Meine Damen und Herren, herzlich willkommen zum ersten alljährlichen Wettbewerb „Welches Spiel hat den brachialsten Titel?“. Nachdem wir dieses Jahr schon ein paar heiße Kandidaten hatten, darunter Bulletstorm und Killzone 3, dürfen wir nun die Nominierung eines arcadigen Twin-Stick-Shooters vermelden, dessen Betitelung kaum noch direkter sein könnte. „Warhammer 40,000: Kill Team“ heißt das gute Stück und stammt zwar nicht von den Dawn-of-War-Machern Relic, soll aber als Anheizer für deren Third-Person-Metzler „Space Marine“ dienen, der im September erscheint.

Warhammer 40.000: Kill Team - Blutiger Trailer

Diese Verwandtschaft ist kaum zu übersehen, und noch bevor wir uns ans Spiel machen, lässt das THQ-Hausstudio Digital Warrington (dessen Schließung übrigens vor etwa einem Monat bekanntgegeben wurde) unsere ersten Alarmglocken schallen. Den Spieler noch vor dem eigentlichen Ballerfest mit einer Werbung zuzudröhnen, er könne durch „Kill Team“ ein besonderes Schwert in „Space Marine“ freischalten, halte ich für kein Zeichen von großem Vertrauen. Sollte nicht jeder Titel mehr sein als nur ein Anhängsel zu einem größeren Spiel? Und haben in letzter Zeit witzige Iso-Shooter wie „Dead Nation“ nicht bewiesen, dass dieses Genre viel kann?

Ich mache keinen Hehl daraus: Ich bin ein unverschämt großer Warhammer-40k-Fan. Diese überzeichnet grimme Welt, in der Soldaten ihre Handgranaten anbeten und jeder, aber auch wirklich jeder Dreck am Stecken hat, reizt mich ungemein.

Warhammer 40.000: Kill Team - Hauptsache Warhammer

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Die Warhammer-Welt ist gewohnt düster.
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Und da in dieser Welt niemand „der Gute“ ist, finde ich es auch fast ein bisschen schade, dass man in „Kill Team“ mal wieder die Space Marines steuert – die Speerspitze des menschlichen Imperiums, angeführt vom komatösen Gottimperator. Sie sind nun mal der Mario dieses Universums: universell begabt, in jeder Hinsicht Durchschnitt und zudem die Galionsfigur.

Viel enttäuschender finde ich jedoch, dass dem Spiel nicht mal der Ansatz einer Geschichte beschert wurde. Klar, wenn man einfach nur ballern will, dann reicht die vorliegende Prämisse „Space Marines zerstören von innen her ein Ork-Raumschiff“ sicherlich irgendwie aus, aber das ist auch wirklich alles, was wir kriegen – der Titel „Kill Team“ ist bereits die gesamte Inhaltsangabe. Nach der Landung bzw. dem Durchbruch ins Schiff sagt uns einfach eine körperlose Stimme, wahrscheinlich über Funk, wie es weitergeht, immer noch einen Schritt. Ich kann nicht umhin, das als Verschwendung zu bezeichnen, denn dieses Szenario kann mehr.

Packshot zu Warhammer 40.000: Kill TeamWarhammer 40.000: Kill TeamErschienen für Xbox 360 und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Dafür dürfen Spieler den Space-Marine-Orden wählen, mit dem sie in den Kreuza (ja, Orks schreiben das so) hineinkrachen. Das macht zwar spielerisch überhaupt keinen Unterschied, aber dafür sehen wir mal eine andere Farbe als Blood-Ravens-Rot und Ultramarine-Blau. Interessanter ist, dass wir auch zwischen vier verschiedenen Klassen wählen dürfen. Als Fernkämpfer treten der Techmarine und der schwere Geschütze auffahrende Protektorgardist an. Nur mit einer Pistole bewaffnet, dafür aber im Nahkampf bewandert sind der Scriptor und der Expugnatorgardist, jeweils mit Psi-Kräften bzw. einem Jetpack versehen.

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Generell: Die Kulissen sind echt nett anzuschauen.
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Bevor jetzt aber der Mund wässrig wird, wie wohl die Talentbäume aussehen werden, die an diesen Ausrüstungen kleben: Es gibt keine. Spielerisch hält Kill Team den Ball erstaunlich flach, noch mehr als andere Twin-Stick-Shooter ohnehin schon. Kämpferische Aktivitäten beschränken sich im Wesentlichen auf vier Manöver. Zunächst mal wären da schießen und kräftig zuschlagen, die Eckpfeiler des Spiels.

Tauchen aggressive Grünhäute in den linearen und weitestgehend geheimnisfreien Leveln auf, presst man entweder den rechten Analogstick in deren Richtung, um zu feuern, bis man entweder einen Daumenkrampf kriegt oder alle Fieslinge weg sind, oder prügelt den untersten Facebutton, bis alle Orkgesichter (später gibt es auch ein Wiedersehen mit einem anderen alten Feind) Bekanntschaft mit dem Energieschwert gemacht haben. Dann sind alle tot, man geht ein paar Meter weiter und wiederholt das Spielchen.

Mehr Dakka

Damit verbunden ist das dritte Manöver, nämlich sich entweder auf die Gegnermassen zu- oder von ihnen wegzubewegen, wahlweise auch im Sprint. Und die letzte Aktion sind zwei Spezialangriffe: der Wurf von zuvor aufgesammelten Fragmentgranaten und die Aktivierung einer im Kampf aufgeladenen Fähigkeit. Die ist je nach gespielter Klasse ein Bereichsangriff, ein Ansturm auf die Gegner, ein Buff für die Feuerrate oder der Aufbau eines Geschützturms.

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Aber irgendwann wiederholt sich alles - und zwar nicht erst nach Stunden.
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Darüber hinaus sammelt man aus der Umgebung immer mal wieder Power-ups, die heilen, buffen oder die Menge der verschossenen Kugeln erhöhen (jaja, Bolter benutzen keine Kugeln, ich weiß...). Nach jeder der insgesamt fünf Missionen schaltet man je nach Performance passive ausrüstbare Buffs frei – nichts Aufregendes hier, nur „mehr Schaden“ oder „mehr Leben“. Und zusätzliche Waffen für die vier Musketiere, bis jeder Marine insgesamt drei Knarren bzw. Schwerter hat.

Martialisch und etwas stumpf, aber kurzweiliges Geschnetzel. Eine magere Vorspeise für das hoffentlich fettere „Space Marine“.Ausblick lesen

Und das war's offenbar, es sei denn, das Spiel hat bei seinem Release plötzlich überraschend viele neue Funktionen. Das ist auch für die Verhältnisse des Genres spielerisch etwas dürftig, wenngleich sich das eigentliche Spielerlebnis ganz gut anfühlt. Wellen von Orkhorden zerschellen an unseren gepanzerten Helden, die Waffen zerfetzen grünes Fleisch, dass sich über das Innere des stilecht zusammengeflickt aussehenden Kreuzas verteilt, es ragdollt und havokt, dass es nur so eine Freude ist.

Zwischendurch ein Rätselboss (das Rätsel lautet „In welcher Reihenfolge muss ich was beschießen?“) oder eine Passage, in der man gegen ein paar Wellen aushalten muss, dann geht es wieder in den normalen Schlauchablauf, der nach einer Weile auch Veteranen auf die Daumen geht. Der Sound, insbesondere der Waffen, ist äußerst satt und befriedigend, das Ambiente passend, die Grafik, zumindest für ein Spiel aus der isometrischen Perspektive, gut.

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Gibt's im späteren Spielverlauf mehr als Massenkeilereien?
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Es sei dennoch die Frage erlaubt, wie viele Elemente genau THQ Digital Warrington bei Relic bzw. Dawn of War 2 entlehnt hat. Denn nicht nur einige Skins der Orks kommen mir erstaunlich bekannt vor, auch gewisse Musikstücke wie die „Mission bestanden!“-Fanfare wurden unverändert übernommen. Nun sind diese Grafiken und Melodien ja gut gemacht, aber es hinterlässt wiederum den hässlichen Verdacht, dass in Kill Team vielleicht nicht so viel Arbeit geflossen ist, wie das Spiel verdient hätte.

Für Kurzweil jedenfalls sorgt es, natürlich umso mehr, wenn man einen Kumpel im Boot hat, der dann idealerweise die eigene Klasse spielerisch ergänzt – oder seinem Kollegen alle Power-ups wegschnappt. Hat man die Reise durch das Orkschiff hinter sich, bietet Kill Team auch noch einen Überlebensmodus, in dem man ewig nachrückende Wellen von Orks verhackstücken kann. Oder man versucht, die persönlichen bzw. weltweiten Rekorde der Hauptkampagne zu überbieten. Ob diese eher wässrigen Versuche zur Langzeitmotivation funktionieren, werden wir erst beim Release erfahren – ich bin skeptisch.