"Das war keine Schlacht. Das war ein Gemetzel". Mit diesen Worten zog der junge Krieger melancholisch gen Heimat. Was er in den letzten eineinhalb Stunden erlebt hatte, war so actiongeladen, so brutal und so schockierend... Aber viel hängen geblieben ist trotzdem nicht.

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Eineinhalb Stunden vorher: Mit wenigen Erwartungen, aber dem festen Willen zu siegen, so macht sich der junge Krieger auf in den Kampf. Aber wenn er dachte, dass er sich einfach ins Schlachtgetümmel werfen könnte.... Nun, dann hat er damit recht. Doch bleiben ihm auch noch ein paar andere Optionen.

Der Mehrspielermodus des neuen Warhammer ermöglicht eine individuelle Gestaltung der Figur, egal ob Space Marine oder Chaos Marine. Der Editor erinnert ein wenig an die Konkurrenz aus Halo 4, erscheint auf den ersten Blick jedoch viel umfangreicher. Die Art der Rüstung, jedes Einzelteil, spezielle Fähigkeiten, Waffen und zusätzliche Tools: All das kann nach eigenem Geschmack ausgerüstet und eingefärbt werden.

Warhammer 40.000: Space Marine - Die Aufzeichnungen einer Schlacht

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Jetzt wird mal so richtig schön geballert.
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So lässt sich ein ganz eigener Marine gestalten, vom bösartigen Chaos Marine mit Knochenpanzer und Totenschädel bis hin zum regenbogenfarbenen Space Marine, bei dessen Anblick dem enthusiastischen Krieger die Augen zu bluten beginnen. Zwar lassen sich so unglaublich viele Kombinationsmöglichkeiten erreichen, jedoch bleibt das Grundprinzip der Rüstung und Ausrüstung immer gleich. Viel zur Auswahl haben wir sowieso nicht, da die meisten Gegenstände und Fähigkeiten erst mit höherem Level verfügbar sind, ergo....

... Erst mal loslegen und den Grünschnäbeln zeigen, wo der Hammer hängt. Als erstes stürzt sich der tapfere Soldat als taktischer Space Marine (als Pendant dazu: der Chaos Space Marine) in eine 'Auslöschung', die letztendlich nichts anderes ist als ein klassisches Team-Deathmatch.

Ausgerüstet mit einem Plasmawerfer für mittlere Distanz und einem fetten Scharfschützengewehr stürmen wir direkt drauf los. Es gilt, so viele gegnerische Einheiten zu töten wie möglich, also warum Zeit verlieren? Und da stellt sich uns auch schon der erste arme Kerl entgegen: ein Raptor, im Grunde nichts anderes als ein Chaos Marine mit Jet-Pack und Schwert.

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Der Herr der Fliege(n)r: die Sturmeinheit.
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Unser junger Held gibt ein paar Schüsse ab, verfehlt chancenlos, da sich die Steuerung zu Beginn anfühlt, als müsse man einen Panzer lenken, und verfehlt sein Ziel anschließend aus den Augen. Der miese Hund hat einfach die Abkürzung gen Himmel genommen. Und das nur, um wenige Sekunden später direkt hinter uns zu landen und unserem Emporkömmling mit zwei, drei Hieben den Garaus zu machen... Alles klar. So geht es also schon mal nicht.

Neues Leben, neues Glück! Diesmal versuchen wir, ein wenig taktischer vorzugehen, und postieren uns auf einer Erhöhung, beobachten gleichzeitig das Gewusel unter uns. Die Karten sind zwar nicht gigantisch groß, aber mehr als ausreichend für die maximal 16 Spieler, die gleichzeitig nach Ruhm und Ehre trachten können. Und genau bei dieser Observation fällt etwas auf: Spielt hier überhaupt irgendjemand mit etwas anderem als mit einer Sturmeinheit beziehungsweise einem Raptor?

Spaß macht der Mehrspielermodus auf jeden Fall. Aber bis jetzt wirkt das alles noch wenig markant.Ausblick lesen

Ob als Taktiker mit Scharfschützengewehr und Plasmawerfer oder als Devastator (bzw. Havoc) mit Laserkanone und Raketenwerfer... gegen diese Schmeißfliegen mit ihren Küchenmessern kommt man nur äußert schwer an. Sie fliegen, sie kloppen, sie ballern. Kurz: Sie sind auf den niedrigeren Stufen die besten gottverdammten Marines, die das Corps je gesehen hat.

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Teamarbeit ist das A und O.
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Um nun überhaupt eine Chance zu haben, muss der junge Soldat ständig in Bewegung bleiben und am besten in der Nähe seiner tapferen Kameraden. Er muss seine Granaten nutzen, ständig die Stellung wechseln und immer auf seinen Rücken achten. Die Steuerung funktioniert von Minute zu Minute besser und die Marines bewegen sich ziemlich realistisch. Rennt man beispielsweise wie ein Blöder und versucht dann augenblicklich zu stoppen, schlittert man in seiner Kampfrüstung noch ein paar Zentimeter weiter, bevor man endlich zum Stehen kommt/kommen kann.

Fazit so weit: Wer keine fliegende Blechbüchse spielt, hat kaum eine Chance. Sie sind schnell, sie sind stark und sie haben schlechte Laune. Wer hier überleben will, muss auf Teamarbeit setzen. Sturmeinheiten an die Front, taktische Marines für den Feuerschutz und hier und dort ein Devastator, um den anderen im Notfall den Arsch zu retten.

Sieh, der Rüstung strahlende Pracht

Wie durch ein Wunder (nennen wir es einfach THQ-Magie) steht uns plötzlich ein Marine mit dem maximalen Level von 41 zur Verfügung. Um so weit zu kommen, muss man eigentlich massenweise Perks sammeln, die man durch Headshots, gewonnene Runden, Rache-Kills und ähnliche Meisterleistungen ergattern kann. Großer Vorteil bei jedem Level-up: Es gibt neues Spielzeug im Editor.

Spätestens, allerspätestens jetzt kann sich jeder Warhammer-Fan den Space- oder Chaos Marine erstellen, den er sich wünscht. Dazu gibt es lustige Fähigkeiten (beispielsweise eine Sturmeinheit mit Gewehr statt Pistole neben dem Schwert) und jede Menge neue Waffen. Es soll ein großer Hammer sein? Oder ein cooler Helm? Vielleicht auch eine alles vernichtende Laserkanone? Kein Problem.

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Action steht ständig auf dem Programm.
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Neu ausgerüstet und voller Tatendrang schließen wir uns einem 'Annektieren'-Match an. Das Grundprinzip entspricht dem klassischen 'King of the Hill', und das sind alle Informationen, die der junge Marine braucht. Diesmal sind wir nicht so dumm wie noch vor einer halben Stunde: Wir rüsten unsere Sturmeinheit mit den besten Waffen und Fähigkeiten aus und zeigen den Chaos-Freaks mal, wer hier das Sagen hat.

Und wieder werden wir überrascht: Als wir eigentlich brav Punkte einnehmen und halten wollten, sehen wir, dass es kaum noch fliegende Marines gibt. Nur noch wenige greifen auf diese Klasse zurück und der Grund dafür ist offensichtlich: Ab einem gewissen Level kann der fliegende Toast, ähm, Tod nicht mehr mit den anderen mithalten. Die Schüsse des Taktikers sind absolut tödlich und der Devastator wird zu einer unaufhaltsamen Kampfmaschine.

Klar, im Nahkampf macht dem Jet-Pack-Mann niemand etwas vor, aber leicht ist es nicht mehr. Wer jetzt etwas reißen will, sollte lieber auf eine der anderen beiden Klassen zurückgreifen - und genau das tun wir auch. Also schnappen wir uns die ganz dicke Kanone und laufen zum ersten neutralen Punkt. Denn hier ist Schnelligkeit gefragt. Für jeden Punkt, der dem eigenen Team gehört, kommt der Sieg ein Stückchen näher.

Wie ein Fels in der Brandung wirkt der große, stämmige Devastator. Raptor und Chaos-Space-Marines werden wie die Fliegen vom Himmel geholt beziehungsweise über den Haufen geschossen. Klarer als Kloßbrühe: Diese Einheit ist der neue Champion. Da kann man nur hoffen, dass die Klassen bis zum Release noch ein wenig angepasst und ausgeglichen werden.

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In den höheren Leveln fast unbesiegbar: der Devastator.
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Die Zeit vergeht, das Abschlachten hält an. Was zu Beginn noch motivierte, verliert leider schnell an Reiz. Das liegt aber weniger am Mehrspielermodus an sich, erinnert er doch stark an Unreal Tournament, wenn auch mit einer weniger schönen Steuerung, als an der Tatsache, dass es bis jetzt nur wenige Karten und lediglich zwei Spielmodi zum Anspielen gab.

Aber auch abseits davon ist hier schnell die Luft raus: Es macht zwar Spaß, aber irgendwie macht fast jedes Multiplayer-Geballer Spaß. Und abgesehen von dem netten Charaktereditor deutete Warhammer 40.000 Space Marine beim Anspielen keine großen, frechen Ideen an. Der ganze Modus riecht bislang eher nach einem kleinen Bonus statt nach sorgfältig ausgebautem Spielbestandteil.

Er erinnert stark an eine Mischung aus Halo und Unreal. Wem das genug ist: wunderbar. Aber neue Ideen und Möglichkeiten sucht man bisher vergebens. Man muss sich dem Level der Gegner anpassen, in der Gruppe arbeiten und intelligent vorgehen, wenn es um die selbst erstellte Klasse und ihre Fähigkeiten sowie Waffen geht. Die Modi sind bekannt, die Klassen sind auch nicht neu und der Reiz des Neuen, des Frischen und Frechen hält nicht sehr lange an. Aber hey: Es ist ein solider Mehrspielermodus und er hat seine Existenzberechtigung, auch wenn ich mich nach wenigen Stunden nicht mehr erinnern kann, was ich eigentlich gespielt habe...