Die Wucht seiner Zerstörungsengine verwandelt Battlefield 1 in ein ganz anderes Spiel. Wenn euch in der Enge des Häuserkampfes in einer französischen Kleinstadt das Mauerwerk um die Ohren fliegt, Explosionen Löcher in Häuser reißen und ganze Panzer sich durchs Mauerwerk quälen, um euch als Infanterist einen Besuch abzustatten, verwandelt sich die einst so cleane Battlefield-Reihe in ein düsteres Band of Brothers. Die Zerstörungsengine nimmt hier in erster Linie Deckung, doch warum muss die Leistungsfähigkeit moderner Engines eigentlich auf Shooter gebucht sein?

Dachten sich wohl die Macher von Van Helsing aus dem Hause Neocore Games, die mit Warhammer 40k: Inquisitor - Martyr Zerstörung auch ins Action-Rollenspiel-Genre einführen wollen. Eine schöne Idee, untermauert von der mächtigen Warhammer40k-Lizenz, dicken Rüstungen und noch dickeren Bossgegnern. Das Ganze geht zwar Richtung Diablo 3, fährt aber eine deutlich mehr Features, Ideen und einen kompletten Caligari-Sektor als Open-World-Spielwiese auf.

Die Inquisition: Prediger mit Kettensägenschwertern

Die namensgebenden Inquisitoren sind keine Space Marines, auch wenn sie so ähnlich aussehen. Es sind eher blutlüsterne Prediger, die das Foltern so sehr lieben wie ihre spanischen Vorfahren, allerdings auch selbst zu Felde ziehen und ihre Feinde mit Kettensägenschwertern aufschlitzen, wie wir es sonst eher aus Gears of War gewohnt sind. Es sind Heilige im Stahlmantel, die einem Geheimdienst angehören, der Gesetzesbrecher, also vor allem Anhänger des Chaos, nicht nur findet, sondern auch gleich richtet und liquidiert.

Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr - Cineastischer Ankündigungstrailer

So werden wir in der Rüstung von Ezekiel Varus, einem Level-10-Inquisitor der Crusader-Klasse auf die Raumstation Myrkon V entsendet, in der die Crew den Aufstand probt und sich dem Imperium widersetzt. Doch nicht nur Soldaten mit schwerem Gerät tummeln sich in den weitläufigen Gängen einer Raumbasis, die direkt auf einem Meteoriten errichtet wurde, sondern auch Chaos-Truppen und Mutanten. Grüne Nurglings, die mit schwabbelnden Bäuchen und langen Hörnern herantrapsen und mehr Opfer denn Gegner sind. Die richtige Brut, um das Kettensägenschwert aufzuwärmen. Interessant, skurril und aufdeckenswert: Die Monster scheinen gemeinsame Sache mit den abtrünnigen Truppen der Station zu machen, die mit schweren MGs in Stellung gehen und deren Schützen sich hinter einer umgestürzten Säule verschanzen.

Eine gute Gelegenheit, um die Zerstörungsengine zu testen: Eine direkt davor platzierte Granate zerlegt den Marmor, ein paar Salven aus dem Bolter-Rifle erledigen den Rest. Wir können die Umgebung allerdings auch proaktiv im Angriff nutzen, etwa, um leicht gepanzerte Einheiten mit umfallenden Säulen zu erschlagen - spart Munition. Oder für uns selbst Deckung zu kreieren, die gegen fünf Marauder gleichzeitig durchaus hilfreich ist. Vom ersten Eindruck her hat Warhammer 40k: Inquisitor - Martyr in seinen Mini-Bosskämpfen und Bosskämpfen die gleiche taktische Tiefe wie Diablo 3, fühlt sich aber signifikant langsamer und behäbiger an. Das ist laut Neocore bewusst so gewählt, man möchte die Schwere der Rüstung mit einfließen lassen. Der Titel schlägt also in eine ganz andere Bresche als beispielsweise Warhammer 40k: Space Marine, wo ihr euch im Sekundentakt durch die Horden schnetzeln konntet.

Warhammer 40,000: Inquisitor – Martyr - Diablo 4 im Warhammer-Universum mit Zerstörungsengine

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Deckung lässt sich sehr detailliert zerstören. Feuert ihr oft genug mit der Maschinenpistole auf eine Mauer, trefft ihr irgendwann den Kopf der Gegner. Mit Boltern oder Granaten geht’s flotter.
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Das Kettensägenschwert ist keine Allzweckwaffe, weil das Ausholen und Schneiden ähnlich wie in Gears of War 4 sehr viel Zeit kostet. Insgesamt gibt es drei Klassen, die sich sehr unterschiedlich spielen: Unser Crusader Ezekiel Varus lässt die Bodenplatten mit jedem Schritt ächzen, mit Anschleichen ist da nicht viel. Wer auf starke Panzerung verzichten und lieber mit Stealth und Geschick operieren will, entscheidet sich für die weibliche Inquisitorin Samara Cotant, die als Death-Cult-Assassin eine Mischung aus Ninja und Scharfschützin abgibt. Dank ihrer Doppelschwerter wirbelt sie umher, macht viel Umgebungsschaden und kann sich mit Rollmanövern wieder in Sicherheit bringen. Sie verfügt als Sniper aber auch über eine One-Hit-Waffe, die leicht gepanzerte Einheiten wie Ravager mit einem Schuss killt.

Ebenfalls spannend: Anders als in Diablo ziehen sich die Levels stark in die Vertikale, es gibt immer wieder Möglichkeiten, mit Fahrstühlen ein Stockwerk nach oben zu fahren, aber trotzdem nach unten zu schießen. Eine schöne taktische Komponente, auch weil Neocore bei seinen Bossen mit einem Bodypart-System arbeitet: Ihr könnt ganz gezielt erst einen bestimmten Teil der Rüstung eines Helbrute-Mechs absprengen und ihm dann die Arme zerfetzen, damit er schwere Waffen nicht mehr tragen kann.

Auch hier lässt sich die Zerstörungsengine wundervoll einsetzen: Feuern wir lange genug auf die Füße des vier Meter hohen Stahlkolosses, läuft er nur noch langsam. Passen wir jetzt den richtigen Moment ab, können wir über Schüsse und Granaten mehrere Säulen gleichzeitig auf ihn krachen lassen, wodurch seine Panzerung massiv Schaden nimmt. Zudem schwankt er dadurch nach hinten, was den gezielten Schnitt mit dem Kettensägenschwert erleichtert. Verliert er auch noch die linke Hand, ist der Helbrute-Koloss bald Geschichte.

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Das Art-Design ist schon jetzt klasse gelungen: Achtet mal auf die vielen liebevollen Details am Boden, den Säulen und dem Steampunk-Look der Anlage.
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Auffallend ist dabei, wie stilsicher Neocore das Warhammer-40k-Universum einfängt: Das ist zwar alles noch in einem recht frühen Stadium, wir sprechen hier über eine Pre-Alpha-Version, deren Texturen im Endprodukt gerne deutlich knackiger ausfallen dürfen. Aber die Szenerien sind sehr liebevoll designt und versprühen diesen einzigartigen Warhammer-40k-Charme, der ja ikonisch epische Architektur mit organischen Gebilden kombiniert. Ein Schalter zum Öffnen einer Tür ist beispielsweise ein menschlicher Kopf, der scheinbar zur Folter auf einen Knauf gesteckt wurde, und der anfängt zu reden, sobald wir an ihm ziehen.

Taktisch, blutig, brutal: Die Zerstörungsengine gibt dem Titel Tiefe, die drei Klassen sorgen für Abwechslung. Die Ungarn müssen allerdings aufpassen, dass sie sich mit ihren Modi nicht verrennen.Ausblick lesen

Neocore hat ganz offensichtlich ein Händchen für Setting und Design: Egal ob eine Kraterlandschaft, in der sich organische Schlingen und wabbeliger Schleim mit Felsen die Klinke in die Hand geben oder eine Asteroiden-Station, in der quasi jeder Gang von Säulen umrahmt wird, in dem Statuen des Imperators stehen und riesige Spiegel an der Decke die Umgebung spiegeln. Das ist alles stilecht umgesetzt, gerne mehr davon.

Das Festungssystem: PvP wie in Metal Gear Solid 5

Eigentlich würde uns die Singleplayer-Komponente völlig ausreichen, aber die Ungarn planen im deutlich größeren Stil: So gibt es nicht nur ein Raumschiff, das ihr ausrüstet und auf dem ihr eure Crew kommandiert und mit ihr interagiert, sondern auch eine individuell einrichtbare Inquisitionsfestung. Die werdet ihr zwar anders als in Metal Gear Solid 5 nicht umbedingt komplett selbst bauen können, wohl aber dekorieren, mit Dienern und Soldaten ausstatten, die sie in eurer Abwesenheit bewachen. Auch Fallen, Flammen- und Plasma-Türme lassen sich errichten, denn Neocore möchte das Fortress-Element als PvP-Modus verwenden.

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Ihr könnt bei Bosskämpfen gezielt Körperteile wie Arme oder Füße anvisieren, um Monster zu verlangsamen, ihnen die Schlag- oder Waffenhand zu nehmen.
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Ähnlich wie bei Kojima könnt ihr jederzeit feindliche Festungen angreifen und wenn ihr sie knackt, klaut ihr euch den Loot. Credits und Waffen werden nämlich hier gelagert, entsprechend lohnt es sich in die eigene Verteidigung zu investieren. Das sind allerdings mehr Gedankenspiele, gezeigt haben die Ungarn davon noch nichts.

Interessant auch die Multiplayer-Komponente, in der der komplette Caligari-Sektor mit all seinen Sonnensystemen und Planeten als Open-World-PVP/PVE-Schlachtgebiet dienen soll. Hier gibt es Challenges für Vier-Spieler-Koop-Teams, die wiederum eine eigene Geschichte erzählen, wobei allerdings die Welt persistent ist. Angenommen, an verschiedenen Punkten drohen Invasionen der Dark Eldar, der Orks oder des Chaos, dann entscheidet die Community darüber, wie sich die Lore verändert. Stürzen sich alle auf eine dieser Fraktionen und vernichten sie, kann dadurch eine andere erstarken, schließlich hat sie Zeit, Truppen aufzubauen und den Krieg vorzubereiten. Auf Blut und Morde stehen irgendwie alle Warhammer40k-Fraktionen.