Crytek und Free-to-Play? Witz oder Wirklichkeit? Seit rund drei Monaten wird in Russland bereits gezockt, in bester Grafik und online. Wahrscheinlich hatten die Frankfurter Angst, sich ihrem Premiumprodukt Crysis selbst Konkurrenz zu machen, aber jetzt haben sie es doch getan – „Warface“ wird auch in den westlichen Industrieländern veröffentlicht.

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Vor dem Stand von Publisher Trion Worlds ein Aufsteller des Titels, ein verdreckter Soldat in Tarnuniform, Auge in Auge mit einem Totenschädel; das Gesicht des Krieges. Warface. Das Bild sagt einiges über die neue Marke des deutschen Spieleentwicklers, der momentan auf weltweitem Expansionskurs ist, mit Studios in Deutschland, Kiew und Schanghai.

Das hat auch mit der hauseigen entwickelten Grafikmaschine Cryengine 3 zu tun, die vielleicht sogar John Carmack einen solchen Schrecken eingejagt hat, dass id Software flugs ein verbessertes Doom 3 auf den Markt schieben wird.

Warface

- Hallo, du Kriegsgesicht!
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Trion Worlds und Crytek veröffentlichen den Online-Shooter gemeinsam.
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Warface ist jedoch kein SciFi-, sondern ein Militärshooter. Offenbar ist der Mehrspielermarkt der nächste, von dem Crytek ein Stück abhaben will. Die Entwickler schicken die Spieler prinzipiell gemeinsam mit anderen in kriegerische Auseinandersetzungen.

Bei der ersten Variante kooperieren die mensch- gegen die maschinengesteuerten Soldaten. Dabei soll Warface vor allem die abholen, die genervt abwinken, wenn es um Shooter-Mehrspieler geht, weil das Fähigkeitenlevel inzwischen höher geworden ist. „Niemand soll frustriert aufgeben, weil er von einem Zwölfjährigen geownt wird“, sagt einer der Entwickler augenzwinkernd.

Packshot zu WarfaceWarfaceRelease: PC: 21.9.2013
Xbox 360: 1. Quartal 2014

Drei Schwierigkeitsstufen sind wählbar – bei der niedrigsten überlebt der Charakter je nach Situation auch mal einen Kugelhagel, der auf der höchsten zu multiplen Toden geführt hätte.

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Und damit auch jeder erkennt, ob da Freund oder Feind mit dem Scharfschützengewehr auf dem Dach, oder im Rudel auf die Rückseite des Eisenbahnwaggons zugestürmt kommt, sind alle Gegner leuchtend rot umrandet. Warface spielt sich flüssig, ohne viele Überraschungen, wie ein üblicher Shooter. Da Crytek beabsichtigt, die Einstiegslatte niedrig zu legen, ist das ein Plus.

Vier unterschiedliche Klassen sind wählbar, auch im puren Mehrspielermodus von bis zu acht gegen acht Freizeitrambos: Schütze, Sanitäter, Mechaniker und Scharfschütze. Beschränkungen überzeugen die Spieler sanft davon, ihre Rolle auch offensiv wahrzunehmen: So kann etwa der Feldmediziner nur Schrotflinten nutzen, die aus der Nähe bedeutsamen Schaden verursachen. Hinter der zehnten Kiste verstecken, die Mitstreiter heilen und nur aus der Distanz draufballern ist damit unmöglich.

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Bereits in Russland erschienen, spielen hier über 2 Millionen User das MMO Warface.
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„Wir sagen nicht gerne Free-to-Play, sondern, dass der Client gratis ist“, betonen die Crytek-Entwickler auf der Gamescom den ihrer Ansicht nach entscheidenden Unterschied. Über die Software soll sich nachvollziehen lassen, wie sich der Charakter entwickelt hat, alles statistisch ausgewertet. Und Ja, es wird Mikrotransaktionen über einen Shop geben, über die die eigene Spielfigur ausgerüstet wird, mit Kleidung und Waffen.

Apropos: Nicht nur die Wahl vor dem Einsatz ist entscheidend, sondern auch währenddessen. Die Waffen des Schützen etwa haben einen unangenehmen Rückstoß – je nach Situation kann ich einen zusätzlichen Griff anschrauben, der die Bewegung etwas verringert.

Dazu noch ein anderes Zielfernrohr und auf die Lauer gelegt, schon sind Kopfschüsse auf große Entfernung kaum noch ein Problem, auch nicht im städtischen Umfeld, wo vieles die Sicht behindert. Hilft das alles nichts und ich segne vorübergehend das Zeitliche, kann ich ab einem vom eigenen Team kontrollierten Checkpoint wieder eingreifen. Zudem kann ich zusätzliche Komponenten wie einen Granatwerfer anmontieren.

Etwa 50 Prozent der Inhalte sollen Karten für Spieler gegen Maschine sein. Zwar kommen bei beliebten Online-Titeln die Entwickler meist nicht hinterher, die Nutzer sind naturgemäß fast immer schneller als die Erschaffer neuer Aufgaben. Dieses Problem wollen Crytek mit einer eigens für Warface entwickelten Software lösen. Ziel sei, „jeden Tag eine neue Mission“ bereitzustellen, heißt es.