Nottingham, England. Dort wo einst Edelbandit Robin Hood durch die Baumkronen gesprungen sein soll, um von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben, hat eines der größten Spielspaßimperien unserer Zeit seinen Firmensitz. Seit 1975 entstehen hier im Games Workshop die phantastischen Figuren und Geschichten des Warhammer-Universums.

Unzählige Bausatzkästen wurden hier gefertigt, Romane erdacht, Lizenzen vertrieben – seit 1987 auch für das futuristische 40K-Universum. Eine dieser Lizenzen schnappte sich vor einigen Jahren das Entwicklerteam Relic, das Resultat der Zusammenarbeit heißt „Dawn of War“ und gilt bis heute unter RTS-Fans als Offenbarung. Und jetzt? Folgt Zusammenarbeit Nummer zwei – Offenbarung inklusive.

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Nur die Besten kommen durch

Warum wir uns sicher sind, dass auch „Dawn of War 2“ ein Meisterwerk werden dürfte? Weil wir in Nottingham zwischen orkischen Zinnfiguren, Warhammer-Memorabilien und überlebensgroßen Space Marine-Statuen nur Augen für die erstmals spielbare Vorabversion des heiß ersehnten Sci-Fi-Taktikkrachers hatten. Oder um es anders zu sagen: Selbst nach acht Stunden Spielzeit, konnte man uns nur schwer von unseren Testrechnern trennen.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Die Zukunft der Echtzeitstrategie in einem Spiel

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Ein einsamer Spacie bewacht das Games Workshop Hauptquartier in Nottingham.
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Dabei verläuft der Start noch recht gemütlich: Die Solokampagne will angetestet werden, ganze vier Stunden dürfen wir die ersten Planeten des Warhammer 40K-Universums bereisen und Missionen annehmen. Neuerdings verläuft die gesamte Kampagne nämlich non-linear – ihr entscheidet also selbst, welchen Auftrag ihr erfüllen möchtet und wann der richtige Zeitpunkt für einen aggressiven Vorstoß in unbekannte Regionen gekommen ist.

Anders als im Vorgänger verlaufen diese Missionen aber nicht nach dem „Basis bauen, Armee heranzüchten, Gegner überrennen“-Prinzip, das man so schon aus zig Echtzeitstrategie-Titeln zuvor kennt. Stattdessen stellt euch Relic ein kleines, hocheffektives Expertenteam zur Seite, welches es um jeden Preis zu beschützen gilt – eine Basis, in der man die kampfstarken Recken nachproduzieren könnte, gibt es nämlich nicht.

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Taktik-Großmeister David tüftelt über seinen nächsten Zug bei Warhammer-Tabletop.
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Die vier Squad-Commander, die ihrerseits etwa fünf Einheiten befehligen, rekrutieren sich aus verschiedenen Spezialistenteams: Scouts könnt ihr bei Bedarf tarnen, die schweren Bolter Marines geben mit ihren riesigen Geschützen aus sicherer Entfernung Feuerschutz und die gefürchteten Terminatoren-Trupps verarbeiten ihre Kontrahenten im Nahkampf zu extraterrestrischem Kleinholz.

Alle Mann in Deckung

Wäre dies der aktuelle C&C-Serienableger, könnte man an dieser Stelle das Kleinhirn bereits auf Durchzug schalten, einen großen Rahmen um sämtliche Einheiten ziehen und diese per Rechtsklick in die gegnerische Basis schicken – Mission accomplished. „Dawn of War 2“ würde derartiges Vorgehen jedoch schon mehrere hundert Meter, bevor man überhaupt die Mauern der Feindfestung erkennen kann, mit dem „Game Over“-Schriftzug quittieren.

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Wie in Company of Heroes haben dicke Panzer verschiedene Trefferzonen.
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Taktisch kluges Handeln ist hier kein Muss, sondern essenzielles Spielfeature: Jede der multiplen Fähigkeiten eurer Squads will vorausschauend und punktgenau eingesetzt werden, stumpfe Angriffsbefehle führen in den sicheren Tod. Nicht selten erfordert dies gar einiges an Hirnschmalz und Arbeit: Nahkämpfer wollen an vorderster Front positioniert, Granaten gezückt, Heilpacks geschluckt werden. Manchmal alles zugleich.

Gegen Ende der meisten Missionen trefft ihr dann auf einen der besonders harten Bossgegner, die es zum Teil richtig in sich haben: Viele der riesigen Brocken nutzen komplexe Angriffsketten, lassen den Boden unter euren Marines erzittern, teleportieren sich wild über die Karte oder schmeißen mit Thermalgranaten um sich. Hier sind Köpfchen und Beinarbeit gefragt – wer seine Squads statisch vor sich hin feuern lässt, gewinnt keinen Blumentopf.

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Angesichts dieser Übermacht ist Flucht die beste Wahl - eine Basis zum Nachschub- Bau gibt es nämlich nicht.
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„Dawn of War 2“ zwingt den Spieler förmlich zum „micromanagen“, führt allerdings sehr behutsam an komplexere Bedienelemente heran und gestaltet diese trotzdem so eingängig, dass selbst RTS-Einsteiger ihren Spaß haben dürften. Segnen eure Recken trotz aller Bemühung doch einmal das Zeitliche, kann eines der umstehenden Squads die Wiederbelebung einleiten – großer Frust bleibt also aus.

Hier ist jedes Wort zuviel überflüssig: Das Ding wird groß - Punkt!Ausblick lesen

Bei einigen neuen Features bedient sich Relic übrigens bei einem hauseigenen Produkt: Das „Cover“-System, welches Einheiten, die aus der Deckung heraus feuern, spezielle Vorteile gegenüber ungeschützten Gegnern bietet, und den „Rückzug“-Befehl, mit dem man angeschlagene oder fest genagelte Truppen blitzschnell zu einem Kontrollpunkt flüchten lässt, kennen RTS-Liebhaber bereits aus dem grandiosen „Company of Heroes“. Nicht das schlechteste Vorbild…

Gut gerüstet in die Schlacht

Sorgen bereiten in Punkto Einzelspieler aktuell nur zwei Dinge: Zum einen die Art der Erzählung. Statt die Handlung in spektakulären Ingame- bzw. Rendersequenzen fort zu führen, setzen die Entwickler auf simple Charakterportraits, die sich ellenlange Dialoge in Text und Ton vor die Füße werfen. Emotionen weckt man so kaum, zumal diese Form des Storytelling schon zu Zeiten von „Starcraft“ nicht mehr ganz taufrisch erschien.

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Da kracht's gewaltig: Im Multiplayer entbrennen um die Kommando-Punkte die heißesten Schlachten.
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Zum anderen wirkt das Missionsdesign noch relativ abwechslungsarm: Von etwa zwölf gespielten, entpuppte sich beinahe jede einzelne Mission als reiner „Search & Destroy“-Auftrag, in deren Verlauf wir lediglich den Weg zum nächsten Bossgegner finden müssen – auf Dauer wenig motivierend. Allerdings umfasst die Kampagne ganze 60 Missionen, die im späteren Verlauf sehr viel variabler werden sollen.

Auch wenn diese Zahl zunächst unverhältnismäßig groß erscheint, dürfte es an Motivation, um bis zum letzten Auftrag durchzuhalten, wahrlich nicht mangeln: Nach jedem Einsatz könnt ihr nämlich in Rollenspiel-Manier an euren Squads feilen: Für erledigte Gegner und erfolgreiche Aufträge sammeln eure Recken nämlich Erfahrungspunkte. Mit jedem neuen Level dürft ihr dann Skill-Punkte verteilen und so neue Fähigkeiten erlernen.

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Gewöhnungsbedürftig: Das Interface wirkt anfangs leicht überladen.
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Das Beste: In jedem Level hinterlassen die Gegner neue Ausrüstungsgegenstände und Waffen, die ihr nach verrichteter Arbeit auf eure Squads verteilen könnt. So entsteht ein ständiger Fluss an Motivation, wie man ihn z.B. aus MMOs kennt. Zudem kommt ein taktisches Element hinzu: Da ihr nur vier Squads in jede Mission führen könnt, müsst ihr die vorhandenen Truppen clever auf die verschiedenen Aufträge abstimmen.

Mehr Spieler im Mehrspieler

Die wirklich gewaltigen Geschütze fährt „Dawn of War 2“ jedoch an anderer Stelle auf: Der Multiplayer-Modus gehört – soviel können wir nach ausgiebigem Probespiel ebenfalls sagen – punktum zum Besten, was das Genre derzeit zu bieten hat. Relic vereint in „DoW 2“ nämlich frech sämtliche Vorzüge des ersten „Dawn of War“ mit jenen des Taktik-Krachers „Company of Heroes“ – samt kleiner Änderungen.

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Haltet ihr die Kommandopunkte eine gewisse Zeit lang, habt ihr das Gefecht gewonnen.
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So fällt der Basis-Bau auch hier der straffenden Schere zum Opfer. Lediglich ein Hauptgebäude steht jedem Spieler zur Verfügung, welches von einem provisorischen Geschützturm vor all zu frühen Rush-Attacken bewahrt wird. Im Laufe einer Partie könnt ihr das Gebäude jedoch gegen Ressourcen aufrüsten und erhaltet so Zugriff auf sehr viel schlagkräftigere Einheiten.

Der eigentliche Ressourcengewinn verläuft wie in CoH: Überall auf den Multiplayer-Maps sind strategisch wichtige Kommando- und Energiepunkte verteilt, die ihr so schnell wie möglich einnehmen müsst, damit ein steter Ressourcenfluss gewährleistet wird. Natürlich hat dieses System einen nicht unerheblichen Knackpunkt: Ähnlich schnell wie sich diese Punkte einnehmen lassen, können sie vom Gegner zurückerobert werden – ruhig dürfte es während einer „Dawn of War 2“-Schlacht also selten werden.

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Energie ist die wichtigste Ressource im Spiel: Verteidigung dieser Punkte ist unerlässlich.
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Außerdem neu auf dem prall gefüllten Feature-Zettelchen: die Helden-Einheiten. Jede der vier Fraktionen (Eldar, Orks, Tyranniden, Space Marines) darf zwischen drei besonders versierten Heroen wählen, die ihrerseits auf bestimmte Taktiken spezialisiert sind. Der Force Commander der Spacies teilt etwa hervorragend aus, der Apothekarius ist hingegen ein Meister der Heilung und der Techmarine darf als defensiver Held Geschütztürme überall auf der Karte errichten.

In unseren Testsessions spielten sich die Gefechte dank des entschlackten Gameplays allesamt sehr flott, gerade einmal 10 bis 20 Minuten dauert ein durchschnittliches „Drei gegen Drei“-Match. „Dawn of War 2“ setzt dabei verstärkt auf Zusammenhalt: Nur wer sich ausgiebig abspricht und Taktiken klug kombiniert, trägt auch den Sieg davon – allein schon, weil man sich sämtliche Ressourcen und globale Fähigkeiten (Superwaffen wie das orbitale Bombardement) teilt.