Bei der Zusammenstellung des Leser-Awards mussten wir kurz schlucken: Gerade einmal eine Handvoll Titel ließen sich für die Kategorie „Bestes Strategiespiel 2008” ausmachen, bis auf das x-te „Command & Conquer“ und kleine Experimente der Marke „Worldshift“ sah es vergangenes Jahr reichlich mau aus für Taktiker und Micromanager.

Eine Krise? Mitnichten: Wer auf die Releaseliste des aktuellen Jahres blickt, wird ein paar der größten RTS-Hoffnungen der letzten Zeit entdecken können. Das erste Spiel auf dieser Liste könnte gleichzeitig sogar das letzte sein – denn wer dieses Meisterwerk erst einmal angefangen hat, will sehr wahrscheinlich so schnell nichts anderes mehr in sein DVD-Laufwerk einlegen.

Der Strategiekracher in Bild und Ton: gamona Video-Review zu Warhammer 40k: Dawn of War 2 auf der letzten Seite dieses Artikel oder hier klicken .

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Eldar - Trailer22 weitere Videos

Für den Imperator

„Sie müssen alle vernichtet werden”, denn „Orks und Eldar – sie sind doch alle gleich!” Und überhaupt: Unser Glaube „in den Imperator ist so fest wie Stahl“-Fans werden es schon bemerkt haben: Wir befinden uns mitten im Warhammer-Universum, wo die Charaktere immer ein bisschen überzeichneter, die Parolen ein bisschen lauter und die Explosionen sehr viel dicker sind. Wir befinden uns in „Dawn of War 2“.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Nieder mit den Feindes des Imperators: Die Spacies haben nichts von ihrem Glauben eingebüßt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Natürlich tilgt, exterminiert und mordet sich keiner so schön im Namen der Menschheit durchs All wie die allseits beliebten Space Marines, deren Oberkommando – so gehört sich das schließlich für ein waschechtes Echtzeitstrategiespiel – natürlich ihr übernehmt. In sage und schreibe über 50 Missionen führt ihr die frommen Ballerheinis durch die Tiefen des Alls und mäht dabei alles nieder, was nicht bei drei „Heil dem Imperator!“ rufen kann.

Packshot zu Warhammer 40k: Dawn of War 2Warhammer 40k: Dawn of War 2Erschienen für PC kaufen: ab 14,99€

Wie viele Missionen ihr im Laufe der non-linearen Kampagne tatsächlich spielen könnt, hängt dabei stark von eurem Geschick ab: Nur wenn ihr während eines Auftrags besonders gut abschneidet, schaltet ihr die bitter nötigen optionalen Missionen frei. Warum bitter nötig? Eure Space Marines erhalten mit jedem Gefecht Erfahrungspunkte, mit denen ihr im Laufe der Zeit das Charakterlevel erhöht.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Knapp 60 Missionen erwarten fleißige Strategen im Laufe der Kampagne.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Haltet ihr euch nun stur an die Kernaufträge der Kampagne, kann es passieren, dass euer Trupp irgendwann zu weit unter dem Level der Gegner steht – und dann in harten Feuergefechten gnadenlos niedergemäht wird. Gerade gegen Ende zieht der Schwierigkeitsgrad zum Teil deutlich an, die knappen Vorgaben zum Freischalten der optionalen Aufträge lassen sich dann kaum noch erreichen – auf Dauer ein Teufelskreis.

Speichern verboten

Erschwert wird das Ganze durch die Tatsache, dass ihr während einer laufenden Mission nicht speichern könnt. Das ist nicht etwa fiese Gängelei seitens Relic, sondern striktes Konzept: Die Entwickler wollen auch die Solokampagne so dynamisch wie möglich halten und inszenieren die interaktive „DoW2“-Sternekarte daher als sich stetig veränderndes Schlachtfeld, in dem die Grenzen fließend sind.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Leider kann man während der Missionen nur die Spacies spielen - Eldar, Orks und Tyraniden warten dafür im Multiplayer-Modus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Verliert ihr also eine Mission, gewinnt der Gegner an Territorium und ihr müsst an anderer Stelle um den erneuten Sieg kämpfen. Die Idee an sich ist toll: Endlich erhalten die sonst so austauschbaren Echtzeitgefechte eine gewisse Brisanz. Für den erfolgreichen Abschluss einer Mission muss man sich bisweilen richtig ins Zeug legen – errungene Siege schmecken so gleich doppelt so süß.

Ohne lange Umschweife: Dawn of War 2 ist ein Meilenstein, wie man ihn sonst nur alle Jubeljahre zu Gesicht bekommt.Fazit lesen

Allerdings hat dieses System auch seine Tücken: Zwar umfasst die durchschnittliche Spielzeit der meisten Missionen nicht mehr als 20 Minuten, etwa ab der Hälfte der Kampagne warten jedoch auch lange und komplexe Aufträge mit mehreren Teilaufgaben. Wer hier nach 45 Minuten heißer Gefechte am Ende doch noch das Zeitliche segnet, ist zu Recht gefrustet. Zudem ist man so gezwungen, jede Mission auch zu Ende zu spielen – wer mittendrin abbricht, verliert den Auftrag.

Vier Spacies für ein Hallelujah

Wie schon seit einiger Zeit bekannt, kommandiert ihr in „Dawn of War 2“ nur einen kleinen Trupp aus maximal vier Space Marine-Squads. Euer Kumpel Avitus etwa führt die Schweren Bolter-Trupps ins Feld, die nach kurzer stationärer Ausrichtung ordentlich Pfeffer aus den Mühlen blasen. Kollege Cyrus hingegen schmuggelt sich mit seinem Scout-Team hinter die feindlichen Linien und sorgt dort für Unruhe.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Gar nicht leicht: Trotz massiver Gegnerscharen befehligt ihr stets nur vier Squads.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Welche Squads ihr in die Vierertruppe auf- und in die Schlacht mitnehmt, obliegt eurer eigenen Entscheidung. Allerdings müsst ihr auch hier immer ein Auge auf das Level eurer Truppen halten – die Daheimgebliebenen erhalten nämlich keine bzw. nur sehr wenige Erfahrungspunkte und werden so ziemlich schnell ziemlich unbrauchbar. Eine gute Mischung der Truppen ist ohnehin Pflicht, viele Aufträge werden durch die Wahl der Squads erheblich leichter.

Durch diese Minimierung der Einheitentrupps gewinnt „Dawn of War 2“ deutlich an taktischer Tiefe: Stets müsst ihr auf die Gesundheit eurer Truppen achten, Healthpacks nutzen oder spezielle Fähigkeiten verwenden, damit ihr überhaupt eine Chance in den heftigen Feuergefechten habt. Micromanagement ist hier zwingend erforderlich: Wer stur auf der Stelle stehen bleibt, wird meist im Handumdrehen von der nächsten Plasmagranate zerpflückt.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Dafür wachsen euch eure Mannen umso schneller ans Herz.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Wird es trotzdem mal eng, gibt sich „Dawn of War 2“ relativ spielerfreundlich: Gefallene Squadleader lassen sich jederzeit von den übrigen Kommandeuren wiederbeleben. Zudem findet ihr überall auf den Karten so genannte Nachschubspunkte – habt ihr diese eingenommen, könnt ihr dort problemlos gefallene Einheiten ersetzen oder die gesamte Squad-Gruppe heilen.

Alles muss versteckt sein

Zum Glück bestehen die – grafisch zum Teil grandios gestalteten – Karten nicht nur aus atemberaubend schöner Flora und Fauna oder alten Ruinen, sondern beherbergen alle paar Meter kleine, nützliche Kisten. Hierin finden eure Space Marines zusätzliche Handgranaten, frische Healthpacks oder sonstigen Kram, der euch das Leben als glaubensstarker Exterminator erleichtert.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Das Cover-System aus "CoH" erlaubt verschiedenste taktische Möglichkeiten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Und noch einen Vorteil hat sie, die tolle Levelarchitektur: Da „Dawn of War 2“ das geniale Deckungssystem des Relic-Meisterwerks „Company of Heroes“ nutzt, kämpfen eure Spacies hinter Felsvorsprüngen und Mauern wesentlich effektiver. Wird es eng an der Front, könnt ihr per Rückzugsbefehl den gesamten Trupp blitzschnell aus der Schusslinie befördern. Zudem wurden die Trefferzonen aus „CoH“ übernommen.

Ein absolut geniales, weil extrem motivierendes Feature, ist das neue Charakter-Management: Nach jeder Mission dürft ihr eure Squads mit gewonnen Items ausstatten oder (im Falle eines Levelaufstiegs) Punkte auf eure Talente verteilen. Diese erhöhen nicht nur die Zähigkeit und Schlagkraft der Squads, sondern bringen auch frische Fähigkeiten mit sich, etwa den Berserker-Kriegsschrei des Kommandeurs.

Auf Dauer kann es jedoch relativ ernüchternd sein, immer wieder dieselben Einheiten zu Felde zu führen: Zwar wachsen euch die kleinen Kerlchen relativ schnell ans Zockerherz – wer zwanzig Missionen lang stets die gleichen Squads steuern muss, dürfte sich alsbald über mangelnde Abwechslung beklagen.

Am Ende kommt es dick

Die Missionen bestechen im Großen und Ganzen durch ihre straffe Inszenierung: Von Beginn an geht es deftig zur Sache, der Actionanteil ist gigantisch, nach einer knappen Viertelstunde ist dann meist auch schon wieder Schluss. Besonders gelungen sind dabei die grandiosen Bosskämpfe am Ende eines jeden Levels, die in dieser Form bisher einzigartig im Echtzeitstrategie-Genre sind.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Großartig: Die finalen Bosskämpfe sind wunderbar designt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Durch eine Mauer aus mehreren zehntausend Lebenspunkten geschützt (zum Vergleich: Selbst euer starker Oberkommandierender hat lediglich 300 Hitpoints), teilen diese mächtigen Brocken nicht nur verdammt gut aus, sondern haben auch noch eine Reihe schmerzlich effektiver Spezialfähigkeiten in Petto, die etwa den Boden unter euren Füßen aufreißen oder gigantische Druckwellen erzeugen.

Übrigens mussten wir mit Erstaunen feststellen, dass sich Relic tatsächlich die Kritik nach unserem Besuch in Nottingham zu Herzen genommen und am Design der Missionen gefeilt hat. Liefen diese während unserer Preview-Session meist noch nach dem immergleichen Prinzip ab (Levelstart, zum Boss durchkämpfen, Ende), präsentieren sich viele Aufträge nun sehr viel variabler.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Erfreulicherweise dürft auch ihr später ziemlich dicke Geschütze auffahren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden10 Bilder

Ab und an dürft ihr nun auch Festungen für eine gewisse Zeit verteidigen, aktiviert an gut bewachten Generatoren die Stromversorgung der Verteidigungsanlagen oder rettet versprengte Trupps der imperialen Armee in den Ruinen einer zerstörten Stadt. Hierfür gebührt Relic unser Dank – auch wenn sich die Ideenvielfalt der Missionen trotzdem noch nicht mit den aktuellen Genrereferenzen messen kann.

Unverändert geblieben ist dafür die schmucklose Präsentation der Story: Nach jedem Auftrag werden am oberen Bildschirmrand kleine animierte Portraits eingeblendet, die in stimmigen Dialogen die Geschichte weiterspinnen. Sorry, aber das war schon zu Starcraft-Zeiten nicht mehr wirklich up-to-date. Warum man nicht erneut die tollen Ingame-Cutscenes des Vorgängers verwendet hat, ist uns schleierhaft.

Anfänger müssen draußen bleiben

Okay, die Solokampagne ist klasse – so richtig grandios wird „Dawn of War 2“ aber erst im Multiplayer-Part. Denn hier kommt die geniale Mischung der ohnehin schon gelungenen Mehrspieler-Modi aus dem Vorgänger und „Company of Heroes“ richtig zum Tragen: Schnell, direkt und explosiv in der Inszenierung richten sich die kurzen Scharmützel aber vor allem an Profis.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Ohne Ressourcen geht in den flinken Mehrspieler-Gefechten gar nichts.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Das liegt zum einen an der immensen Komplexität des Mehrspielerparts: Auf Basisbau müsst ihr auch hier verzichten, stattdessen kauft ihr in eurem einzigen Gebäude Upgrades und stoßt in die nächsten Tier-Stufen vor. Darüber hinaus gilt es ein Auge auf die – aus „Dawn of War 1“ bekannten – Ressourcen und Siegpunkte zu werfen. Nur mit ihnen gewinnt ihr überhaupt einen Blumentopf in den wilden Gefechten.

Zum anderen haben Relic ihr Spiel ganz klar für RTS- und Taktik-Profis konzipiert. Was in der Solokampagne schon Anfänger verschrecken könnte, lässt im Multiplayer-Part wohl auch den letzten Einsteiger verzweifeln: Ohne jegliche Erklärungen wirft man euch in die Gefechte, wer sich nicht schon an den unzähligen taktischen Möglichkeiten verschluckt, wird spätestens von der überladenen Benutzeroberfläche erschlagen.

Warhammer 40k: Dawn of War 2 - Der Strategie-Meilenstein im Test! Mit Video-Review

alle Bilderstrecken
Die neuen Heldeneinheiten bringen zusätzliche Würze ins Geschehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 73/831/83

Und dann gibt es ja auch noch die Helden: Sowohl auf Seiten der Space Marines, Orks, Eldar als auch der Tyraniden dürft ihr aus je drei Heldenklassen wählen, die allesamt unterschiedliche Fähigkeiten und Talente besitzen und zudem während des Gefechts mit verschiedensten Gegenständen ausgerüstet werden können. Genial für Profis, der Komplexitäts-Overkill für Dawn of War-Frischlinge.