Erst Ruse, dann Wargame, das nun einen zweiten Einsatz bekommt – die Franzosen von Eugen Systems mausern sich immer mehr zum Spezialistenteam für Militäreinsätze am Bildschirm. Allerdings haben sie eine Strategie gewählt, die zwar im weltweiten Kampf um die Spielergunst sehr gute Wertungen erstritt – Durchschnitt bei Metacritic 81 -, aber in Deutschland im Beliebigkeitsschlamm stecken blieb.

„Wir haben etwas falsch gemacht“, gibt Studiochef Cedric Le Dressay offen zu. Das erste Wargame hatte und hat unbestritten seine Fans, nur hierzulande konnte das Spiel seltsamerweise nicht so richtig punkten – im internationalen Vergleich gab es in der Bundesrepublik die schlechteste Durchschnittswertung. Doch die Entwickler wollen nachlegen. Nach „European Escalation“ ist längst der zweite Teil von „Wargame“ in der Mache: „Airland Battle“.

Das Hauptproblem des Echtzeitstrategietitels, der erst seit Februar auf dem Markt ist, sei die Einzelspielerkampagne gewesen, so Le Dressay. Der Mehrspielerpart sei hingegen begeistert aufgenommen worden. Und deshalb versetzen uns die Franzosen erneut in die Zeit des Kalten Krieges – diesmal jedoch nicht nach Mitteleuropa, sondern nach Skandinavien zwischen 1975 und 1985. In Norwegen, so die sowjetischen Pläne vor dem Deutschen Mauerfall, sollte die Marine die Truppenbewegungen der US-Amerikaner stoppen und eine Zangenbewegung über die Ostsee nach Schweden den Gegenschlag aufhalten.

Den kommunistischen Expansionsdrang werden in "Airland Battles" bis zu vier Spieler im Koopmodus ausleben können – oder gegeneinander, ebenfalls innerhalb der Kampagne. Ist dann einer zum Verlieren verdammt? „Nein“, entgegnet Le Dressay, „wir machen kein Spiel, damit die US-Amerikaner am Ende gewinnen“, und lacht. Im Mehrspielerteil können bis zu vier gegen vier Kommandeure gegeneinander antreten, auch wenn wegen möglicher Zuschauer wohl häufig mehr auf als acht Augen das Schlachtfeld beobachten. Ach ja: Der Anteil der Kampagne und des Mehrspielerteils sollen sich die Waage halten.

Wargame: AirLand Battle - Mach mir den Leopard

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Wie schon der Vorgänger ist Wargame 2 hübsch anzusehen.
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Für den Kampf der Systeme stehen diesmal wesentlich mehr Einheitentypen zu Verfügung. Während im ersten Wargame noch 350 Einheiten spielbar waren, sind es nun insgesamt 750. Davon sind 150 nur Flugzeuge. Wer diese nicht nur auf den Schlachtfeldern beäugen will, kann dies nun auch im „Showroom“ machen.

Auf dem Schlachtfeld selbst sind kombinierte Angriffe von Panzern und Einsatzkräften in der Luft eine der großen Neuerungen, was auch den Spieletitel „Airland Battle“ erklärt. Der Schauplatz Norwegen ist bergig, zerklüftet, mit vielen Fjorden. Die überwiegend sehr flache Landschaft aus dem ersten Teil bekommt deshalb mehrere Höhenlevel verpasst, was den Realismusgrad erhöhen soll.

Packshot zu Wargame: AirLand BattleWargame: AirLand BattleErschienen für PC kaufen: ab 8,80€

Dazu gehört auch dynamisches Terrain, etwa Wälder, die niederbrennen. Wie gehabt ist das Sichtliniensystem ein zentraler Bestandteil bei Wargame – nur was die Truppen auf dem Schlachtfeld sehen, sieht auch der Spieler auf dem Bildschirm.

Wie in echt

„Authentizität und Qualität ist für uns das Wichtigste bei Wargame 2“, sagt Le Dressay. Während das mit der „Qualität“ als Marketingpflicht durchgeht, ist die Nähe zu den realen Armeen der NATO und deren Widersacher des Warschauer Paktes auch eine spielmechanische Komponente. „Militärfans spielen einen Titel ungewöhnlich lang, sie stellen hohe Ansprüche“, sagt der Studiochef. 30 Stunden dynamischer Missionen – also von Einsätzen, die sich jedes Mal anders gestalten – soll die Wiederspielbarkeit des Kampagnenkonflikts erhöhen.

Wargame mit kleinen Verbesserungen und einer Masse neuer Einheiten – doch das Gesamtpaket muss stimmen.Ausblick lesen

Auch die unterschiedlichen Armeen sollen Fans bei Laune halten. Wie gehabt kaufen Spieler ihre Einsatzkräfte über Punkte, ähnlich eines Tabletop-Strategiespiels. Spielbar ist die NATO im Gesamten, oder aber einige ihrer Mitgliedsstaaten im Einzelnen. Zu der bislang bereits spielbaren Bundeswehr, den Franzosen, Briten und US-Amerikanern kommen für das westliche Militärbündnis Norwegen, Schweden, Dänemark und Kanada hinzu. Für den Warschauer Pakt kämpfen Truppen aus der Sowjetunion, der DDR, aus Polen und der Tschechoslowakei.

Entscheidet sich der Spieler nicht dafür die NATO, sondern nur eine Nation zu spielen, gibt es mehr Punkte für die Truppenwahl und zudem exklusive Einheiten. „Warum sollten die Franzosen einen Leopard haben?“, fragt Le Dressay. Also bleibt der Panzer der Bundeswehr vorbehalten. Mit den Soldaten der Tricolore kämpfen Fremdenlegionäre, und die US-Amerikaner attackieren den Gegner mit Apache-Helikoptern.

Wargame: AirLand Battle - Mach mir den Leopard

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Die Strategiekarte erinnert an Ruse aus demselben Entwicklerstudio.
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Neben dem überarbeiteten Interface – basierend auf Hinweisen aus der Community -, setzen Eugen Systems auf weniger Mikromanagement. Eine höhere „Aktionen pro Minute“-Rate sei nicht gewollt, heißt es. So werden etwa Kämpfe in Siedlungen vereinfacht, Infanteristen nur noch in Häuserblocks oder Ortsteile beordert. Dort beziehen sie automatisch Stellung oder versuchen den Gegner zu vertreiben, indem sie zum Beispiel eigenständig Stellungen flankieren.

Trotz der Arbeit an der Künstlichen Intelligenz, an Grafik und Einheiten soll „Airland Battle“ keinen besseren Rechner als „European Escalation“ benötigen. Auch hier kennen die Franzosen ihre Zielgruppe offenbar genau: „Strategiespieler haben häufig keine High-End-Maschine, sie rüsten ihren Computer nicht so häufig auf.“ Damit machen die Entwickler garantiert nichts falsch.