheiten des Imperiums hervorragend integriert sind. Für den Online-Spaß ist übrigens ein Steam-Account zwingend notwendig, dafür könnt ihr die dort gespeicherten Spielstände via Datencloud aber auch auf anderen Rechnern abrufen und einfach weiterzocken. Neben den bereits bekannten Mehrspielermodi erwartet euch zudem „Der letzte Widerstand“, ein unterhaltsamer Kooperativmodus, in dem ihr mit bis zu zwei anderen Spielern Wellen an Feinden erledigt und dabei Jagd auf mächtige Gegenstände und Erfahrungspunkte macht.