Dawn of War 2 ist in aller Munde - doch wenn die Space Marines auf Orks, Eldar und Tyraniden gehetzt werden, kommen auch Erinnerungen an ältere Spiele wieder hoch. Denn Games aus dem "Warhammer 40.000"-Universum gibt es schon seit 1992.

Im ersten Teil unseres großen "Warhammer 40k"-Specials haben wir euch alles wissenswerte über die Hintergrundgeschichte der Völker erzählt. Diesmal entführen wir euch in vergangene Jahrzehnte, präsentieren alle Spiel-Umsetzungen des erfolgreichen Tabletops und wagen auch einen Blick in die Zukunft.

Space Crusade (Gremlin, 1992)

Als das erste Computerspiel im "Warhammer 40k"-Universum erscheint, sind inzwischen fast vergessene Gerätschaften populär. Das auf dem Brettspiel "Starquest" basierende Space Crusade gab es für Amiga, Amstrad CPC, Atari ST, Commodore 64, ZX Spectrum und den PC (DOS). Wer sich noch an die Brettspiele vom Games Workshop erinnert, der weiß genau, was ihn erwartet: Rundenbasierte Strategie, aber mit hohem Glücksfaktor.

Warhammer 40K - Alle Warhammer 40k Games auf einen Blick

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Bunt wie Hund: In Space Crusade könnt ihr euch eure grelle Servorüstung selbst aussuchen.
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Ähnlich wie bei Dawn of War 2 steuert der Spieler einen Trupp Space Marines, allerdings nicht in freiem Gelände, sondern in Raumstationen oder -schiffen, in denen fiese Aliens hausen. Da sich "Space Crusade" in einer isometrischen Pseudo-3D-Ansicht präsentiert, ähneln die farbigen Marine-Rüstungen auf den ersten Blick doch eher Ostereiern mit Geschwülsten. Wahlweise werden Blood Angels (rot), Imperial Fists (gelb) oder Ultramarines (blau) durch die futuristischen Gänge gesteuert.

Zukunftsorientiert war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung neben der Spielumgebung auch der Wechsel der Ansicht: Wenn im Kampfgeschehen mehr Überblick nötig wird, kann auf Taktikperspektive umgeschaltet werden. Diese Übersichtskarte des Raumschiffes zeigt die eigenen Truppen, gegnerischen Aliens und alles was sonst noch wichtig ist.

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Würfel oder stirb! Wer hier keine ordentliche Portion Glück mitbringt, ist selbst Schuld.
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Insgesamt ist Space Crusade ein unterhaltsames Spiel – wenn man Geduld mitbringt. Durch die Brettspiel-nahe Umsetzung ist es häufig pure Glückssache, denn Treffer werden ähnlich wie in "DSA" erwürfelt. Ob der Marine mit seinem Bolter wirklich den grundsätzlich schwächeren Gretchin wegpustet, oder das kleine Alien sich erfolgreich zur Wehr setzt, hängt also lediglich von eurem Würfelglück ab. Und sollte es damit nicht klappen, dann hilft nur eins: Immer wieder probieren, bis der fiese Grünling endlich gefallen ist.

Ein Lichtblick für gelangweilte Rundenstrategen

Space Hulk (EA, 1993)

Nur wenig später kommt mit "Space Hulk" erneut eine Brettspiel-Umsetzung auf den Markt, jedoch lediglich für Amiga und PC. Witzigerweise basiert es auf dem gleichnamigen älteren Brettspiel aus dem jahre 1989, welches erstmals die heute so bekannten "Tyraniden" zeigt. Damals noch unter dem Namen "Genestealer" unterwegs, haben die vierarmigen Aliens sogenannte Space Hulks befallen - Gebilde aus mehreren, zusammenhängenden Raumschiffen, die scheinbar ungesteuert durchs All treiben.

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Pah, Space Marine sein ist doch langweilig! Nur Terminatoren rocken so richtig.
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Doch diesmal kämpfen sich nicht reguläre "Space Marines" durch die Horden von Feinden, sondern die mit Abstand zähesten Verteidiger der Menscheit: Terminatoren. Mit ihrer speziellen Rüstung zwängen sie sich durch die Gänge, um der größten Gefahr der Galaxie zu begegnen. Die Genestealer suchen nach Opfern, denen sie ihre DNA einpflanzen können. Da kommen die menschlichen Terminatoren genau richtig.

Ein Kommandant gibt die Ziele für die jeweilige Mission aus: Verbrenne Raum X, finde Artefakt Y oder erreiche Punkt Z, alles mit tiefer Stimme und einer gehörigen Portion Pathos. Dazu kommt die Musikuntermalung, die das Flair des "Warhammer 40k"-Universums ausgezeichnet transportiert. Zwei wesentliche Unterschiede hat "Space Hulk" gegenüber "Space Crusade": Die isometrische Ansicht ist einem Kommando-Schirm gewichen, der die Sicht von fünf Terminatoren parallel zeigt und auch als Steuerzentrale genutzt werden kann und man hat sich von der rundenbasierten Steuerung verabschiedet.

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Übersicht behalten und keine Panik schieben lautet hier die Devise.
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Nun machen angsteinflößendes Grollen und markerschütternde Schreie den Spieler in Echtzeit vor dem Bildschirm nervös. Für die taktische Planung in der Draufsicht kann "Space Hulk" zwar kurz unterbrochen werden, die mögliche Dauer ist jedoch abhängig von der Zeit, wie lange der Spieler zuvor auf eine Pause verzichtet hat. Das Ergebnis ist eine permanente Drucksituation, die die beengende Atmosphäre ungemein verstärkt. Space Hulk fesselt, weil es Echtzeitstrategie, First-Person-Shooter und taktische Planung geschickt vereint – und die Spielbalance nahezu perfekt ist. Ein Meilenstein der Warhammer-40k-Spiele.

Space Hulk: Vengeance of the Blood Angels (EA, 1996)

Ganze drei Jahre später erschien der lang erwartete Nachfolger „Vengeance of the Blood Angels“ für PC, 3DO, Playstation und Sega Saturn. Jedoch kann der Titel nur wenig überzeugen, denn das Spielkonzept wurde an keiner Ecke aufgewertet - dafür gibt es allerdings bessere Grafik und eine Multiplayer-Option, in der jeder Mitspieler im Netzwerk einen Terminator aus der Ich-Perspektive steuern kann. Doch leider sind die Genestealer so stark und die Level so unübersichtlich, dass die tolle Multiplayer-Idee kaum zur Entfaltung kommt.

Der Anfang vom Ende

Final Liberation (Mindscape/SSI, 1997)

Während "Space Hulk" und sein Nachfolger zeitgemäß waren, ist "Final Liberation" aus dem hause Mindscape einen Schritt zurück. Mindestens. Fünf Jahre nach "Space Hulk" heißt es für Fans: Zurück zur Rundenstrategie. Für Nicht-Kenner der Tabletop-Vorlage ist Final Liberation eigentlich gar nicht zu ertragen. Eintöniges Leveldesign, schlechte KI, fragwürdige Spielbalance. Das erkennen auch deutsche Spielemagazine, deren durchschnittliche Spielwertung bei knapp über 60 Prozent liegt.

Im Einzelspieler-Modus kommandiert der Spieler "Space Marine"-Truppen, die er auf isometrischen Karten ins Feld führt. Missionsübergreifend wird der virtuelle Kommandant von seiner Armee begleitet, die im Laufe der der Kampagne übrigens immer größer wird. Doch die der gegnerischen Orks leider auch. Und da sich der Schwierigkeitsgrad der Truppenstärke des Spielers anpasst, ist Frust vorprogrammiert. Doch es kommt noch dicker.

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Wer einmal weiß wie's geht, hat in Final Liberation keine Probleme mehr.
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Denn hat der Spieler einmal den Taktik-Dreh raus, ist "Final Liberation" nur noch langweilig. Da die Armeen meist von gegenüber liegenden Kartenenden starten, ist es ein leichtes, die Orks einfach kommen zu lassen. Die Artillerie feuert aus allen Rohren, was die meisten Gegner schon zerlegt hat, bevor sie überhaupt ihrerseits in Schussreichweite gekommen sind. Den Rest erledigen dann die übrigen, mobileren "Space Marine"-Truppen. Diese Taktik funktioniert eigentlich in jeder Mission – bis auf die Letzte. Und die ist so schwer, dass ein Sieg unmöglich scheint. Cheats sind hier der einzige Ausweg.

Zum Abschluss noch etwas Positives: Die Filmszenen der Kampagne gehören zu den wenigen Lichtblicken und Motivationsfaktoren des Spiels. Übrigens, "Final Liberation" läuft nur unter Windows 95/98. Schade ist das nicht.

Das schreckliche Duo

Dem Epic-40.000-Ableger folgte das schreckliche Duo: Mindscape hatte aus den höchst durchwachsenen Bewertungen zu "Final Liberation" nicht gelernt und setzte Fans des "Warhammer 40k"-Tabletops in kurzer Zeit erneut zwei dröge, rundenbasierte Strategiespiele vor.

Chaos Gate (Random Games/Mindscape/SSI 1998)

Bei Chaos Gate übernimmt der Spieler das Kommando über eine kleine Eingreiftruppe der Ultramarines, um die Galaxie vom Chaos Lord Zymran zu befreien. Dabei gilt es insgesamt 15 Level zu überstehen, in denen die jeweils mit Aktionspunkten ausgestatteten Einheiten versuchen, die "Word Bearer Marines" aus dem Auge des Terrors zu besiegen.

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Chaos Gate punktete mit gruseliger Atmosphäre. Das war's aber auch schon.
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Besonders beeindruckend sind dabei die wenig ansprechenden Animationen, die sich zu allem Überfluss auch noch ständig wiederholen. Natürlich, eine so umfangreiche Tabletop-Vorlage wie "Warhammer 40k" in ein actiongeladenes, dynamisches PC-Spiel zu verwandeln, ist kein Zuckerschlecken. Doch die Entwickler von Random Games hätten wenigstens etwas innovativer an die Umsetzung herangehen können. Immerhin stimmte wenigstens die Atmosphäre.

Rites of War (DreamForge/Mindscape/SSI 1999)

Das ein Jahr nach "Chaos Gate" veröffentlichte "Rites of War" ist nur in einem Punkt innovativ: Es wurde von einem anderen Studio entwickelt. Das Spielprinzip dagegen ist gleich: Rundenbasierte Strategie, grafisch etwas aufgepeppt. Wieder sind die menschlichen "Space Marines" involviert, jedoch als gegnerische Invasoren, die der Spieler in der Rolle Eldar zu vertreiben versucht.

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Auch auf Seiten der Eldar wurden die öden Rundenstrategietitel nicht besser.
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Im Laufe der Kampagne verbünden sich die Truppen vom Weltenschiff Iyanden jedoch mit den Imperialen Streitkräften der Menschen, Space Marines sowie Adeptus Sororitas, um die angreifenden Tyraniden gemeinsam zurückzuschlagen. So weit die neue Geschichte, doch die alten spieltechnischen Probleme bleiben: Statische Truppen, eintöniges Leveldesign – ein Graus.

THQ übernimmt das Ruder

Fire Warrior (THQ, 2003)

Vier Jahre dauerte es, bis ein weiterer Titel für PC und Playstation 2 die Fans zum Kauf animieren sollte. "Fire Warrior" überraschte, denn im Vorfeld galt es als ausgemacht, dass der erste First-Person-Shooter im "Warhammer 40k"-Universum überhaupt nur gut werden konnte. Was soll auch schiefgehen? Wo überall und immer Krieg herrscht, kann ein Spiel aus dem Action-Subgenre nur gewinnen. Doch mehr als ein Standard-Spiel kam leider nicht heraus.

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Das ist Kais. Kais ist Krieger der Feuerkaste. Und hat eine ganz üble Waffe für euch im Gepäck.
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Als Kais, ein Tau-Krieger der Feuerkaste, läuft der Spieler zu Beginn durch Schützengräben und Bunker einer Kolonie, um einen Angriff der Space Marines abzuwehren. Im Laufe der Einzelspieler-Kampagne wird Kais per Angriffkapsel auf ein Imperiales Raumschiff verfrachtet, um Schiffskapitän Constantine gefangen zu nehmen. Später teleportieren sich auch Chaos Space Marines der Word Bearer ins Geschehen, dann fliegt Kais wieder auf den Planeten, … - insgesamt 21 Abschnitte müssen durchlaufen werden, doch nur bei wenigen Spielern reicht die Motivation bis zum Ende.

So positiv das Gefühl nach den wenig innovativen Titeln Ende der 90er Jahre auch ist, endlich einmal in halbwegs ansprechender Grafik durch eine "Warhammer 40k"-Umgebung zu laufen, so negativ sind Dinge wie Steuerung und Rahmengeschichte. Die Waffe hat ein extremes Triggerlag, zudem ist präzises Zielen nicht möglich – so wackelt das Fadenkreuz auch bei geübten Shooter-Veteranen unaufhörlich. Der britische Entwickler Kuju Entertainment hatte Fire Warrior ursprünglich für die Playstation 2 konzipiert – was die Probleme mit der Steuerung erklären könnte.

Space Marine (THQ, angekündigt)

Insgesamt war Fire Warrior nicht mehr als ein Anfang, auf eine angemessene Shooter-Umsetzung wartet die Fangemeinde noch heute. Ein Action-Licht am Ende des Tunnels könnte „Space Marine“ sein, das sich noch in der Entwicklung befindet – angeblich für PC, Playstation 3 und Xbox 360.

Als einzelner "Space Marine" wird sich der Spieler in dritter Person durch die Reihen der Gegner kämpfen - springt allerdings im ersten Ingame-Video so untypisch durch die Luft, dass das Gameplay eher an Lara Croft oder Prince of Persia erinnert. Bei der Games Convention 2008 befand sich das Spiel noch im Alpha-Status, einen Veröffentlichungstermin gibt es noch nicht.

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