Wer hätte das gedacht: Man kann einen Text auch prima ohne Daumen tippen. Warum ich das muss? Weil sie mir abgefallen sind, nachdem ich Warhammer 40.000: Kill Team eine Spur zu lange gespielt habe. Standardmäßig sollten Twin-Stick-Shooter mit einer Gesundheitswarnung daherkommen, insbesondere diejenigen, in denen man das Ballern am besten keine Sekunde unterbricht, weil sich ohnehin Welle um Welle fieser Widersacher auf einen ergießt.

Warhammer 40.000: Kill Team - Blutiger Trailer

Und Kill Team, ein Iso-Ableger der ohnehin wuseligen Strategietitel aus der Dawn-of-War-Reihe, gehört definitiv dazu. Hier geht es nicht um Geschichte, um Charaktere, nicht einmal im weiteren Sinne um das beliebte düstere Warhammer-Universum. Es geht hier einfach darum, dass bis zu vier der legendären Space Marines, militärische Speerspitze des göttlichen Imperiums der Menschen, von innen her gepflegt einen Kreuza der grünhäutigen Orks zerlegen.

Die grüne Gefahr

Vielleicht geht es noch nicht einmal darum. THQ Digital Warrington, ein mittlerweile zur Schließung verdammtes hauseigenes Studio des Publishers THQ, hatte offensichtlich nur eine Anweisung: „Schustert ein passables Ballerspiel zusammen, das wir einigermaßen zeitnahe zu Relics eigenem Action-Adventure 'Space Marine' veröffentlichen können!“ Mit diesem Befehl im Hinterkopf machten sich die Briten also daran, ihr letztes Spiel zu gestalten. Ich würde gerne sagen, dass sie weder Kosten noch Mühen scheuten, bin mir aber bei beidem nicht sicher.

Warhammer 40.000: Kill Team - „Ich hasse meine Daumen und will sie foltern...“

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Größe, die hat Kill Team, abgesehen von einigen Gegnern, nicht.
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Es ist eine Sache, dass ein Arcade-Actiontitel keine oder nur eine minimale Story hat, das ist prinzipiell völlig in Ordnung. Aber es ist schon schmerzlich, wenn das dahinterliegende Universum eigentlich so interessant ist. Angefüllt mit arroganten Aliens, verrückten Häretikern und wilden Bestien, in dem mächtige Dämonen und alte Götter beschworen werden und das Ende des Universums bedeuten können. Wer keinen Bezug zu Warhammer 40,000 hat, den soll das nicht weiter stören. Aber wer gerade einen Roman von Sandy Mitchell oder Dan Abnett gelesen hat, sollte hier nicht erwarten, eine Geschichte vorgesetzt zu bekommen. Dafür ist Kill Team einfach das falsche Spiel.

Aber auch die Machart des eigentlichen Spiels strotzt nicht gerade vor Leidenschaft oder Liebe zum Genre. So wurden etwa der wilde Look der Orks und die zusammengewürfelte Bauart ihres Kreuzas ganz gut eingefangen, doch das ist nicht so wahnsinnig schwer, wenn man bedenkt, dass viele Grafiken und Charaktermodelle unverändert aus Dawn of War 2 entlehnt sind.

Packshot zu Warhammer 40.000: Kill TeamWarhammer 40.000: Kill TeamErschienen für Xbox 360 und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Die Musik geht in die Ohren, doch auch sie wurde aus Relics Strategieknaller geklaut. Das ist zwar insofern nicht so wild, als dass man wenigstens gute Designs übernommen hat, scheint aber dafür zu sprechen, dass THQ Digital Warrington unter schweren Bedingungen schnell ein Spiel zusammenschustern mussten.

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Der Rest ist Geknüppel pur.
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Und spielerisch? Schauen wir mal: Nachdem wir eine der vier spielbaren Klassen gewählt haben (jeweils zwei für Nah- und Fernkampf) , geht es sofort los mit der Zerlegung einiger Grünhäute... und hört auch nicht wieder auf, bis wir den Abspann sehen. Wir schießen, prügeln, werfen Granaten, sammeln Power-ups (Buffs der Feuerrate, Heilung und so weiter) und aktivieren hin und wieder einen Spezial-Skill.

Nach genug Ork-Toden schalten wir einen passiven Bonus frei (mehr Leben, mehr Schaden etc.), von denen wir maximal zwei ausrüsten können, und zwischendurch erhalten wir neue Waffen, die für die Nahkämpfer keinen spielerischen Unterschied machen. Die Fernkämpfer können vom schweren Maschinengewehr/Bolter beispielsweise zum Raketenwerfer wechseln oder vom normalen Gewehr zum Melta – einer Strahlenwaffe, mit der die Gegner geröstet werden. Diese können wir auch im Überlebensmodus nutzen, in dem, wie gewohnt, unendlich viele Wellen von Orks angreifen und wir so lange wie möglich aushalten müssen.

WAAAGH!

Und das ist die Zusammenfassung des gesamten Spiels. Das Ganze erstreckt sich über fünf Missionen, die jeweils 20 bis 30 Minuten lang sind, je nach Spielweise. Nacheinander zertrümmern wir die Abfallanlage, die Generatoren und andere wichtige Komponenten des Kreuzas. Zwischendurch können wir Collectibles sammeln, die so ziemlich genau gar nichts machen, und je weiter wir vorrücken, desto mehr Einträge finden sich in unserer Enzyklopädie, deren Einträge schmerzhaft minimalistisch gehalten sind.

Stumpf und nichts für Solospieler, für Koop-Freunde aber ein billiger Zeitvertreib ohne Tiefgang.Fazit lesen

Dass in einem der Level plötzlich die Tyraniden, die insektenartigen Riesenmonster/Zerg der 40k-Welt als Gegner erscheinen, ist für die Verhältnisse dieses Spiels bereits eine schockierend große Überraschung, denn fünf Level immer gleicher Ork-Schlachterei in einer immer gleichen Rost- und Schrottumgebung schläfern den Kopf derart ein, dass jede Abweichung vom Schema, jeder Funke Abwechslung als Geschenk des Imperators empfunden wird. Es ist spielerisch und gestalterisch von Anfang bis Ende immer wieder genau dasselbe.

Ist Kill Team also zu nichts zu gebrauchen? Nein, es kann durchaus Spaß machen. So, wie ja das Design nicht prinzipiell schlecht ist, sondern einfach wegen dauernder Wiederholung irgendwann anödet, so kann man mit dem eigentlichen Spiel ebenfalls seinen Spaß haben – sofern man weiß, welche Voraussetzungen man mitbringen sollte. Sehen wir sie uns nacheinander an.

Warhammer 40.000: Kill Team - „Ich hasse meine Daumen und will sie foltern...“

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Immerhin: Zu zweit macht Kill Team mehr Laune. Liegt in der Natur der Sache.
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Kill Team wird, wie die meisten Spiele dieser Art, ungleich besser, sobald man einen Koop-Partner hat, der es sich auf der Couch nebenan bequem macht. Mit dem zusätzlichen Recken kann man sich taktisch ein bisschen mehr abstimmen, Nah- und Fernkampf miteinander kombinieren und mehr Power-ups sammeln (man kann immer einen der temporären Boni pro Spieler tragen). Wenn zwei verschiedene Space Marines über den Bildschirm hetzen, parallel mit ihren Kräften die Horde dezimieren und sich gegenseitig stärker machen, ist Kill Team gleich deutlich ansprechender.

Zweitens ist es ein Spiel, das sehr davon profitiert, wenn man es in mehreren Etappen durchzockt. Es geht zwar wie erwähnt nicht sehr lang, aber wenn man aus dem einen Rutsch zwei oder drei kleinere Sitzungen macht, ist es nicht annähernd so trist und repetitiv. Und zum dritten schadet es nicht, wenn man ohnehin vorhat, im Herbst Relics „Space Marine“ zu spielen, denn durch das Bewältigen eines Levels in Kill Team schaltet man eine besondere Waffe für das Schnetzelabenteuer frei.

Wenn diese Faktoren stimmen, dann kann man zugreifen und kriegt für seine 800 Microsoft Points bzw. zehn Euro im PSN Store ein sehr kurzweiliges Abenteuer, in dem jede Menge grünes Fleisch durch die Luft gewirbelt wird. Und wer zusätzlich noch darauf steht, seinen Namen in einer Bestenliste verewigt zu sehen, kann in den Levels und im Überlebensmodus durch Reihen-Kills schön viele Punkte verdienen und hat was zum Perfektionieren.

Solospieler sollten vom Kauf absehen, denn das Highlight des Spiels ohne Multiplayer-Modus dürfte die sporadische Zeitlupe sein, die auftritt, wenn man gerade den letzten Feind einer Gruppe zerschnetzelt. Und das ist nun wirklich nicht das tiefste Spielerlebnis, dass man erfahren kann.